Kinder aus ärmeren Familien mit erhöhtem Risiko für Herzerkrankungen

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen die Verengung von Hals-Arterien bei Kindern
Eine Verengung der Hals-Arterien in der Kindheit, kann im Erwachsenenalter zu einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen führen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Familien ein erhöhtes Risiko für Anzeichen einer Verengung der Hals-Arterien aufweisen.

Die Wissenschaftler der University of Melbourne stellten bei ihrer Studie fest, dass Kinder aus ärmeren Familien eher eine Verengung der Hals-Arterien erleben. Diese Verengung kann im späteren Leben zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen führen. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „Journal of the American Heart Association“.

Wenn Menschen im späteren Leben eine Herzerkrankung entwickeln, könnte dies daran liegen, dass sie als Kinder in finanziell benachteiligten Haushalten aufwuchsen. (Bild: hriana/fotolia.com)

Mediziner untersuchen knapp 1.500 Probanden
Die Forscher untersuchten bei ihrer aktuelle Studie fast 1.500 Kindern von australischen Familien. Die Studie suchte nach Beweisen dafür, dass ein erhöhte Risiko für Herzerkrankungen bereits in jungen Jahren beginnen kann. Alle zwei Jahre wurde bei den Kindern eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, um die Dicke der rechten Carotis-Arterienwand zu messen.

Neigen Kinder aus finanziell benachteiligten Familien eher zu ungesunden Arterien?
Es ist bereits bekannt, dass finanziell benachteiligte Erwachsene ein höheres Risiko für Herzerkrankungen haben, verglichen mit wohlhabenden Menschen. Bisher war allerdings nicht klar, ob Kinder aus armen Familien eher ungesunde Arterien entwickeln, welche ein Frühwarnzeichen für spätere Herzerkrankungen sein können, erklären die Forscher.

Carotis-Arterien der Kinder wurden mit der Hilfe von Ultraschall regelmäßig untersucht
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der sozioökonomische Status während der ersten zehn Jahre des Lebens die Entwicklung der subklinischen Atherosklerose beeinflussen kann. Subklinische Atherosklerose beziehe sich auf eine frühe Phase der Verengung in den Arterien und sei ein Indikator für ein erhöhtes Risiko von Herzerkrankungen, berichten die Forscher. Bei der aktuellen Untersuchung wurden insbesondere die sogenannten Carotis-Arterien von Kindern betrachtet. Diese Arterien durchlaufen den Hals und liefern Blut an das Gehirn. Mit der Hilfe von Ultraschall sind die Carotis-Arterien leicht zu untersuchen, sagen die Mediziner. Eine wesentliche Verdickung in den Wänden dieser Arterien könne eine subklinische Atherosklerose signalisieren.

Kinder aus armen Haushalten leiden häufiger unter einer Verdickung der Carotis-Arterienwände
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass elf und zwölf Jahre alte Kinder aus finanziell benachteiligten Familien eine erhöhte Verdickung in den Carotis-Arterienwänden aufweisen. Außerdem erschienen die Blutgefäße dieser Kinder mehr als acht Jahre älter, als ihr tatsächliches Alter betrug, erläutern die Experten. Bei Erwachsenen ist eine Verdickung der Carotis-Arterien mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle verbunden, betont Autor David Burgner.

Weitere Forschung ist nötig
Dennoch kann die Studie keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen. Weitere Forschung sei nötig, um eine solche Beziehung genauer zu verstehen, sagen die Forscher. Wenn die Kinder unter den oberen 25 Prozent mit der größten Wandstärke der Carotis-Arterie waren, wurden sie von den Wissenschaftlern einem höheren Risiko zugeordnet. Bei Erwachsenen, welche in diese Kategorie fallen, liege ein fast doppelt so hohes Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle vor, verglichen mit Erwachsenen aus den 25 Prozent mit der niedrigsten Wandstärke, berichten die Forscher.

Wie wirkt sich finanzielle Benachteiligung auf die Gesundheit von Kindern aus?
Wenn elf oder zwölf Jahre alte Kinder aus finanziell benachteiligten Familien stammen, haben sie eine um 46 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit, in die Gruppe mit dem erhöhten Risiko zu fallen, verglichen mit Kindern aus Familien mit einem hohen Einkommen, so das Ergebnis der Wissenschaftler. Benachteiligte Kinder litten auch häufiger an Übergewicht, einem hohen Blutdruck, und waren häufiger sogenanntem Passivrauchen ausgesetzt. Allerdings erklären diese Faktoren nicht die Ergebnisse der Untersuchung der Arterien, sagen die Wissenschaftler.

Sind Infektionen der Grund für die gesundheitlichen Probleme?
Benachteiligte Kinder bekommen mehr Infektionen und neigen dazu, diese früher in ihrem Leben zu entwickeln. Häufige Infektionen können Entzündungen im Körper auslösen, erläutern die Mediziner. Diese können dann zur Atherosklerose beitragen. Kinder profitieren von einer gesunden Ernährung und regelmäßiger Bewegung, welche das Gewicht und den Blutdruck auf einem normalen Niveau halten. Es sei hier auch wichtig, dass nahrhaftes Essen für Familien mit einem niedrigen Einkommen leichter zugänglich gemacht wird. (as)