Kinder-Essgewohnheiten positiv beeinflussen

Fabian Peters

Wie Eltern ein gesundes Essverhalten der Kinder erreichen

15.04.2014

Kleine Kinder neigen oftmals zu einem schwierigen Essverhalten, dass die Eltern an den Rand der Verzweiflung bringen kann. Das vorgesetzte Essen wird verweigert und die Vorgaben für eine ausgewogene Ernährung lassen sich kaum umsetzen. Die Stiftung Kindergesundheit hat daher in einer aktuellen Pressemitteilung wichtige Tipps zur Ernährung der Ein- bis Dreijährige und zur gemeinsamen Mahlzeit in der Familie gegeben.

Der Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit, erläuterte, dass „gerade im Alter zwischen einem und drei Jahren es enorm wichtig (ist), dass Kinder die Vielfalt von Lebensmitteln erkunden und den Geschmack unterschiedlicher Speisen mit allen Sinnen erfahren.“ Viele Eltern würden den richtigen Moment für das gemeinsame Essen ungenutzt verstreichen lassen und damit die beste Phase für die Etablierung guter Essgewohnheiten verpassen. Entsprechend entwickeln die Kinder beim Übergang von Muttermilch beziehungsweise Fläschchen zu fester Nahrung oft ein sogenanntes selektives Essverhalten. Am liebsten würden sie jeden Tag das Gleiche essen, wobei zum Beispiel Nudeln meist besonders beliebt sind.

Nach dem ersten Geburtstag keine speziellen Lebensmittel mehr erforderlich
Den Angaben der Stiftung Kindergesundheit zufolge werden derzeit in Deutschland „80 bis 95 Prozent der Kinder im Alter von zwölf Monaten noch mit Flaschenkost und Breien ernährt“ und „selbst im Alter von 24 Monaten sind es immer noch 23 bis 33 Prozent.“ Hier sehen die Experten einen Zusammenhang mit dem Auftreten späterer Probleme beim Essverhalten. Kinder brauchen „spätestens nach dem ersten Geburtstag keine speziellen Produkte mehr“ und „sie können mit dem Ende des Säuglingsalters fast alles essen und sollten das auch tun“, erläuterte Professor Koletzko. Die Ausnahme seien Nüsse und andere harte Lebensmittel in „Erdnussgröße“, an denen sich kleine Kinder leicht verschlucken können.

Regelmäßiger Rhythmus der Mahlzeiten
Im Auftrag des vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) finanziell geförderten bundesweiten Kommunikationsnetzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“ haben Kinderärzte, Ernährungsexperten, Pädagogen und Sportwissenschaftlern die aktuellen Handlungsempfehlungen zur Ernährung der Ein- bis Dreijährigen erarbeitet. Sie sollen „Familien mit kleinen Kindern dabei unterstützen, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln“, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Zunächst sei ein regelmäßiger Rhythmus der Mahlzeiten für die Kleinkinder dabei besonders wichtig, wie zum Beispiel im Tagesverlauf drei Hauptmahlzeiten und zwei kleinere Zwischenmahlzeiten.

Keine Snacks zwischendurch
„Mahlzeiten, die eindeutig begonnen und beendet werden, geben dem Tagesablauf des Kindes eine wichtige Struktur“, so die Mitteilung der Stiftung. Zudem müssten Essenszeiten und Spielzeiten für das Kind verständlich und klar getrennt sein. Auch würden die Kleinen auf diese Weise lernen, dass „nicht jedes Essbedürfnis sofort befriedigt werden muss, und dass es zugunsten der Mahlzeiten aufgeschoben werden kann.“ Aus diesem Grund sollten in den Essenspausen für zwei bis drei Stunden auch keine Snacks und zuckerhaltigen Getränke angeboten werden. Dies gelte ebenfalls für Milch. Wasser indes kann das Kind jeder Zeit zu sich nehmen, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.

Ablenkung beim Essen vermeiden
Bei den Mahlzeiten sind Ablenkungen laut Mitteilung der Stiftung Kindergesundheit möglichst zu vermeiden, „Deshalb bitte keine Handygespräche und auch kein Fernsehen beim Essen“, betonte der Stoffwechselspezialist der Universitäts-Kinderklinik München, Professor Koletzko. Dem Experten zufolge, ist „das gemeinsame Essen viel mehr als nur Nahrungsaufnahme, es ist auch Futter für die Seele.“ Denn die Familienmahlzeit biete die beste Gelegenheit dafür, entspannt miteinander zu reden. Die Eltern hätten Zeit sich mit den Kindern zu beschäftigen, ihnen Zuwendung zu geben und Familienleben in des Wortes wahrer Bedeutung zu erleben. „Eine freundliche Atmosphäre bei den Mahlzeiten macht das Essen zu einem positiven Erlebnis“, so der Vorsitzende der Stiftung Kindergesundheit weiter.

Keine Versprechungen und Tricks
Zu der Dauer der Mahlzeiten erläuterte die Stiftung Kindergesundheit, dass es für die Kinder ein wichtiger Lernprozess sei, bei Mahlzeiten sitzen zu bleiben und sich für das Essen und Sattwerden Zeit zu nehmen. Aus diesem Grund sollte eine Mahlzeit jedoch nicht zu lange dauern. Maximal 30 Minuten sind hier laut Angaben der Experten angebracht. Durchschnittlich nehmen sich die Deutschen für ein Mittag- und Abendessen 20 Minuten, so die Mitteilung der Stiftung Kindergesundheit weiter. Tricks, Überzeugungsszenarien, Versprechungen oder Spiele, die Kinder zum Essen animieren sollen, können zwar mitunter kurzfristig Erfolg haben, sind der Stiftung zufolge jedoch ebenfalls unangebracht.

Auf angemessene Portionen achten
Des Weiteren sollte Essen nicht zur Belohnung oder zur Bestrafung eingesetzt werden, da „dies zu einem ungesunden Essverhalten des Kindes oder zu Übergewicht beitragen“ kann, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Eine angemessene Portionierung sei ebenfalls wichtig, da sich die kleine Kinder durch das Vorsetzen großer Essensmengen oft überfordert fühlen. Hier sollte den Experten zufolge „zunächst eine kleine Portion auf den Teller gegeben und etwas nachgegeben werden, wenn das Kind es möchte.“ Die Sorge, dass ein Kind nicht genug isst, sei meist nicht angebracht. Eltern könnten davon ausgehen, dass ein gesundes, aktives und zufriedenes Kind normalerweise auch ausreichende Mengen isst.

Geschmackliche Neugier die Kinder wecken
In Bezug auf die geschmacklichen Vorlieben der Kleinkinder erläuterte die Stiftung, dass die Kleinen bis zu einem Alter von „etwa zwei Jahren noch für neue Geschmackserfahrungen offen“ sind. Aus diesem Grund sollten sie bereits „im Laufe des zweiten Lebenshalbjahres stufenweise an den Geschmack von Lebensmitteln gewöhnt werden, die zur gesunden, gemischten Kost gehören“, berichten die Experten. Die Eltern seien hier wichtige Vorbilder. Sie sollten ihre Kinder „ermutigen, neue Lebensmittel und Speisen zu probieren und zu entdecken, wie sie aussehen, wie sie riechen und sich anfühlen und welchen Geschmack sie haben.“ So würden die Weichen für eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung im späteren Leben gestellt. Die Eltern könnten die Neugier des Kindes zusätzlich wecken, indem Speisen appetitlich und kindgerecht angerichtet werden, sie selbst genussvoll mitessen und Kinder an der Gestaltung von Essenssituationen aktiv beteiligt werden (zum Beispiel Tisch decken). „Wenn möglich, sollten die Kinder auch sich selbst bedienen dürfen“, berichtet die Stiftung Kindergesundheit.

Kinderlebensmittel oft mit zu viel Fett, Zucker und Salz
In der aktuellen Pressemitteilung erläutern die Experten auch, was vollwertiges Essen und Trinken bei Kleinkindern beinhalten sollte. Eine abwechslungsreiche Auswahl, angemessene Mengen und die Kombination nährstoffreicher und energiearmer Lebensmittel sei hier entscheidend. Reichlich Getränke, am besten in Form von Wasser oder anderen ungesüßten und zuckerfreien Getränke sowie reichlich pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Getreide und Getreideprodukte werden empfohlen. Tierische Lebensmittel, Milch und Milchprodukte, Fleisch, Fisch, Eier, sollten indes den Angaben der Stiftung Kindergesundheit zufolge nur in mäßigen Mengen verzehrt werden. Mit Zucker und Süßigkeiten, Salz und Fetten sowie mit Snackprodukte sei äußerst sparsam umzugehen. Für die „ausgewogene Ernährung gesunder Kleinkinder werden keine speziellen Produkte und so genannte Kinderlebensmittel benötigt“, berichtet die Stiftung weiter. Viele derartiger Kinderlebensmittel würden „übermäßig Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren oder Salz“ enthalten und „sollten deshalb im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung höchstens gelegentlich Verwendung finden.“ (fp)

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