STIKO rät trotz Todesfällen zur Rotaviren-Impfung

Fabian Peters
Todesfälle in Frankreich kein Anlass zur Änderung der Impfempfehlung gegen Rotaviren?

Nachdem in Frankreich die Impfempfehlung für eine Grundimmunisierung der Kinder gegen Rotaviren infolge zweier Todesfälle zurückgenommen wurde, hatten impfkritische Ärzte und Eltern auch für Deutschland vergleichbare Schritte erwartet. Doch laut Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) ergeben sich „daraus keine Konsequenzen für die von der STIKO getroffene Rotavirus-Impfempfehlung.“

In Frankreich wurde die Rotavirus-Impfempfehlung ausgesetzt, nachdem zwei Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Rotavirus-Impfung zu verzeichnen waren. Die Kinder hatten sogenannte Darminvagination (Darmeinstülpungen) entwickelt, so die Mitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Zudem hätten Beobachtungsstudien in mehreren Ländern darauf hingewiesen, „dass Rotavirus-Impfstoffe mit einem erhöhtem Risiko für eine Invagination hauptsächlich innerhalb von sieben Tagen nach der Impfung verbunden sind“, berichtet das PEI.

Impfempfehlung in Frankreich zurückgenommen
Dennoch kommen die Experten des Instituts zu dem Schluss, dass es unklar bleibe, „ob Rotavirus-Impfstoffe die Gesamtinzidenz der Invagination basierend auf längeren Nachbeobachtungszeiten beeinflussen.“ Zwar würden die STIKO und das PEI die Sicherheit der Rotavirus-Impfung fortlaufend prüfen, Konsequenzen für die getroffene Impfempfehlung seien aus der aktuellen Entwicklung in Frankreich jedoch nicht zu ziehen, so die offizielle Mitteilung. Vor einer Woche hatte die „Haut Conseil de la Santé Publique“als zuständige Institution in Frankreich die Empfehlung zur Rotaviren-Impfung bei Kindern zurückgenommen. Anlass waren zwei Fälle einer tödlichen Darmeinstülpung.

Rotavirus-Impfung
Frankreich hat die Empfehlung zur Rotavirus-Impfung bei Kindern zurückgezogen

Deutlich erhöhtes Risiko einer Darmeinstülpung
Die Darminvagination ist laut Angaben des PEI „eine insgesamt seltene Erkrankung, die insbesondere bei Kindern innerhalb des ersten Lebensjahres vorkommt.“ Die Häufigkeit sei in Deutschland mit circa 60 bis 100 Fällen auf 100.000 Säuglinge innerhalb des ersten Lebensjahres anzusetzen. Eine rasche Reposition durch den Arzt führe bei den meisten Betroffenen zur Heilung, doch könnten kompliziertere Verläufe eine Operation notwendig machen. Bleibt die Darmeinstülpung zu lange unentdeckt, hat dies nicht selten tödliche Folgen.

Eltern sollten nach einer Impfung auf mögliche Symptome achten
Kinderärzte sollten Eltern laut Angaben des PEI „unbedingt darüber aufklären, dass eine Invagination im zeitlichen Zusammenhang mit einer Rotavirus-Impfung auftreten kann und wie man diese frühzeitig erkennt.“ Als Symptome der Darmeinstülpung seien krampfartige Bauschmerzen, Nahrungsverweigerung, Erbrechen, ungewöhnliches Schreien und Blut im Stuhl zu nennen. Hierzulande wird die Impfung gegen das Rotavirus seit August 2013 von der STIKO als Standardimpfung bei kleinen Kindern empfohlen. Das Paul-Ehrlich-Institut bereitet nach eigenen Angaben derzeit eine deutschlandweite epidemiologische Studie vor, um die Risikofaktoren einer Darmeinstülpung weiter zu erforschen. (fp)

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