Kaum Gesundheitswissen der Deutschen

Heilpraxisnet

Gesundheitskompetenz der Deutschen oft problematisch bis unzureichend

15.07.2014

Das Wissen der Deutschen über ihre Gesundheit ist von deutlichen Defiziten geprägt. „14,5 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten verfügen nur über eine unzureichende Gesundheitskompetenz, 45 Prozent über eine problematische, 33,5 Prozent sind ausreichend kompetent und sieben Prozent verfügen über ausgezeichnete Fähigkeiten“, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Zwar ist den meisten Deutschen bewusst, dass Übergewicht, Rauchen und Alkoholmissbrauch zu erheblichen gesundheitlichen Beschwerden führen können, doch viel weiter reicht das Gesundheitswissen oftmals nicht. „Die erste repräsentative bundesweite Befragung zur Gesundheitskompetenz offenbart, dass fast 60 Prozent der gesetzlich Versicherten Defizite haben“, berichtet die AOK. Dieser Mangel an Wissen über die Gesundheit könne zu gesundheitlichen und finanziellen Schäden führen.

Schwierigkeiten mit Gesundheitsinformationen
Im Auftrag des WIdO hatte „das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum der Universität Duisburg-Essen telefonisch 2.010 gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren im Zeitraum Dezember 2013 bis Januar 2014“ befragt, so die Mitteilung der AOK. Annähernd ein Drittel der Befragten offenbarte dabei Defizite in der Gesundheitskompetenz. Zudem habe mehr als ein Viertel der Versicherten angegeben, das Finden von Information über Krankheitssymptome sei für sie schwierig. „Fast ein Drittel hat Schwierigkeiten, Medieninformationen zu verstehen“ und „37 Prozent der Befragten können nur schwer beurteilen, ob eine Zweitmeinung einzuholen ist oder nicht“, berichtet die AOK weiter. „Dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, Unterstützungsangebote zu finden, ist ein Alarmsignal“, betonte Jürgen Graalmann, Chef des AOK-Bundesverbandes.

Geringe Gesundheitskompetenz ein Gesundheitsrisiko
Der AOK-Chef erklärte, dass „gut verständliche und verlässliche Informationen für viele Menschen das A und O sind, um die richtigen Entscheidungen für ihre Gesundheit zu fällen.“ Hier müssten die Informationen „verständlich, nutzerorientiert und qualitätsgesichert sein und vor allem müssen sie bei den Menschen auch ankommen“, so Graalmann weiter. Von der AOK würden zu diesem Zweck zum Beispiel Navigatoren im Internet für die Arzt-, Klinik- und Pflegesuche als Entscheidungshilfen angeboten. Die zu geringe Gesundheitskompetenz der Versicherten kann laut Angaben der AOK zu Fehlverhalten und einem erhöhten individuellen Gesundheitsrisiko führen. Hier hätten andere internationale Studien gezeigt, dass „weniger kompetente Menschen“ sich risikoreicher verhalten, Angebote zur Prävention und Früherkennung zu wenig in Anspruch nehmen, sich weniger oft therapietreu zeigen und eher den Heilungserfolg gefährden. Hieraus resultiere ein höheres frühzeitiges Sterberisiko und sie verursachen höhere Behandlungskosten, berichtet die AOK weiter. „Nach Schätzungen belaufen sich die höheren Ausgaben für das Gesundheitssystem allein für Deutschland auf bis zu 15 Milliarden Euro“, so die Mitteilung der Krankenkasse.

Gesundheitswissen als Bildungsauftrag
Eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz lässt sich nach Einschätzung des AOK-Chefs jedoch nicht durch Maßnahmen allein im Gesundheitswesen erreichen, sondern hier müsse „insbesondere in der Bildung Gesundheit einen festen Platz bekommen.“ Graalmann forderte, dass sich in der „Kita, Vorschule, allen anderen Schulzweigen und in der Erwachsenenbildung sowie der außerschulischen Jugendarbeit“ mehr mit dem Thema befasst wird. Die AOK zeige zum Beispiel mit ihrem „Programm JolinchenKids, was in Kitas alles möglich ist.“ Der Nachholbedarf beim Gesundheitswissen der Deutschen lasse sich auch anhand einer Studie der Europäischen Union aus den Jahren 2009 bis 2011 erkennen, derzufolge „im EU-Durchschnitt 47,6 Prozent unzureichende oder problematische Fähigkeiten“ haben, „wogegen es in Deutschland 59,5 Prozent sind“, berichtet die AOK. International seien bereits zahlreiche Handlungshilfen und nationale Aktionsplänen verfügbar, während das Thema in Deutschland noch kaum ins öffentliche Bewusstsein gerückt sei. (fp)

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de