Können Biomarker-Gentests die Chemotherapie bei Brustkrebs ersparen?

Volker Blasek

Ist eine Chemotherapie bei Brustkrebs immer sinnvoll?

In der bisherigen Praxis bei der Behandlung von Brustkrebs folgte auf die operative Entfernung eines Brusttumors eine Chemotherapie, um eventuell noch vorhandene Krebszellen abzutöten. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft hat sich die Krebstherapie jedoch durch die neue Möglichkeit, Tumore genetisch zu analysieren, grundlegend gewandelt. Während früher alle Patienten die gleiche Behandlung erhielten, stehe heute mehr und mehr der einzelne Patient mit seinen spezifischen Tumoreigenschaften im Blick. Immer mehr Ärzte setzen auf eine neue Gentherapie, um den Frauen die belastende Behandlung möglicherweise zu ersparen.


Die Biomarker-Tests analysieren die Konzentration bestimmter Eiweiße oder verschiedene Gene, deren Eigenschaften eine Aussage über den Krankheitsverlauf ermöglichen sollen. Das Ergebnis soll dem Arzt dabei helfen zu beurteilen, welche Frau eine adjuvante Chemotherapie bekommen müssen und welche nicht, je nachdem wie aggressiv der Tumor eingestuft wird. Beispielsweise wird im Test untersucht, ob bestimmte Mutationen vorliegen, bei denen spezifische Medikamente besonders wirksam sind.

Auch wenn es viel Interesse an Biomarker-Tests bei Brustkresbs gibt, zweifeln manche Experten an der Verlässlichkeit im derzeitigen Entwicklungsstadium. (Bild: WavebreakMediaMicro/fotolia.com)

Biomarker Tests bei Brustkrebs sind umstritten

Laut der Deutschen Krebsgesellschaft sind Prognosetests für Brustkrebs-Patientinnen durch Medien und Werbematerialien gut bekannt. Doch hinter der starken Präsenz stehe nicht zuletzt auch kommerzielles Interesse. Damit die Tests ins Standardrepertoire einer Behandlung aufgenommen werden, müssten sie ihren Nutzen noch wissenschaftlich stärker nachweisen können. Die Deutsche Krebsgesellschaft hat eine neue Leitlinie erstellt, die den Gentest bei Krebs in ausgewählten Situationen empfiehlt. Wird der Brustkrebs in einem frühen Stadium erkannt, bei denen sich keine klare Empfehlung für oder gegen eine Chemotherapie nach der Operation geben lasse, kann ein Biomarker Test bei der Entscheidungsfindung helfen. Das sei immerhin bei rund 20.000 Patientinnen jährlich der Fall.

IQWiG Experten warnen vor der Verlässlichkeit des Tests

Auch die Experten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln betonen, dass der Gentest beim Krebs nach derzeitigem Stand der Forschungen keinen klaren Erkenntnisgewinn bringe, ob eine Chemotherapie angewendet werden soll oder nicht. Der Nachbeobachtungszeitraum der Krebserkrankung mit fünf Jahren sei zu kurz, da bei Brustkrebs Rückfälle und Metastasen häufig erst nach zehn bis 15 Jahren auftreten. Erst kürzlich kritisierte ein Autoren-Team des IQWiG die American Society of Clinical Oncology (ASCO). Die ASCO publizierte eine Studie, die zu dem Schluss kam, dass der Biomarker Test MammaPrint bei einer bestimmten Patientenrguppe die Entscheidung über die anzuwendende Therapie erleichtern könne. Die IQWiG-Autoren widersprechen den Ergebnissen in einem Leserbrief. Die Studie liefere zwar wertvolle Erkenntnisse zu den Biomarker-Tests, der Befund der ASCO-Autoren sei jedoch falsch.

Wer bezahlt für die kostspieligen Biomarker Tests?

Laut der Deutschen Krebsgesellschaft sind Krankenkassen nicht verpflichtet, die Kosten für Prognostetests bei Brustkrebs zu tragen. Die Aufnahme eines solchen Tests wäre die Aufgabe des Gemeinsamen Bundesausschusses. Einzelne Krankenkassen würden im Rahmen von Studien jedoch schon jetzt die Kosten übernehmen. Letztendlich muss jede Brustkrebspatientin selbst die Entscheidung treffen, ob sie eine Chemotherapie anwenden oder einem Biomarker-Test vertrauen (und bezahlen) möchte. (fp)