Können psychedelische Drogen bei Depressionen Schäden am Gehirn heilen?

Alexander Stindt

Helfen LSD und Ecstasy bei psychischen Erkrankungen?

Depressionen und Suchtverhalten sind ernst zunehmende Erkrankungen, welche in unser heutigen Gesellschaft immer häufiger auftreten. Forscher fanden jetzt heraus, dass psychedelische Drogen wie beispielsweise LSD und Ecstasy das Wachstum neuer Verzweigungen und Verbindungen zwischen Gehirnzellen stimulieren, was zur effektiven Behandlung von psychische Störungen beitragen könnte.


Die Wissenschaftler der University of California stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass psychedelische Drogen zu einer erfolgreichen Behandlung von psychischen Erkrankungen verwendet werden können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Cell Reports“.

Ecstasy und andere psychedelische Drogen scheinen wirksam bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen zu sein. (Bild: Lionello Rovati/fotolia.com)

DMT scheint bei bei einer posttraumatischen Belastungsstörung zu helfen

Werden psychedelische Drogen in Zukunft die nächste Generation von Behandlungen für psychische Störungen? Kann eine solche neuartige Behandlung effektiver und sicherer als die bisherigen Behandlungen wirken? Diesen Fragen gingen die Experten bei ihrer aktuellen Untersuchung nach. Das Forscherteam hatte bereits bei einer vorherigen Studie herausgefunden, dass eine einzige Dosis DMT Ratten hilft, ihre Angst vor einem Elektroschock zu überwinden, welcher eine posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) nachahmen soll. DMT ist der Hauptwirkstoff von Ayahuasca, einem Gebräu, welches vor allem von Ureinwohnern in Südamerika zu kultischen Zwecken verwendet wird.

Konsum von DMT erhöht die Zahl der Dendriten

Bei ihrer aktuellen Untersuchung stellten die Wissenschaftler fest, das solch eine einzige Dosis die Zahl der verzweigten Dendriten erhöht, die aus Nervenzellen im Gehirn der Ratte sprießen. Solche Dendriten enden an Synapsen, wo ihre elektrischen Impulse an andere Nervenzellen weitergeleitet werden, um die gesamte Gehirnaktivität zu unterstützen. Diese Dendriten können allerdings verkümmern und sich bei Menschen mit psychischen Erkrankungen zurückbilden, sagen die Mediziner.

Bei Depressionen schrumpfen die Neuriten

Eines der Kennzeichen einer Depression ist, dass die Neuriten im präfrontalen Kortex (einer Schlüsselregion des Gehirns, die Emotionen, Stimmungen und Angstzustände reguliert) dazu neigen zu schrumpfen, erläutert Studienautor Dr. David Olson von der University of California. Diese Veränderungen des Gehirns treten auch bei Fällen von Angstzuständen, Sucht und posttraumatischer Belastungsstörung auf, und die Stimulierung der Verbindung könnte helfen dieses Problem zu beheben.

Psychedelische Drogen verstärkten wichtige Verbindungen im Gehirn

Es wurden verschiedene Substanzen untersucht wie beispielsweise DMT, psychedelische Pilze, MDMA und LSD. Bei Tests an menschlichen Gehirnzellen im Labor, bei Fliegen und Ratten stellte sich heraus, dass diese Substanzen die Gehirnverbindungen verstärkten, erläutern die Wissenschaftler.

Was bewirkt Ketamin?

Dr. Olson verglich die Auswirkungen mit Ketamin, einer der wichtigsten neuen Behandlungsmethoden für Depressionen. Dabei fand der Experte heraus, dass viele Psychedelika gleiche oder größere Auswirkungen haben. Die schnellen Auswirkungen von Ketamin auf die Stimmung und Plastizität sind wirklich erstaunlich, erklärt Dr. Olson Die Wissenschaftler wollten bei der aktuellen Studie herausfinden, ob andere Verbindungen in der Lage sind die selbe Wirkung wie Ketamin zu erzielen.

Wird es bald ein Ketamin-Nasenspray geben?

Mediziner haben lange angenommen, dass sogenannte Psychedelika in der Lage sind, die neuronale Struktur zu verändern, aber dies ist die erste Studie, welche diese Hypothese eindeutig unterstützt, sagen die Forscher. Die Entwicklung eines Ketamin-Nasensprays werde zur Zeit beschleunigt, nachdem sich gezeigt hatte, dass Ketamin bei Menschen, denen durch andere Behandlungen nicht geholfen werden kann, schwere Depressionen und Selbstmordgedanken lindert. Jedoch muss die Verwendung gegen das Missbrauchspotenzial und das Risiko, eine Form von medikamenteninduzierter Psychose zu verursachen, abgewogen werden, erklären die Autoren weiter.

Weitere Forschung ist nötig

Ketamin ist nicht länger die einzige Option zur Behandlung von psychischen Störungen, sagt Dr. Olsen. Verschiedene psychedelische Drogen könnten in Zukunft ebenfalls zur Behandlung von Depressionen, Angstzuständen und anderen psychedelischen Erkrankungen verwendet werden. Natürlich sei bis dahin noch viel weitere Forschung nötig. (as)