Körpergröße beeinflusst das Krebsrisiko

Fabian Peters

Mit der Körpergröße steigt das Krebsrisiko

22.07.2011

Britische Forscher haben einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Krebsrisiko und der Körpergröße festgestellt. Mit der Körpergröße steigt das Risiko einer Krebserkrankung, berichten die Wissenschaftler um Jane Green von der Oxford Universität in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „The Lancet Oncology“.

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Auf Basis der Daten der sogenannten „Million Women Study“, bei der zwischen 1996 und 2001 rund 1,3 Millionen Frauen in Großbritannien regelmäßig medizinisch untersucht und 97.000 Krebserkrankungen diagnostiziert wurden, haben die Forscher der Oxford Universität einen Zusammenhang zwischen dem Krebsrisiko und der Körpergröße der Studienteilnehmerinnen nachgewiesen. Je größer die Frau waren, desto höher lag ihr Risiko einer Krebserkrankung, berichten Jane Green und Kollegen.

Die Körpergröße hat wesentlichen Einfluss auf das Krebsrisiko
Der Zusammenhang zwischen der Körpergröße und dem Risiko einer Krebserkrankung wurde laut Aussage der britischen Forscher bereits früher nachgewiesen, doch blieben wesentliche soziale Einflussgrößen in der Regel unberücksichtigt, so dass stets Zweifel an den Ergebnissen bestanden. In der aktuellen Untersuchung sei es jedoch mit Hilfe der Daten aus der „Million Women Study“ erstmals möglich gewesen, die unterschiedlichen Lebensstile der Frauen und ihren sozioökonomischen Status zu integrieren, erklärten die Forscher. Im Rahmen ihrer Metaanalyse haben sich die früheren Erkenntnisse zu dem Zusammenspiel von Körpergröße und Krebsrisiko bestätigt, berichten Jane Green und Kollegen in dem Fachjournal „The Lancet Oncology“. Die Forscher betonen, dass die „Verbindung zwischen Körpergröße und Krebsrisiko in ganz unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in Asien, Australien, Europa und Nordamerika“ nachgewiesen wurde.

Ursache des Zusammenhangs zwischen Körpergröße und Krebsrisiko unklar
Die Wissenschaftler um Jane Green sind daher der Ansicht, dass dem erhöhten Krebsrisiko der großen Menschen vermutlich ein Mechanismus zu Grunde liegt, der mit der Wachstumsphase des Menschen verbunden sei. Wie genau der Zusammenhang zwischen der Körpergröße und dem offensichtlich erhöhten Krebsrisiko herzustellen ist, konnten die britischen Forscher jedoch nicht erklären. Auch Einflüsse der Genetik, der Ernährung und des Hormonstatus könnten dabei von Bedeutung sein, vermuten die Experten. Darüber hinaus lasse sich das höhere Krebsrisiko möglicherweise auch auf die höhere Anzahl der Körperzellen bei großen Menschen zurückführen. Denn mit der Anzahl der Zellen steige die Wahrscheinlichkeit von Mutationen, welche ihrerseits Ursache von Krebserkrankungen sein können, so die Aussage der Wissenschaftler.

Pro Zehn Zentimeter Körpergröße 16 Prozent erhöhtes Krebsrisiko
Im Rahmen ihre Metastudie haben die britischen Forscher auch berechnet, in welchem Umfang sich das Krebsrisiko bei zunehmender Körpergröße erhöht. Das Ergebnis von Jane Green und Kollegen: Jede zehn Zentimeter, die über 150 Zentimeter Körpergröße hinausgehen, erhöhen das Krebsrisiko um 16 Prozent. So unterliege beispielsweise eine Frauen mit 173 Zentimetern Körpergröße gegenüber den lediglich 1,5 Meter großen Frauen einem um 37 Prozent erhöhten Krebsrisiko, berichten die Forscher. Das Risiko der unterschiedlichen Krebserkrankungen steigt laut Aussage der Wissenschaftler mit der Körpergröße jedoch in äußerst variablem Maße. So haben die Forscher die eindeutigsten Zusammenhänge bei Hautkrebs, Nierenkrebs und Leukämie (Blutkrebs) nachgewiesen. Das Hautkrebsrisiko steige je zehn Zentimeter um 32 Prozent, das Nierenkrebsrisiko um 29 Prozent und das Leukämie-Risiko um 26 Prozent, berichten Green und Kollegen. Außerdem sei bei den häufigsten Krebserkrankungen von Frauen, den Mammakarzinomen (Brustkrebs), das Risiko pro zehn Zentimeter Körpergröße um 17 Prozent gestiegen. Die britischen Wissenschaftler hoffen, dass auf Basis der nun gewonnen Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Körpergröße und Krebsrisiko in Zukunft neue Forschung folgen werden, die dazu beitragen die Entstehung von Krebs zu erklären. Allerdings lassen die aktuellen Ergebnisse keine Rückschlüsse auf mögliche Vorbeugungsmaßnahmen oder Therapien zu, da Menschen an ihrer Körpergröße selbstverständlich nichts ändern können, gestanden die britischen Forscher der Oxford Universität ein. (fp)