Klinikpatienten mit Infektionskrankheiten neigen häufiger zum Suizid

Der Tod durch Selbstmord ist ein schrecklicher Schlag für alle Bekannten und Angehörigen. Dabei sind die Gründe für einen Suizid meist schwer vorherzusehen. Forscher stellten jetzt einen Zusammenhang zwischen Selbstmorden, Krankenhausaufenthalten und Infektionen fest. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)
Alexander Stindt
Studie stellt Zusammenhang zwischen Selbstmorden und Infektionen fest
Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass mehr als 800.000 Menschen pro Jahr durch einen Suizid sterben. Eine neue Studie entdeckte jetzt einen neuen Risikofaktor für Selbstmorde. Forscher stellten fest, dass Menschen, die mit Infektionskrankheiten in einem Krankenhaus liegen, häufiger zum Suizid neigen.

Wissenschaftler vom Copenhagen University Hospital in Dänemark fanden bei einer Untersuchung heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen Infektionen, Krankenhausaufenthalten und Selbstmorden geben könnte. Krankenhauspatienten mit einer Infektion haben ein erhöhtes Selbstmordrisiko. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer neuen Studie in der Fachzeitschrift „JAMA Psychiatry“.

Der Tod durch Selbstmord ist ein schrecklicher Schlag für alle Bekannten und Angehörigen. Dabei sind die Gründe für einen Suizid meist schwer vorherzusehen. Forscher stellten jetzt einen Zusammenhang zwischen Selbstmorden, Krankenhausaufenthalten und Infektionen fest. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)
Der Tod durch Selbstmord ist ein schrecklicher Schlag für alle Bekannten und Angehörigen. Dabei sind die Gründe für einen Suizid meist schwer vorherzusehen. Forscher stellten jetzt einen Zusammenhang zwischen Selbstmorden, Krankenhausaufenthalten und Infektionen fest. (Bild: Photographee.eu/fotolia.com)

Wissenschaftler untersuchen die Daten von mehr als 7,2 Millionen Probanden
In den letzten Jahren gab es immer wieder Untersuchungen über die Auslöser oder Ursachen von Selbstmorden. So stellte beispielsweise eine andere Studie vor kurzer Zeit fest, dass der enorme Leistungsdruck immer mehr Studenten in den Selbstmord treibt. Dänische Forscher analysierten für ihre Untersuchung jetzt die Daten von mehr 7,2 Millionen Personen im Alter über 15 Jahren. Dabei suchten sie nach einem Zusammenhang zwischen Infektionskrankheiten und dem Tod durch Selbstmord. Patienten in Krankenhäusern, die an einer Infektion leiden, haben eine erhöhtes Risiko Selbstmord zu begehen, berichten die Mediziner von den Ergebnissen. Das höchste Suizidrisiko hatten dabei Patienten mit HIV, AIDS oder Hepatitis, fügen die Autoren hinzu.

Im Laufe der Studie begangen 32.700 Probanden Selbstmord
Von den teilnehmenden Probanden waren insgesamt 11,2 Prozent mit einer Infektion in einem Krankenhaus. Dazu gehörten beispielsweise HIV, Hepatitis, Infektionen des Verdauungssystems, des Blutes oder der Lunge, sagen die Experten. Im Laufe der Studie starben fast 32.700 dieser Patienten durch einen Selbstmord. Ein Viertel dieser Menschen lag vorher mit einer Infektion in einem Krankenhaus, sagen die Autoren. Die Ergebnisse der Untersuchung deuten darauf hin, das Krankenhauspatienten mit einer Infektion ein um 42 Prozent erhöhtes Risiko für einen Tod durch Selbstmord haben. Menschen mit mehreren Infektionen oder Patienten, die eine längere Behandlung im Krankenhaus durchliefen, zeigten ein zusätzlich erhöhtes Suizidrisiko, erklären die Wissenschaftler.

Krankenhauspatienten mit Infektion haben ein um 42 Prozent erhöhtes Suizidrisiko
Wenn Patienten nur vier Tage oder weniger im Krankenhaus verbracht hatten, lag ihr Risiko für einen Selbstmord um 42 Prozent höher als bei Probanden ohne Infektion. Dieses Risiko stieg allerdings auf dramatische 138 Prozent an, wenn sie mehr als 94 Tage in einem Krankenhaus lagen. Aber nicht nur kranke Menschen in Kliniken haben ein erhöhtes Selbstmordrisiko. Unabhängige Studien hatten bereits andere Risikogruppen für einen Selbstmord festgestellt. Beispielsweise begehen junge homosexuelle und bisexuelle Männer bis zu sechs mal häufiger Selbstmord. Außerdem kann auch Mobbing bei Teenager zu einem hohen Suizidrisiko führen.

Die Anzahl an Infektionen erhöht auch das Selbstmordrisiko
Wenn Menschen nur eine einzelne Infektion hatten, stieg das Risiko für einen Selbstmord weniger deutlich, als bei mehreren gleichzeitigen Infektionen. Leiden Betroffene aber an sieben oder mehr Infektionen, ist ihr Selbstmordrisiko um 190 Prozent gegenüber Probanden ohne Infektion erhht, erklären die Wissenschaftler.

Infektionen beeinflussen die pathophysiologischen Mechanismen des Suizidverhaltens
Die Studie führte zwar nicht zu einem schlüssigen kausalen Zusammenhang, aber die Ergebnisse unterstützen eine Verbindung zwischen dem Risiko für suizidales Verhalten und Infektionen beziehungsweise proinflammatorischen Zytokinen und Metaboliten von Entzündungen, erläutern die Forscher. Die Verbindung könnte aber gegebenenfalls auch durch andere Faktoren beeinflusst werden. Zum Beispiel kann sich die psychologische Wirkung eines Krankenhausaufenthaltes mit einer schweren Infektion auf unser Risiko für einen Selbstmord auswirken, fügen die Mediziner hinzu. Die Ergebnisse weisen allerdings eher darauf hin, dass Infektionen eine wichtige Rolle in den pathophysiologischen Mechanismen des Suizidverhaltens haben können, sagen die Autoren. (as)

Advertising