Knieschmerzen: Wenn der Meniskus kaputt ist

Alfred Domke

Knieschmerzen: Bei Meniskusverletzung zum Arzt

06.02.2014

Zu den häufigsten Ursachen für Knieprobleme zählen Meniskusverletzungen. Schon eine falsche Bewegung kann ausreichen und dazu führen, dass der Meniskus reißt. Bei Knieschmerzen gilt es, diese nicht zu ignorieren und frühzeitig zum Arzt zu gehen. Sonst drohen Folgeschäden.

Meniskusverletzungen meist unfallbedingt
Meniskusverletzungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Knieprobleme. Bereits bei einer falschen Bewegung besteht die Gefahr, dass der Meniskus reißt. Rainer Siebold, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Heidelberg, erklärte: „Bei jüngeren Menschen treten Meniskusverletzungen meist unfallbedingt, zum Beispiel durch Sport- oder Verkehrsunfälle, auf.“ Diese Verletzungen führten meist unmittelbar zu Kniegelenkschmerzen. Bei älteren Menschen können Meniskusverletzungen auch eine Folge von Verschleißerscheinungen sein.

Wichtige Funktion im Kniegelenk
Die jeweils zwei Menisken, die sich im menschlichen Knie finden, werden als Innen- und Außenmeniskus bezeichnet. Diese halbmondförmigen Knorpel, die sich zwischen Ober- und Unterschenkel befinden, erfüllen eine wichtige Funktion im Kniegelenk, denn sie dienen als Stoßdämpfer sowie Druckverteiler und passen die unterschiedlichen Strukturen des Ober- und Unterschenkels aneinander an. Dadurch wird das Gelenk vor Verschleiß geschützt. Wenn der Meniskus verletzt und zusätzlich teilweise abgerissen ist, kann das Gelenk blockieren. Dann könnten Betroffenen das Knie nicht mehr richtig beugen oder strecken. Zudem schwillt das Gelenk manchmal an.

Einige Sportarten bergen ein großes Risiko für Verletzungen
Siebold zufolge bergen Sportarten mit gegnerischem Einfluss ein großes Risiko für Meniskusverletzungen. Außerdem seien häufige Stop-and-Go-Bewegungen sowie Richtungswechsel wie etwa beim Fußball, Handball, Basket- sowie Volleyball oder auch beim Skifahren gefährlich. Die Ursache für Meniskusverletzungen liegt aber nicht alleinig bei Unfällen, sie können auch durch jahrelangen Verschleiß und jahrzehntelange Belastung entstehen. Denn im Laufe der Zeit verändern die einwirkenden Kräfte die Struktur der Knorpel und dann könne es passieren, dass sich das Meniskusgewebe aufreibt und den Gelenkknorpel schädigt. „Viele Patienten verspüren Schmerzen beim Treppenheruntergehen, wenn sie in die Hocke gehen oder sich aus der tiefen Hocke aufrichten, meist an der Innenseite des Knies“, so Thomas Pauly, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Rheumachirurgie am St. Elisabeth-Hospital in Meerbusch (Nordrhein-Westfalen).

Verschleiß manchmal schon im relativ jungen Alter
Selbst einfaches Beugen oder ein leichteres Vertreten könne im Falle von Vorschäden zum Einreißen des Meniskus und plötzlichen Schmerzen führen. Manchmal verändert sich der Meniskus durch Verschleiß schon im relativ jungen Alter, beispielsweise mit 40 oder gar früher. „Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von der individuellen Beschaffenheit des Gewebes ab“, erklärte Pauly. Zudem fördern mangelnde Bewegung, Übergewicht und Adipositas den Verschleiß ebenso wie Berufe, bei denen auf den Knien oder in der Hocke gearbeitet werden muss. Meniskusverletzungen müssen aber nicht nur wegen der Schmerzen unbedingt behandelt werden. Paul erläuterte: „Ein eingerissener Meniskus ist immer der Beginn einer Arthrose, der fortschreitenden Zerstörung des Gelenks.“ Wenn die Ursache in einer Verletzung liegt, komme meist eine Operation in Betracht. Dann könne entweder der Riss genäht oder beschädigte Teile des Meniskus entfernt werden.

Unterschiedliche Operationsmöglichkeiten
In der Regel erfolgten beide Operationen schonend mittels Gelenkspiegelung, wofür nur kleine punktförmige Schnitte nötig seien. Einen vollständigen Erhalt des Meniskus könne eine Meniskusnaht ermöglichen, wobei die Erfolgsaussichten langfristig am größten seien. Allerdings hänge es von Ort und Art der Verletzung, dem Alter und der körperlichen Fitness des Patienten sowie weiteren Faktoren ab, ob ein Riss genäht werden kann. Wenn bei einem Eingriff in kleinerem Umfang Teile des Meniskus entfernt werden, könne der Patient das Knie oft schon kurz nach der Operation wieder voll belasten. Bei einer Meniskusnaht, die länger heilen muss, ist jedoch etwas mehr Geduld gefragt. So seien in den ersten drei bis sechs Wochen Gehilfen Pflicht, um so das Kniegelenk zu entlasten.

Bei Meniskus-Teilentfernung hohes Risiko für spätere Arthrose
Siebold warnt jedoch davor, sich nur wegen der schnelleren Wiedereinsatzfähigkeit für eine Teilentfernung zu entscheiden: „Ein Patient, der als Jugendlicher oder jüngerer Erwachsener schon einen Meniskusteilverlust hat, hat ein sehr hohes Risiko für eine spätere Arthrose.“ Ist ein Riss verschleißbedingt, bestehe keine Aussicht, dass sich der Meniskus durch Nähen wieder heilen und dadurch vollständig erhalten lässt. In solchen Fällen versucht der Operateur, den Riss zu stabilisieren, indem er die instabilen Teile entfernt und möglichst viel Meniskus übrig lässt.

Manchmal bringt eine Operation nichts mehr
Außerdem kann es sein, das eine Operation nichts mehr bringt, wenn eine Meniskusverletzung nicht behandelt wurde und dadurch der Gelenkknorpel schon viel Schaden genommen hat. „Man würde dann mit Medikamenten und Physiotherapie versuchen, die Schmerzen in den Griff zu bekommen und einen künstlichen Gelenkersatz möglichst lange hinauszuzögern“, so Pauly. Mitunter werde auch zusätzlich eine physiotherapeutische Behandlung erforderlich, um nach einer Operation wieder fit zu werden. In der Regel werde diese dann verordnet, wenn der Heilungsprozess nicht von allein optimal verläuft, so der niedergelassene Physiotherapeut und Reha-Trainer beim Fußball-Regionallegisten VfB Lübeck, Sascha Knappe.

Heilung braucht Ruhe
Zudem sei wichtig, dass die von Ärzten und Therapeuten festgelegten Zeiten für Schonung und Entlastung konsequent eingehalten werden. Knappe betonte: „Wenn etwas heilen soll, braucht es auch Ruhe.“ Patienten hätten jedoch häufig den Anspruch, genauso schnell wieder fit zu sein, wie sie es von Leistungssportlern kennen. Der Sporttherapeut erklärte dazu: „Allein die körperlichen Voraussetzungen hinsichtlich Lymphabfluss, Durchblutung und gelenkstabilisierender Muskulatur beim Leistungssportler sind aber ganz andere.“ (ad)

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