Körperhaare schützen vor Bettwanzen

Sebastian

Körperhaare schützen vor Insektenstiche und Bettwanzen

14.12.2011

Eine besonderer Modefaktor findet seit einigen Jahren eine zunehmende Verbreitung: Immer mehr Menschen rasieren ihre komplette Körperbehaarung, angeblich aus „hygienischen Gründen“, obwohl weniger Haare den Menschen nicht „sauberer“ macht. Dabei haben die aus Urzeiten verbliebenen Körperhaare eine wichtige Funktion, um Menschen beispielsweise vor lästigen Parasiten zu schützen. Die Überreste des Körperfells sind keineswegs lästig, sondern tragen zur Berührungsempfindlichkeit unserer Sinne bei, wie Forscher der Universität im britischen Sheffield nachwiesen.

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Suchverhalten von Insekten wird verlängert
Die bei Menschen kaum vorhandene Körperbehaarung ist keineswegs ein nicht notwendiger Überrest aus vergangenen Zeiten. Die übriggebliebenen feinen Härchen erhöhen nämlich die Sinneswahrnehmung unseres Körpers und lassen leichte Berührungen spürbarer machen. Der natürliche Effekt: Befinden sich Bettwanzen oder andere Insekten auf der Haut, so können wir Menschen diese schneller erkennen und beseitigen. Zu diesem Ergebnis gelangte eine Studienarbeit britischer Biologen der „University of Sheffield“. Im Studienverlauf untersuchten die Wissenschaftler, wie schnell Probanden Bettwanzen erkennen können. Dabei zeigte sich, je stärker ein Teilnehmer behaart war, desto schneller bemerkten die Testpersonen die Hautparasiten auf dem Körper. Laut Forscher lasse sich somit auch erklären, warum Männer Insekten auf der Haut früher spüren, als Frauen. Denn Männer verfügen auch heute über wesentlich mehr Körperhaare als vergleichsweise Frauen, wie die Autoren der Studie im Wissenschaftsmagazin "Biology Letters" argumentieren. Die Studienergebnisse zeigten, dass die feinen Härchen „das Suchverhalten von Bettwanzen verlängert und das Erkennen dieser Parasiten erleichtert", sagen Isabelle Dean und Michael T. Siva-Jothy.

Studie mit Frauen und Männern im Vergleich
An der Studie nahmen 29 Männer und Frauen (19 Männer und 10 Frauen) teil. Während des Experiments platzierten die Forscher zuvor ausgehungerte Bettwanzen der Gattung Cimex lectularius auf behaarte und vergleichsweise rasierte Unterarme der Probanden beider Geschlechter. Es zeigte sich, dass die Wanzen signifikant mehr Zeit benötigten, ihre Stechwerkzeuge zum Einsatz zu bringen, wenn die Unterarme behaart waren. Im Gegensatz dazu konnten die Insekten schnell ihre saugenden Mundwerkzeuge einsetzen, wenn die Haut glatt rasiert war. Damit jedoch die Teilnehmer/innen nicht gefährdet waren, wurden die Bettwanzen schnell entfernt, bevor sie zustechen konnten. Da Frauen im Normalfall deutlich weniger Haare am Unterarm besitzen, konnte zwischen rasierter und nicht-rasierter Haut kein wesentlicher Unterschied festgestellt werden. Grundsätzlich dauerte jedoch die Zeit bis zum Insektenstich länger, je dichter und länger die Körperhaare waren.

Im zweiten Teil des Versuchsaufbaus sollten die Teilnehmer darüber Auskunft geben, wann und ob sie ein Krabbeln der Tiere auf der Haut verspüren. Dazu mussten die Probanden ihren Blick von dem Unterarm abwenden. Sowohl Männer als auch Frauen, deren Unterarme unrasiert waren, verspürten die Tierchen schneller, als diejenigen, dessen Arme rasiert waren. Das Forscherteam resümiert, dass die Körperbehaarung einen doppelten Schutzeffekt erfüllt. Zum einen behindern sie die Insekten beim Ansetzen von Stichen und zum anderen sensibilisieren sie die Sinneswahrnehmung, so dass die Tiere schneller wahrgenommen werden, um diese letztendlich abzuwehren.

Evolution machte bei der Körperbehaarung einen Kompromiss
In Urzeiten lebten die Menschen in Stämmen und verweilten länger an einem Ort. Dadurch wurde aber auch die Übertragung von Infektionskrankheiten begünstigt, da Insekten gemeinhin als Überträger von schweren Krankheiten gelten. Im Verlauf der Evolution verloren die Menschen immer mehr ihr Fell. Die weniger vorhandene Körperbehaarung hatte nunmehr den Vorteil, dass die Insekten auf der Haut schneller erkannt werden. Deshalb glauben die Wissenschaftler, dass die heute vorhandenen Haare quasi ein Kompromiss der Menschheitsentwicklung darstellen. Zum einen ist die Funktion der feinen Härchen weiterhin vorhanden, den Insekten den Weg zu erschweren und zum anderen können die Tierchen schneller gesichtet und beseitigt werden, weil die Körperbehaarung deutlich durchsichtiger geworden ist. Warum Männer, unabhängig von hormonellen Einflüssen, deutlich mehr Haare aufweisen als Frauen, könnte auch an der sexuellen Selektion damaliger Zeiten liegen. In Urzeiten haben Frauen Männer mit starkem Haarwuchs bevorzugt, weil diese dadurch besser gegen Insekten gewappnet waren. Ob die neuerlichen Erkenntnisse zu einem Umdenken führen, darf bezweifelt werden. Vielmehr lassen sich die Menschen heutzutage von Modeeinflüssen prägen. Die Studie zeigt aber, dass alles eines natürlichen Sinn und Zweck hat. (sb)