Karies bei Kleinkindern nimmt immer mehr zu

Sebastian
Mangelnde Zahnarztbesuche: Immer mehr Karies bei Kleinkindern
Bereits im Kleinkindalter müsste Experten zufolge der Zahnpflege mehr Beachtung geschenkt werden. Zwar fallen die Milchzähne irgendwann aus, doch Karies sollte auch bei den Unter-Drei-Jährigen Ernst genommen werden. Ein Problem seien mangelnde Besuche beim Zahnarzt.

Fachleute schlagen Alarm
Gesundheitsexperten zeigen sich besorgt angesichts mangelnder Besuche von Kleinkindern beim Zahnarzt. Der Vize-Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dietmar Oesterreich, warnte zum Tag der Zahngesundheit, dass so bis zum dritten Lebensjahr kaum Aufklärung über Ernährung und Mundhygiene stattfinden könne. Laut einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa erklärte er: „Wir haben festgestellt, dass in dieser Lebensphase im wahrsten Sinn des Wortes das Kind in den Brunnen fällt und die Milchzähne bereits kariös werden.“ Auch Milchzähne brauchen viel Pflege, mahnen Experten immer wieder. Den Angaben zufolge haben rund 15 Prozent der Unter-Drei-Jährigen in Deutschland Karies.

Karies: Immer mehr Kinder betroffen. Bild: annadanilkova22 - fotolia
Karies: Immer mehr Kinder betroffen. Bild: annadanilkova22 – fotolia

Nur wenige Kleinkinder kommen zur Früherkennungsuntersuchung
Laut dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kommt im Schnitt nur jedes dritte Kind unter sechs Jahren zu Früherkennungsuntersuchungen. Es sei außerdem erschreckend, „dass das tägliche Zähneputzen in vielen Kindertagesstätten eingestellt wurde“, meinte der stellvertretende GKV-Vorstandsvorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg. Dies sei insbesondere für Kinder gefährlich, in deren Elternhaus das auch vernachlässigt werde. Seit 25 Jahren machen Mediziner mit dem Tag der Zahngesundheit auf die Bedeutung von Mundhygiene aufmerksam. In den vergangenen Jahren mussten sie leider berichten, dass immer mehr Kleinkinder an Karies leiden.

Behandlung von kleinen Kindern komplizierter
Oesterreich hob hervor: „Frühkindliche Karies ist entgegen dem allgemeinen Kariesrückgang sogar ein wachsendes Problem.“ Bei tieferen Zerstörungen sei häufig sogar eine Narkose nötig. In diesem Alter sei die Behandlung von Zahnproblemen nicht nur schmerzhaft, sondern auch komplizierter als bei Erwachsenen. Dem Experten zufolge sollten Eltern mit Durchbruch des ersten Zahns ihres Kindes regelmäßig zur Beratung in die Praxis kommen. Andere Fachleute haben in der Vergangenheit zudem darauf hingewiesen, dass Eltern die Zahnpflege ihrer Kinder bis zum Ende der Grundschule prüfen sollten, da es den Kleinen oft noch schwer fällt, alles richtig zu machen.

Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten
Allerdings sieht es nicht in jedem Gebiss düster aus: Während in den 1980er-Jahren laut der Bundeszahnärztekammer Zwölfjährige beispielsweise fast sieben kariöse Zähne hatten, machte zuletzt im Schnitt nur noch weniger als ein Zahn Probleme. In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten wurde allgemein viel erreicht. Das hat auch mit einem Umdenken zu tun. „Vor 25 Jahren waren Gesundheitssystem und zahnmedizinische Versorgung vornehmlich auf Reparatur ausgerichtet, Prophylaxe spielte kaum eine Rolle“, erklärte Oesterreich in einer Pressemitteilung. Heutzutage putzen sich über 80 Prozent der Deutschen zweimal täglich ihre Zähne – zumindest nach eigenen Angaben.(ad)