Kleinkinder nicht schlauer als ein Papagei

Fabian Peters

Papageien haben die Intelligenz von Kleinkindern

08.08.2012

Graupapageien sind dazu in der Lage, ähnlich komplexe Denkleistungen zu vollbringen wie ein dreijähriges Kind. Zu diesem Ergebnis kommt eine im britischen Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“ (Proceedings B) veröffentlichte Studie der Wissenschaftler um Christian Schloegl vom Forschungszentrum für die Evolution des Sozialverhaltens an der Universität Göttingen und Judith Schmidt vom Institut für Verhaltensbiologie an der Universität Wien.

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Logisches Denken wird bislang als außergewöhnliches Kennzeichen der menschlichen Spezies betrachtet. Allenfalls bei Menschenaffen konnten ebenfalls Ansätze dieses komplexen Verständnisses zwischen Ursache und Wirkung wissenschaftlich belegt werden, andere Tiere galten als hierzu nicht in der Lage. Nun haben die Wissenschaftler um Christian Schloegl und Judith Schmidt jedoch herausgefunden, dass auch Graupapageien zum logischen Denken fähig sind. Sie verfügen laut Aussage der österreichischen und deutschen Verhaltensbiologen über eine ähnliche Intelligenz wie ein dreijähriges Kind.

Papageien erkennen das Klappern der Nuss im Futterbecher
Um das Denkvermögen der Papageien auf die Probe zu stellen, haben die Forscher die Vögel einem Test unterzogen, bei dem zwischen zwei undurchsichtigen Plastikbechern gewählt werden konnten – einer enthielt eine Nuss, der andere war leer. Bevor sich die Papageien entschieden, wurde in der ersten Versuchsanordnung der gefüllte Becher geschüttelt, in der zweiten Versuchsanordnung schüttelten die Forscher beide Becher und in der dritten nur den leeren. Wurde der Becher mit der Nuss geschüttelt, konnten die Papageien das Klappern hören und entschieden sich folgerichtig mehrheitlich für den gefüllten Becher. Auch beim Schütteln beider Becher erkannten die Vögel meist den richtigen. Verwunderlich war jedoch, dass sie, selbst wenn nur der leere Becher geschüttelt wurde, in der Regel den Becher mit Futter wählten. Dies erfordert laut Aussage der Forscher durchaus eine komplexe Denkleistung, zu der Menschenkinder erst ab einem Alter von rund drei Jahren in der Lage sind.

Papageien erkennen den Zusammenhang zwischen Nuss, Schütteln und Geräusch
Eine derartige Fähigkeit zu logischen Schlussfolgerungen sei außer beim Menschen bisher ausschließlich von Menschenaffen bekannt, berichtet das Forscherteam in dem Artikel „Graupapageien nutzen folgerndes Denken allein auf Basis akustischer Signale“. Schloegl und Schmidt zeigten sich davon überzeugt, „dass Graupapageien den kausalen Zusammenhang von Nuss, Schütteln und Geräusch verstanden haben.“ Dies sei „bisher nur Menschenaffen, nicht aber andere Affenarten und Hunde“ gelungen, berichten die Wissenschaftler. Allerdings mussten die Forscher die Aussagekraft ihrer Studie in einigen Punkten auch einschränken. Denn einerseits wurden lediglich sechs Papageien getestet und anderseits war die Schüttelbewegung überraschenderweise entscheidend für die Treffsicherheit der Vögel.

Einschränkungen des logischen Denkvermögens der Papageien
Bei horizontaler Bewegung des Futterbechers von links nach rechts, erkannten die Papageien meist das richtige Gefäß, bei vertikaler Bewegung von oben nach unten gelang ihnen dies jedoch nicht. Möglicherweise assoziieren die Tiere das vertikale Schütteln des Bechers mit dem Kopfnicken, dass bei Papageien wichtiger Bestandteil des Sozialverhaltens ist, und waren daher verwirrt, so die Vermutung der Forscher. Ihre ansonsten affenähnliche Fähigkeit zum logischen Denken werde wahrscheinlich durch unterschwellige instinktive Störungen gehemmt, so die Verhaltensbiologen weiter. In kommenden Studien müsse daher untersucht werden, ob die Graupapageien auch in anderen Versuchsanordnungen zu ähnlichen Denkleistungen in der Lage sind. (fp)

Bild: Martina Friedl / pixelio.de