Kein Krebsrisiko durch Handy-Strahlung?

Fabian Peters

Angeblich kein Zusammenhang zwischen Hirntumoren und Handy-Benutzung

29.07.2011

Die möglichen Gesundheitsrisiken durch Handy-Strahlung sind in der Fachwelt bis heute stark umstritten. Ob die Strahlung zu Gewebeveränderungen und damit zu einem erhöhten Krebsrisiko führen kann, ist dabei einer der wesentlichen Streitpunkte.

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Schweizer Forscher der Universität Basel haben nun im Rahmen einer umfassenden Studie mögliche Zusammenhänge zwischen dem Risiko eines Hirntumors und der Belastung durch Handy-Strahlung bei Jugendlichen und Kindern untersucht. Das Ergebnis: Die Forscher konnten kein erhöhtes Krebsrisiko bei den Kinder und Jugendliche, die mit dem Handy telefonieren, feststellen.

Auswirkungen der Handy-Strahlung im Gehirn
Im Rahmen der aktuellen Studie haben die Forscher der Universität Basel die Daten von 352 Kinder und Jugendliche aus der Schweiz, Dänemark, Norwegen und Schweden, bei denen zwischen 2004 und 2008 ein Hirntumor diagnostiziert wurde, mit denen einer 646 Personen umfassenden Kontrollgruppe verglichen. Dabei wurde unter anderem die Handy-Benutzung der Krebspatienten mit dem Handygebrauch der zufällig ausgewählten Kontrollpersonen gleichen Alters, Geschlechts und Wohnorts verglichen. Zwar werden erwiesenermaßen bestimmte Bereiche des Gehirns während des Telefonierens mit dem Handy besonders stark bestrahlt, doch ein erhöhtes Krebsrisiko sei mit dieser Bestrahlung den aktuellen Studienergebnissen zufolge nicht verbunden, berichten die Wissenschaftler. Auch fünf Jahre nach der ersten Handy-Benutzung bestehe kein erhöhtes Risiko eines Gehirntumors, so die Aussage der Experten. Allerdings wollten die Forscher keine generell Entwarnung erteilen.

Weiterhin Unsicherheiten über mögliche Krebsrisiken
Bezüglich eines möglichen Zusammenhangs der Handy-Strahlung und des Krebsrisikos bleiben weiterhin Unsicherheiten bestehen, da die Handy-Benutzung der Studienteilnehmer insgesamt relativ gering war, berichten die Schweizer Forscher. Außerdem seien die Daten zur Handynutzung der Probanden das Ergebnis einer Befragungen, wobei unklar bleibe, wie genau die Angaben der Studienteilnehmer zu ihrem früheren Handy-Gebrauch tatsächlich sind. Ein leichte Erhöhung des Risikos lasse sich anhand der aktuellen Studie daher nicht ausschließen, so das Fazit der Forscher. Jedoch könne bereits eine solch minimale Risikoerhöhung bei der Vielzahl an Handy-Benutzungen von Kindern und Jugendlichen eine beträchtlichen Anzahl zusätzlicher Erkrankungen auslösen. Daher mahnen die Schweizer Wissenschaftler, dass weitere Studien zu den Risiken von Handy-Strahlung für die Gesundheit erforderlich seien und plädieren dafür, die Krebsregisterdaten regelmäßig in Bezug auf eine mögliche Erhöhung der Neuerkrankungen mit Hirntumoren zu kontrollieren.

Keine generelle Entwarnung für hochfrequente elektromagnetische Strahlung
Angesichts der von den Schweizer Forschern selbst geäußerten Unwägbarkeiten der neuen Studie, wird diese kaum dazu beitragen können, den Streit in der Fachwelt über mögliche Zusammenhänge zwischen der Handy-Strahlung und dem Krebsrisiko beizulegen. Insbesondere da die Weltgesundheitsorganisation noch Anfang Juni vor der möglicherweise krebserregenden Wirkung der hochfrequenten elektromagnetischen Strahlung, die beim Mobilfunk verwendet wird, gewarnt hatte. Unter Bezug auf die Erkenntnisse einer Expertenkommission der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC erklärte die WHO, dass der häufige Gebrauch des Handys unter Umständen das Risiko von Hirntumoren signifikant erhöhen könne. Bis weitere Studienergebnisse vorliegen, sollten die Verbraucher möglichst wenig der potenziell schädlichen Strahlung ausgesetzt werden, warnte die WHO im Juni. Dies Studienergebnisse liegen mit der aktuellen Untersuchung der Schweizer Forscher nun vor und sie weisen in eine grundsätzlich andere Richtung als die Befürchtungen der WHO. Doch auch die Wissenschaftler der Universität Basel erklärten, dass weitere Studien erforderlich sein, um das Krebsrisiko der Handy-Strahlung abschließend zu beurteilen. Damit ist die Öffentlichkeit nach der Studie so schlau wie vorher und kann nur auf ergänzende Forschungsarbeiten hoffen. (fp)

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Bild: Harald Wanetschka / pixelio.de