Karieszähne: Babys müssen schon mit sechs Monaten zum Zahnarzt

Sebastian
Mundhygiene: Kleinkinder sollen mit sechs Monaten zum Zahnarzt
Experten bemängeln, dass nur wenige Eltern mit ihren Kleinkindern zum Zahnarzt gehen. Eine frühe Aufklärung über gesunde Ernährung und ausreichende Mundhygiene könne so nicht stattfinden. Zahnmediziner bekommen nun Unterstützung von der Politik.

Schon mit Babys zum Zahnarzt
Von Fachleuten wird bemängelt, dass Eltern nur selten mit ihren Kleinkindern zum Zahnarzt gehen. Eine Aufklärung über Ernährung und Mundhygiene könne so bis zum dritten Lebensjahr kaum stattfinden, warnte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dietmar Oesterreich. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte er: „Wir haben festgestellt, dass in dieser Lebensphase im wahrsten Sinn des Wortes das Kind in den Brunnen fällt und die Milchzähne bereits kariös werden.“ Bereits rund 15 Prozent der Kinder unter drei Jahren hierzulande haben Karies.

Ab dem 6. Lebensmonat empfiehlt sich ein Besuch beim Kinderzahnarzt. Bild:  Jürgen Fälchle - fotolia
Ab dem 6. Lebensmonat empfiehlt sich ein Besuch beim Kinderzahnarzt. Bild: Jürgen Fälchle – fotolia

In vielen Kitas wurde Zähneputzen eingestellt
Laut dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) kommt im Schnitt nur jedes dritte Kind unter sechs Jahren zu Früherkennungsuntersuchungen. Es sei außerdem erschreckend, „dass das tägliche Zähneputzen in vielen Kindertagesstätten eingestellt wurde“, meinte der stellvertretende GKV-Vorstandsvorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg. Dies sei insbesondere für Kinder gefährlich, in deren Elternhaus das auch vernachlässigt werde. Oesterreich hob hervor: „Frühkindliche Karies ist entgegen dem allgemeinen Kariesrückgang sogar ein wachsendes Problem.“ Bei tieferen Zerstörungen sei häufig sogar eine Narkose nötig. In diesem Alter sei die Behandlung von Zahnproblemen nicht nur schmerzhaft, sondern auch komplizierter als bei Erwachsenen.

Heute spielt Prophylaxe eine größere Rolle
Dem Experten zufolge sollten Eltern mit Durchbruch des ersten Zahns ihres Kindes regelmäßig zur Beratung in die Praxis kommen. Andere Fachleute haben in der Vergangenheit zudem darauf hingewiesen, dass Eltern die Zahnpflege ihrer Kinder bis zum Ende der Grundschule prüfen sollten, da es den Kleinen oft noch schwer fällt, alles richtig zu machen. Allerdings haben die Experten auch positives zu berichten: Während in den 1980er-Jahren laut der Bundeszahnärztekammer Zwölfjährige beispielsweise fast sieben kariöse Zähne hatten, machte zuletzt im Schnitt nur noch weniger als ein Zahn Probleme.

In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten wurde allgemein viel erreicht. Das hat auch mit einem Umdenken zu tun. „Vor 25 Jahren waren Gesundheitssystem und zahnmedizinische Versorgung vornehmlich auf Reparatur ausgerichtet, Prophylaxe spielte kaum eine Rolle“, erklärte Oesterreich in einer Pressemitteilung. Heutzutage putzen sich über 80 Prozent der Deutschen zweimal täglich ihre Zähne – zumindest nach eigenen Angaben.

Karies an Milchzähnen vermeiden
Die Warnungen der Zahnmediziner wurden offenbar auch in der Politik wahrgenommen. Die zahnärztliche Prävention für Kinder soll im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) deutlich gestärkt. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) genehmigte nun einen wichtigen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Neufassung der ärztlichen Kinderrichtlinien.

Der Kinderarzt soll künftig zwischen dem sechsten und 64. Lebensmonat im Rahmen der U-Untersuchungen mindestens sechs Mal zum Zahnarzt überweisen. Der erste Zahnarztbesuch eines Kindes würde damit standardmäßig bereits im sechsten Lebensmonat erfolgen. Dies soll dabei helfen, Karies an Milchzähnen nach Möglichkeit zu vermeiden. Fortgeschrittene Milchzahnkaries ist oft mit Zahnschmerzen, Zahnzerstörungen sowie starken Entzündungen verbunden. Das gehe laut dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Wolfgang Eßer, nicht selten mit Folgeschäden für die Entwicklung des Kiefers und für das bleibende Gebiss einher. Außerdem sei eine frühe Behandlung häufig auch die schonendere.(ad)