Keime im Trinkwasser

Fabian Peters

TÜV Rheinland: Keime in zahlreichen Wasserproben

02.08.2011

Das Trinkwasser in öffentlichen Gebäuden ist oftmals erheblich mit Keimen belastet. Zu diesem Ergebnis kommen der TÜV Rheinland und die ARD-Sendung „Plusminus“ bei einer bundesweiten Untersuchung der Leitungswasserqualität in öffentlichen Gebäuden. Grund für die teilweise erhebliche Keimbelastung seien vor allem die schlechten Leitungen und die dreckigen Wasserhähnen.

Mehr zum Thema:

Mit dem Händewaschen auf öffentlichen Toiletten geht häufig der Kontakt zu gesundheitlich bedenklichen Keimen einher, berichtete der TÜV Rheinland am Dienstag in Köln. In der Untersuchung des TÜV´s und der ARD-Sendung „Plusminus“ von insgesamt 50 Leitungswasserproben sei bei rund der Hälfte der Proben eine deutlich erhöhte Keimbelastung nachgewiesen worden. Teilweise haben die festgestellten Keimbelastungen die zulässigen Grenzwert um das Achtfache überschritten, erklärte der TÜV Rheinland.

Legionellen, coliforme Bakterien und Pseudomonaden im Wasser
Die Untersuchung der Leitungswasserqualität durch den TÜV Rheinland ergab eine oftmals deutlich zu hohe Belastung des Trinkwassers mit gesundheitlich bedenklichen Bakterien. So wurden in den Trinkwasserproben aus öffentlichen Gebäuden (zum Beispiel Krankenhäuser, Bahnhofstoiletten) unter anderem coliforme Bakterien, Legionellen und die sogenannten Pseudomonaden (auch bekannt als Krankenhauskeime) nachgewiesen. Die Keime können dabei verschiedenste gesundheitlich Beschwerden auslösen, die sich bei den coliformen Bakterien meist auf den Verdauungstrakt konzentrieren und hier als typische Symptome Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen verursachen. Die zuletzt in Deutschland während der EHEC-Epidemie aufgetretenen sogenannte Enterohämorrhagische Escherichia coli gehören jedoch auch zu den coliformen Bakterien und können neben den bereits genannten gesundheitlichen Beeinträchtigungen erheblich weitreichendere gesundheitliche Folgen mit sich bringen. So zählen zu den EHEC-Symptome zum Beispiel auch Schädigungen der Nieren bis hin zum akuten Nierenversagen. Die in vier Trinkwasserproben nachgewiesenen Legionellen sind als Auslöser der Legionärskrankheit bekannt, die ihrerseits oftmals mit lebensbedrohlichen Lungenerkrankungen einhergeht. Die sogenannten Pseudomonaden, welche in zwei Wasserproben nachgewiesen wurden, sind entzündungsfördernde Keime, die mitunter schwerwiegende Infektionen im Organismus auslösen können, berichtet der TÜV Rheinland weiter.

Ursachen der Keimbelastung im Leitungswasser
Insgesamt beurteilten der TÜV Rheinland und das ARD-Magazin „Plusminus“ die Keimbelastung des Leitungswassers in den öffentlichen Gebäuden als äußerst kritisch, da die unterschiedlichen Bakterien teilweise erhebliche gesundheitliche Beschwerden auslösen können. Zu erklären sei die Belastung der Wasserproben zum Beispiel durch kaputte Leitungen oder eine vermehrte Keimbildung in stehendem beziehungsweise zu langsam fließendem Wasser. Auch könne die mangelnde Hygiene, wie beispielsweise schlecht gereinigte Wasserhähne, bakterielle Verunreinigungen des Leitungswassers mit sich bringen. Die Experten des TÜV Rheinland raten zur Reduzierung der Keimbelastung, das Leitungswasser vor der Entnahme beziehungsweise vor dem Händewaschen kurz laufen zu lassen. Um Stillstand in den Leitungen zu vermeiden und damit das Risiko der Keimentwicklung zu reduzieren, sollte außerdem aus allen Wasserhähnen regelmäßig Wasser fließen, so die Aussage des TÜV Rheinland. Darüber hinaus müsse die Vorlauftemperatur beim Warmwasser auf mindestens 50 Grad Celsius eingestellt werden, um die Entwicklung bedenklicher Keimbelastungen zu vermeiden.

Gesundheitlich Beschwerden durch Keime im Leitungswasser
Nach Ansicht der Experten sind die nachgewiesen Keimbelastungen in den Leitungswasserproben vor allem für ohnehin gesundheitlich angeschlagene Personen eine ernsthafte Bedrohung. „Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Belastungen eine Gesundheitsgefährdung darstellen“, betonte der Fachmann für Mikrobiologie des TÜV Rheinland, Walter Dormagen. Vor allem die Legionellen-Belastung des Leitungswassers bedinge einen akuten Handlungsbedarf, erklärte der Experte. Die Betreiber der betroffenen öffentlichen Gebäude seien über die Verunreinigungen ihres Leitungswassers informiert worden und nun selber aufgefordert, die Keimbelastung zu beheben, berichtete der TÜV Rheinland.

Keimbelastung des Leitungswassers schon länger bekannt
Bereits im September des vergangenen Jahres kamen die Gesundheitsämter bei einer bundesweiten Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Leitungswasser vor allem in öffentlichen Gebäuden wie Bundeswehrkasernen, Kindertagesstätten, Krankenhäusern und weiteren öffentlich zugänglichen Einrichtungen häufig mit krankheitsauslösenden Bakterien verunreinigt sei. Die in ganz Deutschland entnommenen Wasserproben, deren Auswertung durch die Universität Essen erfolgte, wiesen auch im Jahr 2010 teilweise bereits erhebliche Verunreinigungen auf, berichtete der mit der Auswertung betreute Prof. Hans-Curt Flemming von der Universität Essen im Ende September 2010. Der Experte bemängelte damals, dass die Gesundheitsbehörden insgesamt personell unterbesetzt seien und daher die Kontrolldichte nicht den Anforderungen entspreche. Auch im Jahr 2010 wurde bei der Untersuchung des Leitungswassers in den öffentlichen Gebäuden relativ häufig eine Belastung mit Legionellen, Pseudomonaden und coliformen Bakterien festgestellt. Doch wie die aktuelle Untersuchung des TÜV Rheinland belegt, scheint sich seither nicht viel in Bezug auf die Hygienestandards des Leitungswassers in den öffentlichen Gebäuden geändert zu haben. (fp)