Kinder aus unterprivilegierten Haushalten entwickeln doppelt so häufig Fettleibigkeit

Alexander Stindt
Wie wirkt sich Wohlstand auf unsere Ernährung aus?
Immer mehr Kinder und erwachsene Menschen in der heutigen Zeit leiden unter Übergewicht oder haben bereits eine Fettleibigkeit entwickelt. Forscher fanden jetzt heraus, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Haushalten ein fast doppelt so hohes Risiko aufweisen, im weiteren Leben fettleibig werden.

Die Wissenschaftler von NHS Health Scotland stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Kinder aus finanziell nicht so gut gestellten Familien eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Fettleibigkeit aufweisen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „International Journal für Equity in Health“.

Fettleibigkeit führt zu vielen negativen Auswirkungen. Mediziner stellten fest, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Haushalten ein erhöhtes Risiko haben, im Laufe ihres Lebens Fettleibigkeit zu entwickeln. (Bild: kwanchaichaiudom/fotolia.com)

Immer mehr arme Kinder entwickeln Fettleibigkeit
Die Rate der Kinder, die fettleibig sind, liegt während der Schulzeit in wohlhabenden Gegenden in Schottland bei etwa sieben Prozent, während der Wert bei den am stärksten unterprivilegierten Kindern fast doppelt so hoch (13 Prozent) war. Die ärmsten Kinder in Schottland werden zunehmend fettleibig, bei Kindern aus wohlhabenden Gebieten ist dieser Effekt nicht zu beobachten, erläutern die Experten.

Viele Schotten sind fettleibig
Insgesamt sind 29 Prozent der Frauen und 28 Prozent der Männer im Alter von 18 bis 64 Jahren in Schottland fettleibig, sagen die Forscher. Der Anteil der Menschen mit Fettleibigkeit unter den Schotten sei dabei seit dem Jahr 2008 weitgehend stabil. Die aktuelle Untersuchung analysierte die jüngsten Daten aus den Jahren 2015 und 2016. Dabei stellten die Experten fest, dass Erwachsene aus den wolhabendsten Regionen Schottlands die niedrigsten Raten von Fettleibigkeit aufweisen. Menschen aus benachteiligten Gebieten waren dagegen deutlich häufiger fettleibig.

Übergewicht auf dem Vormarsch
Der Anteil der übergewichtigen Frauen in Schottland hat sich im Laufe von zwanzig Jahren fast verdoppelt. Er stieg von 31 Prozent im Jahr 1995 auf 60 Prozent im Jahr 2015. Im selben Zeitraum stieg der Anteil übergewichtiger Männer auf 66 Prozent.

Wie können wir die ansteigende Fettleibigkeit verhindern?
Die aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass Maßnahmen zur Verringerung der sogenannten obesogenen Umwelt dringend erforderlich sind, wenn langfristige gesundheitliche und soziale Konsequenzen der Fettleibigkeit reduziert werden sollen.

Früher litten eher reiche Menschen unter Fettleibigkeit
Früher war Fettleibigkeit häufiger bei reichen Gesellschaftsgruppen, weil diese die einzigen waren, die es sich finanziell leisten konnten, übermäßig viel zu essen. Dieser Trend hat sich mittlerweile umgekehrt und es gibt heute höhere Raten von Fettleibigkeit bei finanziell benachteiligten Menschen. Die Gründe dafür sind komplex und multifaktoriell. Sie schließen beispielsweise die Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit von fettreichen und hoch zuckerhaltigen Lebensmitteln ein sowie auch die mangelnde Aktivität und Bewegung.

Strukturelle Veränderungen auf gesellschaftlicher Ebene sind erforderlich
Die Studienergebnisse machen deutlich, dass Menschen aus den am meisten finanziell benachteiligten Schichten unserer Gesellschaft die größte Belastung durch Fettleibigkeit erleben, erläutern die Experten. Eine Fokussierung auf Aktionen, die sowohl einzelnen Menschen das Abnehmen erleichtern, als auch eine strukturelle Veränderung auf gesellschaftlicher Ebene bewirken, sei erforderlich, um eine Abnahme von Fettleibigkeit bei der Bevölkerung zu erreichen. Es müssen auch Maßnahmen ergriffen werden, um die Nahrungsmittelverfügbarkeit zu verändern, erklären die Experten. So könne sichergestellt werden, dass die gesündere Alternative auch die leichter verfügbare Wahl für alle Menschen ist. Die aktuelle Studie zeige, dass Schottland in den letzten zwanzig Jahren nur wenig Fortschritte bei der Verbesserung der Ernährung gemacht hat. (as)