Kleine Jungs dürfen weinen – Männer jedoch nicht?

Heilpraxisnet

Umfrage: Sind weinende Männer peinlich?

06.07.2014

„Ein Indianer kennt keinen Schmerz“ oder „Männer weinen nicht“: Solche machohaften Sprüche sind weit verbreitet. Doch nicht nur jetzt, während bei der WM fast täglich weinende Fußball-Stars zu sehen sind, finden viele Menschen: Auch Männer dürfen Tränen vergießen.

Öffentliches Weinen gehört sich für Hälfte der Männer nicht
Ausgeschieden nach Elfmeterschießen oder wegen einer Verletzung: Derzeit sind viele Fußballstars während der WM mit Tränen in den Augen zu sehen. Doch über die Hälfte der deutschen Männer ist einer Umfrage zufolge der Meinung, dass es sich für männliche Erwachsene nicht gehöre, in der Öffentlichkeit zu weinen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung der GfK Marktforschung Nürnberg bei 1.013 Frauen und 973 Männern ab 14 Jahren im Auftrag der „Apotheken Umschau“. 54,5 Prozent der befragten Männer hätten demnach diese Ansicht geteilt. Bei den Frauen lag der Anteil bei 25,9 Prozent.

Männern wird früh beigebracht keine Gefühle zu zeigen
„Besonders peinlich“ würden es 45,8 Prozent der Männer und 22,0 Prozent der Frauen empfinden, wenn Männer Tränen vergießen. Lediglich 28,0 Prozent der männlichen Befragten mache es nichts aus, in Gegenwart anderer zu weinen. Bei den Frauen sind dies 57,0 Prozent. Für die ablehnende Haltung gegenüber Tränen könnte ein Grund in der früheren Erziehung liegen. Mit 36,9 Prozent habe mehr als jeder dritte männliche Befragte angegeben, dass ihm schon als Kind beigebracht wurde, seine Gefühle möglichst nicht zu zeigen. Bei den Frauen waren dies 22,4 Prozent und bei den ab 50-jährigen Männern sogar 48,0 Prozent und somit fast jeder zweite. Den Angaben zufolge zeigten sich die Männer toleranter bei Tränen, die von Jungen vergossen werden. Diese dürften genauso weinen wie Mädchen, fanden der Umfrage zufolge 78 Prozent der Männer und 92,5 Prozent der Frauen.

Tränen fördern die Gesundheit
Wenn sich Männer mehr von ihren machohaften Vorstellungen verabschieden würden und sich ein Beispiel nähmen an ihren fußballspielenden Geschlechtsgenossen, die ihre Emotionen immer häufiger durch Tränen artikulieren, könnten sie auch ihrer Gesundheit was Gutes tun. So lösen Tränen Gefühlsspannungen, bauen Stress ab und spülen schädliche Stoffe aus dem Körper, wie das Deutsche Grüne Kreuz in Marburg im vergangen Jahr berichtete. Den Experten zufolge werden bei Traurigkeit, Wut oder Eifersucht im Körper bestimmte Eiweißstoffe freigesetzt, die in zu großer Menge regelrecht krank machen können. Diese Substanzen können beim Weinen aber aus dem Körper rausgeschwemmt werden. Außerdem würden Menschen, die ihren Gefühlen nie freien Lauf lassen und Frustrationen, Trauer und Aggressionen abbauen, ihr Risiko für Kopfschmerzen, Migräne, Verdauungsstörungen und Herzleiden erhöhen. (ad)

Bild: U. Herbert / pixelio.de