Keime in Speiseeis und Schlagsahne nachgewiesen

Sebastian

Zum Teil hohe Keimbelastungen in Milchspeise und Schlagsahne

28.08.2011

Laut Untersuchungsergebnisse des Hessischen Landeslabor in Gießen, wurden in Proben von frei verkäuflichen Milch-Speiseeis überproportional viele Bakterien nachgewiesen. Etwa jedes achte Eis wurde bei der Analyse beanstandet, wie die Behörde in einer aktuelle Pressemitteilung erklärte. Vor genau einem Jahr war noch siebte Eis mit Keimen belastet.

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Das Landeslabor in Gießen warnt vor Keimen vor Eis auf Milchbasis, dass vor allem in Eisdielen in der Eistüte oder Becher verkauft wird. In diesem Jahr untersuchte das Labor insgesamt 557 Eisproben, davon wiesen 64 (12,6 Prozent) Milcheisproben eine hohe Keimzahl auf. Neben den Eis-Produkten aus hessischen Eisdielen, Cafés, Konditoreien und Bäckereien, entnahmen die Experten auch Proben von Sahne aus Aufschlagautomaten, um diese ebenfalls auf mögliche Hygiene-Mängel hin zu untersuchen. Hier kamen die Tester zu einem noch schlechteren Prüfergebnis, als beim Eis. Von den 148 Proben, waren 105 Sahne-proben mit Bakterienarten kontaminiert. Das entspricht einer Fallzahl von über 71 Prozent und ist somit für Gesundheitsbehörden nicht mehr akzeptabel. Trotz der schlechten Ergebnisse verweist das Landeslabor darauf, dass derzeit keine akute Gefahr für die Verbraucher bestehe.

Leichter Rückgang der Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr
Das Labor untersucht im Auftrag der hessischen Landesregierung jeden Sommer das Speiseeis Eisdielen und Cafés. Während in diesem Jahr eine Keimquote von 12,6 Prozent ermittelt wurde, ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu verzeichnen. „Gegenüber dem Vorjahr (13,6 Prozent) konnte ein leichter Rückgang der Beanstandungsquote verzeichnet werden. Die am häufigsten entnommenen Speiseeissorten waren Nuss, Schokolade, Stracciatella, Vanille und Amarena-Kirsch.“, so das Landeslabor.

Einer der Hauptgründe für Bakterien in Milchspeisesorten liegt nicht im Herstellungsprozess, sondern im unhygienischen Umgang während Verkaufs und der Aufbewahrung. „Grund für die Keimbelastung beim Speiseeis ist vor allem der unsaubere Umgang mit dem Eisportionierer. Oft wird der Portionierer nicht unter fließendem Wasser abgewaschen, sondern in stehendes Wasser getaucht, wo sich die Keime schnell vermehren“, so der Direktor des Landeslabors, Prof. Dr. Hubertus Brunn in Gießen. Bei der verkauften Schlagsahne ist die häufigste Ursache eine unzureichenden Reinigung und Desinfektion der Geräte zum Aufschlagen. „Auch die fehlende oder ungenügende Wartung der Geräte oder eine nicht ausreichenden Kühlung der flüssigen Sahne führt zu einer Keimvermehrung“, erlärte der Direktor weiter.

Keine Gefahr für die Gesundheit
Eine Gesundheitsgefahr schließt die Aufsichtsbehörde derzeit aus. In keiner Probe wurden die gefährlichen Listerien Bakterien gefunden, die für das Ausbrechen der Listeriose verantwortlich sind. Auch Salmonellen wurden zum Glück nicht gefunden. Einzig Enterobakterien konnten die Prüfer nachweisen, die auf Hygiene-Mängel im Umgang mit Eis und Sahne hinweisen. Enterobakterien siedeln sich vornehmlich in der Darmflora von Mensch und Tier an. Die meisten Keime dieser Gattung sind für den Menschen ungefährlich, einige Arten können aber bei Immungeschwächten Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen auslösen. "Zwar bestand trotz der Keimbelastung keine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher, aber die Proben zeigen, dass notwendige Hygieneregeln nicht immer eingehalten werden", mahnte die hessische Gesundheitsministerin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Alle Ergebnisse werden voraussichtlich am kommenden Dienstag dem hessischen Landtag vorgestellt. Die betroffenen Eisdielen werden mindestens eine Ermahnung der Lebensmittelprüfbehörde erhalten. (sb)