Keime im Trinkwasser in öffentlichen Gebäuden

Fabian Peters

Trinkwasser in öffentlichen Gebäuden mit Keimen belastet

21.07.2012

Das Trinkwasser aus Leitungen in öffentlichen Gebäuden ist oftmals mit gesundheitsgefährdenden Keimen belastet. Der TÜV Rheinland hat in rund jeder dritten untersuchten Wasserprobe aus 25 öffentlich zugänglichen Gebäuden bedenkliche Keimbelastungen festgestellt. Fazit des TÜV: Beim Trinkwasser in öffentlichen Gebäuden sollten Besucher vorsichtig sein.

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Gemeinsam mit der Zeitschrift „Bild der Frau“ hat der TÜV Rheinland einen bundesweiten Trinkwassertest in öffentlichen besonders stark frequentierten Gebäude durchgeführt. Das Ergebnis war erschreckend. „Jede dritte Wasserprobe ist belastet“, so der Experte für Mikrobiologie des TÜV Rheinland, Dr. Walter Dormagen, in einer entsprechenden Pressemitteilung. Unter anderem fand der TÜV Pseudomonaden und Legionellen, wobei vor allem letztere ein erhebliches gesundheitliches Risiko bergen.

25 Trinkwasserproben auf Keime untersucht
Der TÜV Rheinland hat für „Bild der Frau“ 25 Trinkwasserproben aus öffentlichen Gebäuden in Köln, München, Leipzig, Berlin und Hamburg analysiert. Die Proben wurden „nicht gemäß der Trinkwasserverordnung, wonach beispielsweise der Wasserhahn vor der Entnahme abgeflammt werden muss“, entnommen, sondern entsprechend den Umständen in der Realität einfach aus dem Wasserhahn abgezapft, berichtet der TÜV. Ziel war die Überprüfung der Wasserqualität in öffentlich zugänglichen Wasch- und Toilettenräumen der Bahnhöfe, Rathäuser, Universitäten, einem Krankenhaus und einem Einkaufszentrum. Gemessen wurde die Bakterienbelastung des Trinkwassers in „so genannten koloniebildende Einheiten, auch KBE genannt“, erläuterte Dr. Dormagen. Je höher die Anzahl der KBE, „umso verkeimter die Probe.“ Die Vorgabe der Trinkwasserverordnung liegt bei 100 KBE pro Milliliter. Dieser Wert wurde jedoch in mehreren Trinkwasserprobe der öffentlichen Gebäude überschritten – bei einer besonders stark verkeimten Probe aus dem Leipziger Klinikum St.-Georg sogar um das Fünffache. Hier fanden sich ca. 600 KBE pro Milliliter.

Krankenhauskeime im Trinkwasser
In drei Proben aus München, Leipzig, und Hamburg wurden die als Krankenhauskeime bekannten Pseudomonaden nachgewiesen, welche zu Verzögerungen der Wundheilung führen können und im Körper unter Umständen entzündliche Prozesse auslösen. Haben sich die Pseudomonaden erst einmal in den Trinkwasserleitungen festgesetzt, sind sie laut Aussage des TÜV „nur schwer wieder zu entfernen.“ In den Leitungen angesiedelte Bakterien, bilden sie um sich herum einen Biofilm, eine Art Schleim, der die Beseitigung deutlich erschwert. Hinzu kommt, dass viele Pseudomonaden Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln beziehungsweise entwickelt haben.

Gesundheitsrisiko durch Legionellen
Bei den Trinkwasserproben aus dem Kölner Rathaus und vom Bahnhof in Köln sowie Friedrichstadt Passagen in Berlin stellte der TÜV eine Grenzwertüberschreitung bei den enthaltenen Legionellen fest. Dies ist besonders kritisch, da die Legionellen als sogenannte Aerosole (winzige Wassertröpfchen in der Luft) eingeatmet werden und so lebensbedrohliche Lungenerkrankungen auslösen können. Legionellen vermehren sich besonders stark in stehendem Wasser und bei Temperaturen zwischen 30 bis 45 Grad Celsius. Dem TÜV Rheinland zufolge sterben jährlich „mehr Menschen an diesen ungewöhnlichen Lungenentzündungen, die durch Legionellen verursacht werden, als im Straßenverkehr.“

Keimbelastung des Trinkwassers vermeiden
Bereits vor Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse hatten der TÜV Rheinland und „Bild der Frau“ die betroffenen Einrichtungen auf die Keimbelastung des Trinkwassers hingewiesen, um mögliche Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung zu vermeiden. „Fast alle Betreiber reagierten innerhalb weniger Stunden, bedankten sich für die Information und leiteten Sofortmaßnahmen ein“, so die Pressemitteilung des TÜV Rheinland. Die Untersuchungsergebnisse legen laut Aussage der Experten den Schluss nahe, dass die Keimbelastung nicht auf die Qualität des Trinkwassers zurückzuführen ist, sondern auf das Leitungssystem in den Gebäuden. Dies sei ein Problem, dass auch private Haushalte treffen könne. Vorbeugen lasse sich derartigen Keimbelastungen durch intakte Rohrleitungen, Warmwassertemperaturen von mindestens 50 Grad sowie saubere Perlatoren und Duschköpfe, so die Auskunft des TÜV. (fp)