Kleinere Packungen gegen Suizid

Astrid Goldmayer

Kleinere Packungen bei Paracetamol können Überdosis verhindern

08.02.2013

Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Paracetamol sind in Deutschland nur noch in kleineren Packungsgrößen rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Bereits seit einiger Zeit wird darüber diskutiert, die Abgabe der Mittel an die Patienten weiter zu reglementieren, da es immer wieder zu Überdosierungen und Todesfällen kommt. Eine Studie der Universität von Oxford in England hat ergeben, dass kleinere Packungsgrößen zwischen 1998 und 2009 einen Rückgang der Suizide oder unbeabsichtigten Todesfälle im Zusammenhang mit Paracetamol um 43 Prozent bewirkt hat.

Bereits geringe Mengen Paracetamol können zur Überdosis führen
Paracetamol ist ein Schmerzmittel, dass in geringer Dosis bereits Kindern beispielsweise bei Zahnschmerzen zum Einnehmen gegeben wird. Das Mittel gilt im Allgemeinen als gut verträglich. Dennoch muss die Dosierung von Paracetamol mit Bedacht erfolgen, denn eine Überdosierung führt zu Vergiftungen und Leberschäden. Im schlimmsten Fall endet sie tödlich. Die empfohlene maximale Tagesdosis Paracetamol für einen Erwachsenen entspricht drei bis vier Gramm. Doch bereis geringe Mengen können gefährlich sein. Nimmt ein Patient bei Zahnschmerzen über einen Zeitraum von mehreren aufeinander folgenden Tage Paracetamol ein, könnte schon eine gesundheitsgefährdende Dosis erreicht werden, wie der Leiter des Giftnotrufs Erfurt, Helmut Hentschel, informiert. Der Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie spricht sich deshalb für eine generelle Rezeptpflicht für Paracetamol aus.

Durch kleinere Packungen bei Paracetamol 43 Prozent weniger Todesfälle
Eine Forschergruppe der Universität von Oxford in England hat die Auswirkungen von kleineren Packungsgrößen von Paracetamol in Großbritannien untersucht. Demnach sank die Zahl der Todesfälle durch Suizid oder ungewollte Überdosierung von Paracetamol zwischen 1998 und 2009 um 43 Prozent. Wie die Forscher im Fachblatt „British Medical Journal" (BMJ) berichten, wurde die Regelung zu kleineren Packungsgrößen 1998 genau aus diesem Grund eingeführt worden. In Apotheken verkauften Packungen dürfen seitdem maximal 32 Tabletten und nicht apothekenpflichtige Packungen 16 Tabletten enthalten. Bis zur Einführung der neuen Regelung habe es eine auffällig hohe Anzahl von Todesfällen und Lebertransplantationen gegeben, die im Zusammenhang mit einer Vergiftung mit Paracetamol gestanden hätten.

Die Forscher äußern dich jedoch zurückhaltend zum Erfolg der kleineren Packungen. „Trotz des offensichtlichen Nutzens, gibt es weiterhin eine beträchtliche Anzahl von Todesfällen von durchschnittlich 121 pro Jahr aufgrund von Paracetamol-Vergiftungen“, heißt es in einem Begleitartikel zur Studie. „Die Forscher schlagen weitere Maßnahmen zur Senkung der Todesrate vor wie eine strengere Durchsetzung der Rechtsvorschriften, noch kleinere Packungsgrößen sowie eine mögliche Verringerung des Paracetamol-Gehalts der Tabletten“. (ag)

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Bild: Sara Hegewald / pixelio.de