Können Schmerzmittel auch Auslöser für chronische Schmerzen sein?

Opioidhaltige Schmerzmittel wie Morphin haben bei Ratten bereits nach kurzer Anwendung eine Zunahme der Schmerzen zur Folge. (Bild: Zerbor/fotolia.com)
Fabian Peters
Können opioidhaltige Schmerzmittel chronische Schmerzen verursachen?
Schmerzmittel sollen den Patienten eigentlich Linderung verschaffen, doch können sie mit massiven Nebenwirkungen einhergehen. Bei extremen Schmerzen werden bis heute häufig opioidhaltige Schmerzmittel angewandt, für die eine aktuelle Studie nun allerdings herausgefunden hat, dass sie selbst nach relativ kurzer Einnahme eine Zunahme der chronischen Schmerzen – statt der erhofften Linderung – bewirken.

Die Wissenschaftler der University of Colorado Boulder (USA) haben in ihrer aktuellen Untersuchung den Effekt von opioidhaltigen Schmerzmitteln (beispielsweise Morphin) an Mäusen untersucht. Dabei stellten sie fest, dass die Arzneien offenbar das Gegenteil von dem bewirkten, was eigentlich erreicht werden soll. Lediglich kurzfristig kann ein Rückgang der Schmerzen erzielt werden, langfristig drohen jedoch deutlich verstärkte chronische Schmerzen, berichten die Forscher in einer Pressemitteilung der Universität.

Opioidhaltige Schmerzmittel wie Morphin haben bei Ratten bereits nach kurzer Anwendung eine Zunahme der Schmerzen zur Folge. (Bild: Zerbor/fotolia.com)
Opioidhaltige Schmerzmittel wie Morphin haben bei Ratten bereits nach kurzer Anwendung eine Zunahme der Schmerzen zur Folge. (Bild: Zerbor/fotolia.com)

Schon nach fünf Tagen Anwendung vermehrte Schmerzsignale
Die aktuelle Studie hat die Wirkung der Opioid-Schmerzmittel über einen Zeitraum von drei Monaten an Laborratten untersucht. Bereits nach fünf Tagen der Anwendung sei ein Anstieg der Schmerzsignale aus dem Rückenmark feststellbar gewesen, betont Co-Studienautor Peter Grace von der University of Colorado Boulder. Die Laborratten hätten nach der fünftägigen Morphium-Behandlungen eine Zunahme der chronischen Schmerzen für mehrere Monate aufgewiesen. Auch beim Menschen könne eine vergleichbare Wirkung auftreten, warnen die Wissenschaftler.

Dauer des Schmerzes verdoppelt
Wichtigste Erkenntnis der Studie ist, dass eine kurze Behandlung mit einem Schmerzmittel wie Morphin die Dauer der chronischen Schmerzen deutlich verlängert – zumindest bei Laborratten, erklärt Peter Grace. Die Behandlung mit Morphin habe die Freisetzung von Schmerzsignalen durch spezifischen Immunzellen im Rückenmark der Ratten verstärkt und zu anhaltenden Schmerzen geführt. Die Studie zeige, dass die Morphin-Behandlung nach einer Nervenverletzung die Dauer des Schmerzes verdoppelt. „Zunächst hat das Morphium funktioniert und eine weitreichende Linderung der Schmerzen bewirkt“, berichten die Forscher. Diese Wirkung habe jedoch bereits nach kurzer Zeit nachgelassen und tatsächlich habe das Morphin, statt Schmerz zu lindern, diesen auch induziert.

Immunantwort Ursache verstärkter Schmerzen
Nach Ansicht der Forscher werden opioidhaltige Arzneien von speziellen Immunzellen des Rückenmarks als Fremdstoffe erkannt und entsprechend bekämpft. Daraus folgt eine verstärkte Entzündungsreaktion, die mit entsprechenden Schmerzen verbunden ist. „So paradox es klingen mag, Opioide wie Morphin haben daher einen Anstieg der chronischen Schmerzen zur Folge“, berichtet Peter Grace. Die Forscher hoffen, dass zukünftige Forschung es ermöglichen wird, die Immunantwort auf opioidhaltige Schmerzmittel zu unterbinden und somit deren gewünschte Wirkung auch längerfristig zu erhalten. (fp)

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