Kinderärzte warnen: Kleinkinder sollten keine Fruchtsäfte konsumieren

Alexander Stindt
Fruchtsaftkonsum bei kleinen Kindern führt zu Zahnverfall und Übergewicht
Viele kleine Kinder trinken gerne süße Getränke, wie beispielsweise Limonade oder Fruchtsaft. Forscher fanden jetzt heraus, dass Kinder im Alter unter einem Jahr generell den Konsum von Fruchtsaft vermeiden sollten. Das Trinken von Fruchtsäften im Alter unter einem Jahr führe zu Zahnverfall und Übergewicht.

Die Wissenschaftler der American Academy of Pediatrics stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass der Konsum von Fruchtsäften bei kleinen Kindern zu verstärkten Raten von Übergewicht und Zahnverfall führt. Die Experten veröffentlichten neue Richtlinien zum Konsum von Fruchtsäften in der medizinischen Fachzeitschrift „Pediatrics“.

Früchte schmecken gut und sind gesund. Forscher gaben jetzt bekannt, dass kleine Kinder lieber ganze Früchte verzehren sollten, anstatt Fruchtsaft zu trinken. Kinder unter einem Jahr sollten demnach überhaupt kein Fruchtsaft zu sich nehmen. So kann Zahnverfall und Übergewicht verhindert werden. (Bild: photocrew/fotolia.com)

Kinder sollten bestenfalls ganze Früchte essen
Kinder im Alter unter einem Jahr sollten den Konsum von Fruchtsaft generell vermeiden. Aber auch ältere Kinder sollten nur geringe Mengen von Fruchtsaft zu sich nehmen, sagen die Experten. Statt Fruchtsaft zu trinken, sollten Kinder stattdessen lieber ganze Früchte essen, erklären die Forscher der American Academy of Pediatrics weiter.

100 prozentiger Fruchtsaft kann in Maßen konsumiert werden
Vor den neuen Richtlinien wurde Eltern von Kinderärzten geraten, dass diese Fruchtsaft nicht an Kinder unter sechs Monaten verabreichen sollten. Für ältere Kinder mit einem gesunden Körpergewicht ist der Konsum von 100 prozentigen Fruchtsaft in Maßen durchaus gesund, sollte aber nicht mehr als die Hälfte der empfohlenen Obst-Portionen pro Tag ausmachen, sagen die Wissenschaftler.

Fruchtsaft sollte nur einen begrenzten Teil der Ernährung von Kindern ausmachen
Die jüngsten Ergebnisse verstärken die Beweise dafür, dass Fruchtsaft nur einen begrenzten Teil der Ernährung von Kindern ausmachen sollte, erklärt Autor Professor Steven Abrams. Der Verzehr von ganzen Früchten sei ein viel besserer Weg, um alle nötigen Vitamine und Nährstoffe aus Früchten zu beziehen.

Vorteile von ganzen Früchten
Ganze Früchte enthalten Fasern, welche die Absorption von Zucker durch den Körper verlangsamen. Diese bewirken auch, dass der Verzehr von ganzen Früchten zu einem stärkeren Völlegefühl führt, verglichen mit Fruchtsaft, erläutern die Experten. So könne eine Überernährung verhindert werden.

Viele Kinder nehmen am Tag nicht ausreichend Obst zu sich
Nach Angaben der Centers for Disease Control and Prevention nahmen Kinder in den USA zwischen dem Jahr 2003 und dem Jahr 2010 eine wachsende Menge an ganzen Früchten zu sich. Sie tranken in diesem Zeitraum außerdem weniger Saft. Aber etwa 60 Prozent der Kinder verzehrten immer noch nicht ihre täglich empfohlenen Portionen Obst. Diese Menge variiere je nach Alter, Geschlecht und Niveau der körperlichen Aktivität, fügen die Experten hinzu.

Wie viel Fruchtsaft sollten Kinder maximal am Tag zu sich nehmen?
Es gibt immer noch eine weit verbreitete Vorstellung unter Eltern, dass Saft ein vernünftiger Ersatz für Obst darstellt, sagen die Wissenschaftler. Die Leitlinien besagen, dass Kleinkinder maximal vier Unzen Fruchtsaft pro Tag zu sich nehmen sollten. Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren sollten höchstens sechs Unzen konsumieren, Kinder im Alter zwischen sieben und achtzehn Jahren sollten höchsten acht Unzen an Fruchtsaft trinken. Die beste Möglichkeit den Bedarf an Flüssigkeit eines Kindes abzudecken, sind Wasser und fettarme Milch, sagen die Mediziner.

Häufiger Saftkonsum mit zwei Jahren kann zu Übergewicht mit vier Jahren führen
Kinder sollten ihren ObstKonsum auf ganze Früchte beschränken, vor allem wenn die Betroffenen bereits unter Übergewicht leiden. Die aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass es eine Assoziation zwischen einem konsequenten Konsum von Saft im Alter von zwei Jahren und einem erhöhten Risiko für Übergewicht im Alter von vier Jahren gibt, erläutern die Mediziner. Auch wenn es unwahrscheinlich sei, dass die Fettleibigkeit in der Kindheit ausschließlich durch einen einzigen Faktor verursacht oder verhindert wird.

Gesüßte Getränke führen zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen
Die neuen Richtlinien gelten allerdings nicht für Fruchtgetränke, welche Süßstoff beinhalten und weniger als 100 Prozent Saft aufweisen. Diese Getränke fallen in die Kategorie der zuckergesüßten Getränke. Zu diesem gehören beispielsweise Limonade, Sport-Drinks und Energy-Drinks, sagen die Experten. Ein häufiger Konsum dieser Getränke sei mit negativen gesundheitlichen Ergebnissen verbunden. Eine Ausnahme können lediglich sogenannte Sportgetränke für Kinder oder Jugendliche sein, wenn diese wirklich sehr schwer trainieren, erklärte die American Academy of Pediatrics bereits in einem klinischen Bericht im Jahr 2011.

100 prozentiger Orangensaft ist gesund für Erwachsene
Es gibt einige Hinweise darauf, dass 100 prozentiger Orangensaft mit positiven gesundheitlichen Effekten bei Erwachsenen verbunden ist. Bisher ist allerdings noch nicht bekannt, ob es einen vergleichbaren Nutzen auch für Kinder und Jugendliche gibt, sagen die Forscher. Und was ist mit Kindern, die überhaupt keine Früchte essen? Es gibt eigentlich nicht viele Kinder, welche überhaupt keine Früchte mögen und die meisten Kinder essen Früchte gerne, weil diese sehr süß schmecken, erklären die Wissenschaftler. (as)