Keine Panik: Das hilft gegen Flugangst

Heilpraxisnet

Keine Panik: Was gegen Flugangst hilft

03.01.2015

Herzrasen, innere Unruhe, Atemnot: Bei vielen Flugreisenden zeigen sich typische Symptome der Flugangst oft sogar schon bevor sie in den Flieger steigen. Doch diese Angst vorm Fliegen (Aviophobie) lässt sich durchaus überwinden, meinen Psychologen. Helfen kann dabei unter anderem ein Anti-Panik-Kurs.

Panische Angst vorm Fliegen

Herzrasen, Zittern, Schwindel, Atemnot: Solche und andere Symptome sind typisch bei Menschen, die unter Flugangst (auch Aviophobie genannt) leiden. Grundsätzlich ist das Flugzeug ein vergleichsweise sicheres Verkehrsmittel. Dies wissen meist auch die Betroffenen, doch trotzdem verzichten sie wegen ihrer panischen Angst teilweise sogar auf Urlaubsreisen mit dem Flieger. Verschärft wird das Problem oft noch durch Meldungen über Unglücke, wie etwa dem Absturz des Passagierflugzeugs in Südostasien vor wenigen Tagen. Es gibt aber Möglichkeiten, die Angst zu überwinden oder zumindest einzudämmen.

Jeder Dritte leidet unter Aviophobie

Thomas Schulz, Notarzt im Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin, ist in seiner Freizeit Privatpilot und fliegt Gleitschirm und kleine Flugzeuge. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, bekam der Hobbypilot früher schon beim Gedanken daran Herzrasen und feuchte Hände: Er litt unter Flugangst. Nach Angaben des Instituts für Demoskopie Allensbach leidet jeder Dritte – egal ob Gelegenheits- oder Vielflieger – unter einer Aviophobie. Den Angaben zufolge gehört Flugangst zur Gruppe der spezifischen Phobien. Das bedeutet, dass die Angst nur in spezifischen Situationen, wie zum Beispiel im Flugzeug, auftritt. Dann führt Stress zu einer Überaktivierung des Nervensystems und Schweißausbrüchen, feuchten Händen, Atemnot, Übelkeit, Nervosität bis hin zu Panikattacken. Doch auch negative Gedanken wie: „Woher kommen denn die Geräusche her?“ können aufkommen.

„Angst ist ein Informationsdefizit“

„Angst ist ein Informationsdefizit. Es ist die Ungewissheit dessen, was passieren könnte“, so Schulz. „Flugangst kann man theoretisch und in den meisten Fällen auch praktisch bekämpfen, in dem man sich mit dem Thema Fliegen auseinandersetzt und Informationsdefizite beseitigt.“ Andreas Mühlberger, Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, erläuterte: „Wer die Angst bewältigen will, muss sich ihr stellen und nach psychologischer Vorbereitung tatsächlich fliegen.“

Ablenkung während des Flugs

Allerdings muss man dabei erst die Ursachen von Flugangst kennen. Diese seien vielfältig, wie die Psychologin Karin Bonner erklärte. Seit 2001 leitet sie „Seminare für entspanntes Fliegen“ bei Lufthansa. „Flugangst entsteht durch ein dramatisch eingestuftes Flugerlebnis, das eventuell objektiv betrachtet völlig undramatisch ist“, so die Expertin. Oft sind dies Turbulenzen, jedoch auch die räumliche Enge. Hilfreich ist es, die Flugreise ohne Stress zu beginnen und sich auf dem Flug abzulenken, beispielsweise durch Gespräche mit den Sitznachbarn, einem Buch oder Musik. Zudem kann es sinnvoll sein, sich dem Bordpersonal mit seiner Angst mitzuteilen. Die Flugbegleiter können sich so besonders um die betroffenen Passagiere kümmern.

Strategien zur Angstbewältigung

In manchen Fällen helfen Entspannungsmethoden, um Betroffenen die Angst zu nehmen. Wenn diese jedoch nicht ausreichen, empfehlen Experten oft Flugangstseminare. Darin erklärt Psychologin Bonner, wie ein Flugzeug funktioniert, warum es überhaupt abheben kann und warum Turbulenzen im Sinkflug zum Beispiel ganz normal sind. Ein wesentlicher Bestandteil solcher Seminare ist normalerweise die Vermittlung von Strategien zur Angstbewältigung. Dabei werden Atemübungen und Entspannungstechniken erlernt, mit denen die typische Reaktionen des Körpers kontrolliert werden sollen. Als besonders geeignet gelten die Progressive Muskelrelaxation und Autogenes Training. Meist steht am Ende von Flugangstseminaren ein gemeinsamer Testflug an.

In der Mitte des Flugzeugs wackelt es etwas weniger

„Der Passagier, der mitsteuern möchte, bevorzugt den Fensterplatz, der Gast mit Panikattacken den Gangplatz“, erläuterte Seminarleiterin Bonner. „Fakt ist, dass es in der Mitte etwas weniger wackelt, da dort der Schwerpunkt des Flugzeugs ist.“ Die Expertin empfiehlt auch, sich selbst konkret zu fragen, wovor man beim Fliegen Angst hat. „Häufig ist es nicht der gesamte Flug sondern nur Teilbereiche wie Start und Turbulenzen.“ Bonner rät, über diesen Bereich realistisches Wissen in kurzen Sätzen auf Karteikarten zu notieren und sich diese vor aber auch während des Fluges immer wieder vor Augen führen. Diejenigen, die sich ihrer Flugangst stellen, werden sie letztlich auch verlieren. (ad)

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