Krebsforschung: Immunzellen können Heilungschancen bei Brustkrebs voraussagen

Alfred Domke

Prognose bei Brustkrebs: Immunzellen sagen Heilungschancen voraus

Brustkrebs, auch Mammakarzinom genannt, ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. Allein in Deutschland werden jährlich bis zu 70.000 Neuerkrankungen gezählt. Forscher haben nun festgestellt, dass bei bestimmten Brustkrebsformen Immunzellen über die Überlebenschancen entscheiden. Zudem sagen sie auch den Nutzen einer Chemotherapie voraus.

Der häufigste bösartige Tumor bei Frauen

„Laut Hochrechnungen des Robert Koch-Instituts in Berlin erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 65.500 Frauen neu an Brustkrebs“, schreibt die Deutsche Krebshilfe in einer Mitteilung. Das Mammakarzinom ist der häufigste bösartige Tumor bei Frauen. In der Regel steigen die Heilungschancen, je früher der Tumor entdeckt wird und je genauer er diagnostiziert werden kann. Bei bestimmten Brustkrebsformen entscheiden auch die Immunzellen über die Überlebenschancen, wie deutsche Forscher nun herausgefunden haben. Diese Zellen sagen zudem den Nutzen einer Chemotherapie voraus.

Forscher haben herausgefunden, dass bei bestimmten Brustkrebsformen Immunzellen über die Überlebenschancen entscheiden. Zudem sagen sie auch den Nutzen einer Chemotherapie voraus. (Bild: Sven Bähren/fotolia.com)

Immunzellen entscheiden über die Überlebenschancen

Wenn Immunzellen in den Tumor eindringen, gilt dies gemeinhin als gutes Zeichen, weil die körpereigene Abwehr gegen den Krebs vorzugehen scheint.

Bei bestimmten Brustkrebsformen entscheiden Immunzellen, sogenannte tumorinfiltrierende Lymphozyten (TILs), über die Überlebenschancen und sagen auch den Nutzen einer Chemotherapie voraus.

Das zeigt die bisher größte Metastudie zum TIL-Gehalt von Wissenschaftlern des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Zusammenarbeit mit der German Breast Group.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden vor kurzem im Fachmagazin „The Lancet Oncology“ veröffentlicht.

Entscheidung für oder gegen die Chemotherapie

Die Entscheidung für oder gegen die Chemotherapie erweist sich bei Brustkrebs häufig als schwierig. Bereits vor der Operation kann die Behandlung einen bösartigen Tumor verkleinern, so dass weniger Gewebe entfernt werden muss.

Sie ist aber auch mit gravierenden Nebenwirkungen verbunden, so dass Ärzte Nutzen und Risiken für die Patientinnen abwägen müssen.

Die neue Studie beschreibt sogenannte tumorinfiltrierende Lymphozyten (TIL) als wichtigen Faktor, um die Heilungschancen und den Nutzen einer Chemotherapie vorherzusagen. Viele TILs bedeuten, dass eine Chemotherapie besonders wirksam gegen die Tumoren sein wird.

Zeichen für gute Heilungschancen

„Insbesondere bei schnell wachsenden Brusttumoren sind Immunzellen, die im Tumor nachweisbar sind, ein Zeichen für gute Heilungschancen, der Tumor ist dann für das Immunsystem sichtbar“, erklärt Carsten Denkert vom Institut für Pathologie der Charité in einer Mitteilung.

Denkert, der zu den Brustkrebsspezialisten im DKTK gehört, und seine Kollegen wollten wissen, wie zuverlässig der TIL-Gehalt als Biomarker für unterschiedliche Formen von Brustkrebs eingesetzt werden kann und welche Immunzelltypen dabei die entscheidenden Indikatoren sind.

Dass es hier gravierende Unterschiede gibt, zeigte die bislang umfänglichste Untersuchung zum Immunzell-Gehalt bei Brustkrebs.

Die Wissenschaftler und Ärzte analysierten den Anteil tumorinfiltrierender Immunzellen in 3.771 Gewebeproben von Patientinnen aus sechs klinischen Brustkrebsstudien. Alle Frauen erhielten vor der Operation eine Chemotherapie.

Dass ein hoher TIL-Spiegel mit besserem Ansprechen auf die Therapie und guten Überlebenschancen einhergeht, konnte die Studie eindeutig bei Patientinnen mit dem sogenannten triple-negativen und HER2-positiven Mammakarzinom zeigen.

„In dieser Situation unterstützen sich die Chemotherapie und das Immunsystem gegenseitig, um den Tumor zu bekämpfen“, so Denkert.

TIL-Gehalt mit hohem prognostischem Wert

Ganz anders verhält es sich jedoch beim luminalen Subtyp (hormonrezeptor-positiv/HER2-negativ), wie die Studie zeigte. Patientinnen mit dieser Brustkrebsform zeigten insgesamt niedrigere TIL-Werte und hier waren die TILs nicht mit einem verbesserten Überleben assoziiert.

„Wir gehen deshalb davon aus, dass diesem Brustkrebstyp eine andere Immunreaktion zugrunde liegt und die Zusammensetzung der eindringenden Immunzellen anders ist“, fasst Denkert zusammen.

Bei genauerem Hinschauen zeigte sich, dass vor allem Makrophagen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, im Tumor ein Zeichen für eine schlechte Prognose bei der luminalen Brustkrebsform sind.

Ein hoher Anteil Antikörperbildende B-Zellen korrelierte dagegen mit guten Überlebenschancen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der TIL-Gehalt bei einigen aggressiven Formen von Brustkrebs einen hohen prognostischen Wert hat, um vorhersagen zu können, welche Patientinnen von einer Chemotherapie profitieren“, betont Denkert.

Um das Ansprechen weiter zu verbessern, werden aktuell Immuntherapien getestet, die das Immunsystem zusätzlich gegen den Tumor aktivieren sollen.

So werden am DKTK Standort Berlin in Zusammenarbeit mit der German Breast Group Biomarker-Untersuchungen in der klinischen Studie GeparNuevo durchgeführt, um herauszufinden, inwiefern sich die Immunzellen als Marker für eine erfolgreiche Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Hemmern eignen.

TILs sollen künftig als Marker eingesetzt werden, um die Brustkrebstherapie für Patientinnen noch besser zu steuern. (ad)