Klinik bekommt Keime nicht in den Griff

Nina Reese

Neugeborene in Jena mit Bakterien infiziert

23.10.2013

Auf der Kinder-Intensivstation des Klinikums „Mutterhaus der Borromäerinnen“ in Trier werden derzeit sechs Frühgeborene behandelt, bei denen eine Besiedlung mit dem Keim “Serratia marcescens” nachgewiesen wurde. Der Keim, der für Erwachsene normalerweise harmlos ist, kann für Neugeborene und Frühchen zu einer ernsten Gefahr werden – darum wurde die Station nun vorsorglich für Neuaufnahmen geschlossen.

Keim bei Routineuntersuchungen nachgewiesen
Bei sechs Neugeborenen im Klinikum „Mutterhaus der Borromäerinnen“ in Trier sind bei Routineuntersuchungen gefährliche Erreger nachgewiesen worden. Dabei handelt es sich nach Angaben der Klinik konkret um „Serratia marcescens“, ein „Keim, der überall in der Umwelt vorkommen kann – und vor allem im Darmtrakt von Menschen und Tieren zu finden ist“, wie Dr. Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamtes Trier erklärt. Während dieser für gesunde Erwachsene normalerweise harmlos sei, könne er aber „bei Patienten mit schweren Grunderkrankungen oder geschwächter Infektabwehr zu Infektionen führen, die schwer verlaufen können“, so Dr. Harald Michels weiter.

Betroffenen Kinder werden isoliert betreut
Ein Risiko für andere kleine Patienten bestehe jedoch laut dem Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums, Dr. Wolfgang Thomas, nicht, denn alle betroffenen Kinder würden in den Räumen der Intensivstation zusammengelegt und isoliert betreut. „Für die Versorgung von Frühgeborenen, die nicht mehr ohne Risiko vor Geburt in ein anderes Perinatalzentrum verlegt werden können, richtet das Klinikum eine räumlich und personell komplett getrennte Ausweichstation ein. Das gilt genauso für Neugeborene und Säuglinge mit unvorhersehbar auftretenden medizinischen Problemen. Hierfür werden auch Mitarbeiter, die sich im Urlaub befinden oder in Teilzeit arbeiten, um zusätzliche Unterstützung gebeten“, ergänzt der medizinische Geschäftsführer Dr. Oliver Kunitz in einer Mitteilung des Klinikums.

Weiterverbreitung des Keimes konnte nicht gestoppt werden
Wie sich die Keime in der Klinik verbreitet haben, sei nach Angaben der Klinik noch nicht abschließend geklärt, allerdings bestehe nach derzeitigem Kenntnisstand die Vermutung, dass der Ursprung in der Infektion eines Extremfrühgeborenen liegt, von welcher dieser sich jedoch erholt habe. Bei dem betroffenen Jungen war der Keim drei Tage nach dessen Geburt durch eine Routineuntersuchung nachgewiesen worden, im Anschluss war dieser sofort isoliert und sämtliche Hygienevorschriften auf der Station verschärft worden. Doch auch dadurch konnte der Keim nicht aufgehalten werden, stattdessen breitete er sich weiter aus und infizierte fünf weitere Neugeborene: „Der Keim zeichnet sich durch eine hohe Überlebensfähigkeit außerhalb von Lebewesen aus“, erklärt Chefarzt Dr. Wolfgang Thomas, daher konnten „strenge Isolations- und verschärfte Hygienemaßnahmen, die in Absprache mit dem Beratungszentrum für Hygiene und dem Gesundheitsamt Trier erfolgten, jedoch nur vorübergehend eine Weiterverbreitung des Keimes verhindern.“

Intensivstation vorsorglich für Neuaufnahmen geschlossen
Den Ärzten und Pflegern könne laut Dr. Harald Michels dabei kein Vorwurf gemacht werden, denn diese hätten die Hygienevorschriften so gut wie möglich eingehalten – auch wenn es auf einer Intensivstation nicht immer gelingen könne, streng auf Hygiene zu achten. Um dennoch jedes Risiko für weitere Fehlbesiedlungen zu verhindern, hat die Klinikleitung in Absprache mit dem Gesundheitsamt Trier und dem Deutschen Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg beschlossen, die Intensivstation und eine benachbarte Früh- und Neugeborenenstation vorsorglich für Neuaufnahmen zu schließen. (nr)

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Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de