Klinikum mit neuer Bluthochdruck-Behandlung

Fabian Peters

Neue Bluthochdruckbehandlungsmethode am Klinikum Solingen

17.10.2012

Operative Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) in Solingen. Im Klinikum Solingen wird künftige die sogenannte „renale Denervation“ als neuartige Behandlungsmethode gegen Bluthochdruck angeboten. Mit finanzieller Unterstützung durch den Förderverein des Klinikums konnte das neue Verfahren in Solingen etabliert werden.

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Rund die Hälfte der über 50-jährigen Männer in Deutschland leidet an Bluthochdruck. Frauen sind deutlich seltener betroffen, allerdings keineswegs vor einer Erkrankung geschützt. Zwar kann den Patienten in der Regel mit Hilfe von Medikamenten relativ gut geholfen werden, doch müssen sie oftmals eine ganze Reihe von Präparaten einnehmen, die ihrerseits auch zu erheblichen Nebenwirkungen führen können. Bei den besonders schweren Fällen verspricht das Verfahren der renalen Denervation Abhilfe. Hier werden zielgerichtet sympathische Nervenfasern der Niere, welche für die Entstehung von Hypertonie mitverantwortlich sind, verödet. Bislang ist die Behandlungsmethode vor allem für Patienten gedacht, deren Blutdruck sich nicht beziehungsweise nur äußerst schwer medikamentös einstellen lässt.

Umstellung des Lebensstils kann Bluthochdruck entgegenwirken
Bei den meisten Bluthochdruckpatienten schlagen die gängigen Medikamente relativ gut an und ermöglichen durch regelmäßige Einnahme eine Stabilisierung des Blutdrucks. Leichte Formen können unter Umständen sogar auf Basis einer Umstellung des Lebensstils ohne die Einnahme von Medikamenten behoben werden. Durch eine Umstellung der Ernährung beziehungsweise das Meiden ungesunder Lebensmittel, den Abbau bestehenden Übergewichts, ausreichende körperliche Bewegung und die Reduzierung des persönlichen Stress lässt sich der Hypertonie entgegenwirken. Bei schweren Bluthochdruckformen sind die Erfolge der Medikamente und der Lebensstil-Umstellung jedoch äußerst begrenzt.

Nieren mit erheblichem Einfluss auf den Blutdruck
Mediziner sprechen von Bluthochdruck beziehungsweise Hypertonie ab Blutdruckwerten von 140 zu 90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) – die Normalwerte liegen bei 120 zu 80 mmHg. Besonders schwere Formen des Bluthochdrucks erreichen Werte von 180 zu 110 mmHg und mehr. Die Blutdruckregulierung unterliegt dabei äußerst komplexen Prozessen, die bis heute nicht vollständig erklärt werden können. Fest steht jedoch, dass die Nieren einen wesentlichen Einfluss auf den Blutdruck haben. „Die Niere sendet Impulse zum Gehirn, die für den Bluthochdruck verantwortlich sind", erläutert der Nierenspezialist (Nephrologe) des Klinikums Solingen, Prof. Dr. Peter Heering gegenüber der „Rheinischen Post“ (RP). Die hierfür erforderlichen Nervenfasern werden bei dem Eingriff der renale Denervation unterbrochen.

Operation zur Behandlung des Bluthochdrucks
Bei der Operation arbeitet der Nierenspezialist eng mit dem Kardiologen Professor Dr. Hans Martin Hoffmeister zusammen. In dem Herzkatheterlabor des Klinikums wird über einen kleinen Schnitt ein Spezial-Katheter in die Leistenarterie der Bluthochdruckpatienten eingeführt und bis zur Nierenarterien vorgeschoben. An seiner Spitze ist der Katheter mit Elektroden versehen, die zur Verödung der Nervenfasern genutzt werden können. Der Eingriff dauert ungefähr eine Stunde und wird normalerweise unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Eine Vollnarkose ist in der Regel nicht erforderlich. Zum Einsatz kommt die renale Denervation im Klinikum Solingen ausschließlich bei Patienten, die mindestens vier verschiedene Arzneimittel parallel einnehmen müssen, um ihren Bluthochdruck einigermaßen zu regulieren. Bei diesen besonders schweren Fällen könne das Verfahren eine nachhaltige Verbesserung der Situation bewirken, erläuterten die Experten.

Gesundheitliche Folgen der Hypertonie
Eine nachhaltige Regulierung des Bluthochdrucks ist dringend erforderlich, da ansonsten langfristig erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen drohen. Bluthochdruck gilt als einer der maßgeblichen Risikofaktoren für alle Herz-Kreislauferkrankungen. Das Herz wird überlastet, Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose), Nieren- und andere Organschäden begünstigt. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt. Zudem leiden die Augen und schlimmstenfalls drohen Sehbehinderungen oder gar eine Erblindung. Besonders kritisch ist, dass Bluthochdruck meist über Jahre unbemerkt bleibt und erst bei Auftreten der ersten Symptome reagiert wird. Auch allgemeine Beschwerden wie Kopfschmerzen, Herzrasen oder Schwindel sollten daher laut Aussage der Experten als mögliche Hinweise auf Bluthochdruck durchaus ernst genommen werden. Des Weiteren seien auch eine anhaltende Nervosität und Schlafstörungen als mögliche Begleiterscheinungen des Bluthochdrucks zu bewerten. (fp)