Kleine Verletzungen am Gehirn erhöhen das Demenz-Risiko

Alexander Stindt

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Demenz und Hirnverletzungen?

Forscher fanden jetzt heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen einer Hirnverletzung und dem späteren Auftreten von Demenz gibt. Ein sogenanntes Schädel-Hirn-Trauma erhöht das Risiko für Alzheimer und andere Formen der Demenz nach Aussagen der Mediziner um 24 Prozent.


Die Wissenschaftler der University of Washington School of Medicine in Seattle stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass ein Schädel-Hirn-Trauma das Risiko erhöht an Alzheimer und anderen Formen der Demenz zu erkranken. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „The Lancet Psychiatry“.

Stürze und andere Verletzungen können zu einem sogenannten Schädel-Hirn-Trauma führen. Eine solche Verletzung erhöht dann die Wahrscheinlichkeit im späteren Leben an Demenz zu erkranken. (Bild: Monika Wisniewska/fotolia.com)

Daten von etwa drei Millionen Menschen wurden ausgewertet

Für ihre Studie analysierten die Mediziner die Daten von knapp drei Millionen Menschen. Dabei konnten die Forscher feststellen, dass ein Schädel-Hirn-Trauma das Risiko an Alzheimer und anderen Formen der Demenz zu erkranken über einen Zeitraum von 36 Jahren um 24 Prozent erhöht. Mit anderen Worten hatten 5,3 Prozent der Teilnehmer mit Demenz ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, verglichen mit 4,7 Prozent der Probanden mit Demenz, welche keine solche Vorgeschichte aufwiesen.

Sogar schwache Kopfverletzungen erhöhen das Risiko

Selbst eine relativ geringe Kopfverletzung, welche ein Gehirnerschütterung ausgelöst hat, führte zu einer Erhöhung des Risiko um 17 Prozent, erklären die Wissenschaftler. Die Wahrscheinlichkeit nach einer Hirnverletzung Alzheimer zu entwickeln ist allerdings nur relativ gering, fügen die Experten hinzu.

Erhöhtes Risiko bleibt Jahre bestehen

Menschen mit einer traumatischen Hirnverletzung in der Anamnese, einschließlich Patienten mit weniger schweren Verletzungen, hatten ein erhöhtes Risiko, auch Jahrzehnte nach der Verletzung eine Demenz zu entwickeln, erklärt Studienauto Professor Jesse Fann von der University of Washington School of Medicine. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass, obwohl das relative Risiko einer Demenz nach traumatischer Hirnverletzung erhöht ist, die absolute Risikozunahme gering ausfällt, fügt der Experte hinzu.

Studie untersuchte die dänische Bevölkerung

Für ihre Untersuchung identifizierten die Mediziner alle Diagnosen von Teilnehmern mit Schädel-Hirn-Trauma aus den Gesundheitsakten einer dänischen Bevölkerung von 2,8 Millionen Menschen zwischen dem Jahr 1977 und dem Jahr 2013. Im Zeitraum von 36 Jahren erlitten 132.093 Personen mindestens ein Schädel-Hirn-Trauma. Die meisten Fälle wurden allerdings als mild eingestuft. Zwischen dem Jahr 1999 und dem Jahr 2013 wurde bei 4,5 Prozent der Studienpopulation ab 50 Jahren eine Demenz diagnostiziert, sagen die Forscher.

Erhöht Fußball das Risiko an Demenz zu erkranken?

Bereits seit längerer Zeit diskutierten Experten darüber, ob Fußballer ein erhöhtes Risiko aufweisen, an Demenz zu erkranken. Dies würde im Zusammenhang mit eventuell erlittenen Kopfverletzungen stehen. Frühere Untersuchungen über die Zusammenhänge zwischen Hirnverletzung und Demenz haben zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt, sagen die Autoren der Studie. Kleine Stichprobengrößen und kurze Nachbeobachtungszeiträume waren zwei der Faktoren, die frühere Befunde unzuverlässig machten, ergänzen die Wissenschaftler.

Wiederholte Hirnverletzungen erhöhen das Risiko massiv

Die aktuelle Studie berücksichtigte auch andere Einflüsse auf das Risiko an Demenz zu erkranken, einschließlich Diabetes, Herzkrankheiten, Depression und Drogenmissbrauch. Die Forscher identifizierten einen kumulativen Effekt, wobei das Risiko an Demenz zu erkranken mit wiederholten Episoden einer Hirnverletzung anstieg. Bei Personen, die fünf oder mehr solche Verletzungen erlitten hatten, war das Risiko fast dreifach erhöht, erläutern die Mediziner.

Prävention muss verbessert werden

Der Zusammenhang von verschiedenen Ursachen für ein Schädel-Hirn-Trauma führt zu Veränderungen im Laufe der Zeit, welche eine stärkere politische Aufmerksamkeit benötigen, weil eine mögliche Prävention die Auswirkungen verhindern könnte, sagen die Experten. Denn bereits eine einzige Verletzung, welche zu einem Schädel-Hirn-Trauma führt, erhöht die Wahrscheinlichkeit an einer Demenzerkrankungen zu leiden um mehr als ein Drittel. (as)