Kind nach transplantiertes Eierstockgewebe geboren

Astrid Goldmayer

Kind in Klinik durch transplantiertes Eierstockgewebe geboren

14.09.2012

Wie am Donnerstag bekannt wurde, können sich Erlanger Forschern zum zweiten Mal über die Geburt eines Kindes nach einer erfolgreichen Retransplantation von gefrorenem Eierstockgewebe freuen. Vor vier Jahren erkrankte die 32-jährige Nürnbergerin, Sandra G. an Brustkrebs und wurde aufgrund einer Chemotherapie unfruchtbar. Dank der Retransplantation brachte sie vor wenigen Tagen eine gesunde Tochter auf natürlichem Weg zur Welt.

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Erstmals Tranplantation von Eierstockgewebe bei Brustkrebs-Patientin erfolgreich
Wie das Universitätsklinikum am Freitag berichtete, wurde die kleine Isabel am Sonntag, 26. August 2012 um 14.21 Uhr wurde in der Frauenklinik geboren. Das gesunde Mädchen wog 3.070 Gramm bei einer Größe von 50 Zentimetern. Sandra G ist die erste Brustkrebs-Patientin in Deutschland, bei der dieses Verfahren erfolgreich war und vollständig an einem Ort, dem Uniklinikum Erlangen, durchgeführt wurde.

Nachdem die junge Frau 2008 an Brustkrebs erkrankte, entschied sie sich zur Entnahme von Eierstockgewebe, das anschließend eingefroren wurde. Sandra G. erhoffte sich durch die spätere Retransplantation des Gewebes trotz Unfruchtbarkeit durch die Chemotherapie, ihren Kinderwunsch erfüllen zu können. „Vor der ersten Chemotherapie erklärte mir mein Arzt, dass es ein experimentelles Verfahren gäbe, durch das ich mir die Chance auf eigene Kinder erhalten kann“, berichtet die junge Frau „Diese Option war für mich in dieser schweren Zeit ein Strohhalm, an dem ich mich mit Blick auf die Zukunft festhalten konnte.“

Zwei Jahre nach der erfolgreichen Krebstherapie der Nürnbergerin wurde das eingefrorene Gewebe aufgetaut und im August 2011 voll funktionsfähig wieder zurücktransplantiert. „Das Gewebe wurde wieder hormonell aktiv und es konnte ein regelrechtes Follikelwachstum mittels Ultraschall festgestellt werden“, berichtet der Biologe Professor Ralf Dittrich, wissenschaftlicher Leiter der Reproduktionsmedizin am Uni-Klinikums Erlangen. „Weltweit gelang es bislang 13 Mal, dass eine unfruchtbar gewordene Patientin nach der Retransplantation ihres kryokonservierten Eierstockgewebes ein Kind auf natürlichem Weg zur Welt bringen konnte“, teilt das Klinikum in einer Pressemeldung mit.

Hoffnung für Krebspatientinnen durch Transplantation von gefrorenem Eierstockgewebe
Etwa 17.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 45 Jahren erkranken pro Jahr in Deutschland an Krebs. Zwar hätten moderne, verbesserte Behandlungsmethoden die Überlebensrate der Patientinnen deutlich erhöht, jedoch führte sie häufig zur Unfruchtbarkeit, berichtet das Klinikum. Besonders für junge Frauen, die die Familienplanung noch vor sich haben, ist diese Konsequenz dramatisch. Die Erlanger Forscher sehen in der sogenannte Kryokonservierung von Eierstockgewebe eine vielversprechende Möglichkeit für betroffene Frauen, ihren Kinderwunsch doch noch zu einem späteren Zeitpunkt zu erfüllen.

„Die Chancen unserer Patientinnen, nach einer erfolgreichen Retransplantation von Eierstockgewebe schwanger zu werden, stehen genauso gut oder schlecht wie bei jeder gesunden Frau“, erklärt Professor Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. „Unsere Forschungserfolge zeigen klar, dass es möglich ist, die Eierstockfunktion von Krebspatientinnen wiederherzustellen. Das ist ein Hoffnungszeichen für zahlreiche Frauen: Ihnen kann die Möglichkeit der Hormonproduktion und des Kinderkriegens zurückgegeben werden.“ Deshalb betont Beckmann: „Krebskranke Frauen im gebärfähigen Alter müssen vor Therapiebeginn auf die neue Möglichkeit, ihre Fruchtbarkeit zu erhalten, hingewiesen werden.“

Wie Klaus Diedrich, ehemaliger Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikum in Lübeck, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ berichtete, könne sich das Eierstockgewebe nach einer Krebstherapie unter Umständen auch auf natürlichem Wege erholen. Er beurteilt den Erfolg der Erlanger Forscher mit einer „50 zu 50“ Chance, dass dieser auf Gewebe zurückzuführen sei, dass sich nach der Chemotherapie erholt habe.

Seit 2007 wurde die Eierstockgewebe-Retransplantation in Erlangen bei elf Frauen durchgeführt. Obwohl das Verfahren in keinem Fall fehlschlug, brachten erst zwei der Patientinnen Kinder zur Welt. Insgesamt gelang dies nur 13 Mal weltweit, wie das Erlanger Klinikum mitteilte. (ag)