Kinderlähmung: Warum Impfungen weiterhin so wichtig bleiben?

Fabian Peters

Kommt die fast besiegte Krankheit zurück?

Poliomyelitis, auch unter den Namen Polio, Kinderlähmung und Heine-Medin-Krankheit bekannt, ist den meisten Leuten ein gängiger Begriff, insbesondere wenn es um das Thema Kinderimpfungen geht. Doch die Krankheit, die dahinter steht, ist heutzutage schon etwas in Vergessenheit geraten. Immerhin gab es in Deutschland laut dem Robert Koch-Institut (RKI) seit 1992 keine registrierten Fälle von Polio mehr. Warum wird eine Impfung gegen Poliomyelitis immer noch praktiziert, wenn diese Krankheit in Deutschland nicht mehr vorkommt?

Auf dem Welt-Poliotag 2017, der am 28.Oktober 2017 stattfindet, diskutieren Mediziner und Experten über die leicht in Vergessenheit geratene Krankheit und über das noch vorhandene Risiko einer Rückkehr. Denn auch wenn bereits massive Erfolge bei der Polio-Bekämpfung errungen wurden, gilt die Krankheit noch nicht als besiegt.

Auch wenn in Deutschland seit 1992 keine Poliofälle mehr gemeldet worden sind, besteht die Gefahr einer Einschleppung der Viren aus dem Ausland. (Bild: jarun011/fotolia.com)

Ziele bei der Polio-Bekämpfung wurden nicht erreicht

Trotz des starken Rückgangs von Kinderlähmung in Deutschland kann die Einschleppung der Viren aus dem Ausland nicht ausgeschlossen werden, denn in Pakistan, Afghanistan und Nigeria wurden 2016 noch Polio-Erkrankungen durch Poliowildviren registriert. Sollten diese Viren nach Deutschland gelangen, kann es zu erneuten Ausbrüchen der Krankheit kommen. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebene Polio-Impfquote bei Schulanfängern ist laut RKI in Deutschland nicht erfüllt. Statt den geforderten 95 Prozent wurden nur 94,5 Prozent erreicht. Dieses Ergebnis gilt als nicht zufriedenstellend.

Merkel ruft zur Impfung auf

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel geht in ihrem wöchentlichen Videopodcast auf Infektionskrankheiten ein und ruft dazu auf, sich impfen zu lassen. Sie geht unter anderem auf die Krankheit Masern ein, bei der es in Deutschland wieder steigende Zahlen gibt und vor der eine Impfung schützen kann. Eine allgemeine Impfpflicht lehne sie allerdings ab.

Polio – Was ist das?

Poliomyelitis ist eine Infektionskrankheit, die durch Polioviren hervorgerufen werden kann. Kinder gelten bei dieser Krankheit als besonders gefährdet. Polio kann zu bleibenden Schäden in Form von Lähmungen führen, die häufig die Extremitäten betreffen. In manchen Fällen kann es auch zu einer Lähmung der Atemmuskulatur kommen. Der Befall führt ohne maschinelle Beatmung zum Tod. Übertragen wird der Virus über Schmierstoffe, wie Urin oder Stuhl, aber auch eine Tröpfcheninfektion ist möglich. Der Mensch gilt als einziger bekannter Wirt für die Polioviren.

Polio weltweit

Noch 1988 galt Polio mit täglich mehr als 1.000 Neuerkrankungen bei Kindern als große Gefahr. Die WHO und ihre Partner gründeten in diesem Jahr die globale Polioeradikationsinitiative (GPEI), die sich der Bekämpfung der Krankheit annahm. Zusammen mit 200 Ländern und 20 Millionen Freiwilligen und unterstützt durch Investitionen von mehr als 11 Milliarden US-Dollar wurden seitdem 2,5 Milliarden Kinder gegen Polio immunisiert. Afghanistan, Pakistan und Nigeria sind die einzigen Länder, in denen es bisher noch nicht gelungen ist, die Polio-Zirkulation zu beenden. Laut RKI wurden im Jahr 2016 weltweit noch 37 Poliofälle durch Wildviren gemeldet, davon 20 in Pakistan, 13 in Afghanistan und 4 in Nigeria. (fp)