Koloskopie: Wann sollte man zur Darmspiegelung?

Eine Darmspiegelung wird mit modernen Geräten durchgeführt.
Heilpraxisnet
Die meisten Menschen fürchten sich vor den Unannehmlichkeiten einer Darmspiegelung.  Dabei gehört die Untersuchung zu den wichtigsten Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen. Denn bei einer Spiegelung können bereits Risikofaktoren wie Polypen abgetragen werden. Frau Dr. med. Anette Othmer ist Internistin und Gastroenterologin in eigener Praxis aus Hannover hat uns einige Fragen zum Thema beantwortet.

Dr. med. Anette Othmer
Dr. med. Anette Othmer

Frau Dr. Othmer, was genau ist eine Darmspiegelung?
Eine Darmspiegelung ist eine Untersuchung des Dickdarmes und eines kleinen Teils des Dünndarmes mit einem Endoskop, das s.g. Coloskop.

Wie funktioniert ein Coloskop?
Heutige Coloskope haben einen Durchmesser von ca. 1 cm und sind ca. 1, 2 Meter lang. Ein Video-Koloskop enthält an der Spitze einen Videochip, der Bilder aus dem Darm auf einen Monitor überträgt. Im Coloskop befindet sich ein Absaugapparat, um Flüssigkeit abzusaugen sowie ein Arbeitskanal, um Instrumente wie Zangen und Schlingen einzuführen. Hiermit können z.B. Polypen abgetragen und Gewebeproben entnommen werden.

Eine Darmspiegelung wird mit modernen Geräten durchgeführt.
Eine Darmspiegelung wird mit modernen Geräten durchgeführt.

Wozu dient ein Coloskop?
Durch eine Coloskopie lassen sich Erkrankungen im Dickdarm erkennen. Das Coloskop wird in den Enddarm eingeführt und langsam bis zum Ende des Dickdarmes bzw. je nach Fragestellung auch bis zum Dünndarm (term. Ileum) vorgeschoben. Das Zurückziehen des Gerätes erfolgt sehr langsam, um jede Region genau zu inspizieren. Es können Auffälligkeiten wie Aussackungen (Divertikel), Entzündungen, Polypen oder Tumore, Engstellen und Schleimhautblutungen diagnostiziert werden. Ferner können auch gleich Proben entnommen oder Polypen abgetragen werden.

Wann empfiehlt sich eine Darmspiegelung?
Eine Coloskopie ist ratsam:
1) als Vorsorgeuntersuchung ab dem 55. Lebensjahr
2) bei familiärer Disposition für Darmkrebs oder Darmpolypen
3) bei Blut im Stuhl
4) bei unklarem Gewichtsverlust
5) bei anhaltenden Durchfällen und/oder Schleimabsonderungen
6) bei Stuhlunregelmäßigkeiten und Veränderung des Stuhlverhaltens
7) bei Schmerzen im Mittel- und Unterbauch ohne alternative Ursache
8) als Kontrolle /Nachsorge nach einer Darmkrebsbehandlung
9) bei Eisenmangelanämie
10) bei starken Blähungen über einen längeren Zeitraum

Welche Risiken sind mit einer Darmspiegelung verbunden?
Die Coloskopie ist heute eine sichere Routineuntersuchung. Wie bei allen Eingriffen in den Körper kommt es aber bisweilen zu Komplikationen. Beim Abtragen der Polypen oder auch Probeentnahmen können Verletzungen der Darmwand und Blutungen auftreten. Die Blutungen werden in der Regel bereits während der Behandlung gestoppt, durch Clips oder Unterspritzung. Bei Verletzungen der Darmwand muss umgehend eine Operation erfolgen, um die Darmwand zu nähen.

Wie müssen sich Patienten auf eine Darmspiegelung vorbereiten?
Vor einer Untersuchung des Darmes muss der Darm leer sein. Patienten nehmen deshalb am Nachmittag des Vortages und kurz vor der Untersuchung am Untersuchungstag ein Abführmittel ein. Vor der Coloskopie wird vom Arzt Blut abgenommen, um die Gerinnung und das Blutbild zu prüfen. Die Patienten sollten den Arzt informieren, ob sie Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen. Diese müssen ggf. einige Tage vorher abgesetzt werden.

Welche Ergebnisse kann eine Darmspiegelung bringen?
Darmkrebs entsteht meist durch Darmpolypen, also gutartigen Wucherungen. Die Vorsorge-Darmspiegelung ermöglicht, solche Polypen zu erkennen und zu entfernen, damit sie sich nicht zu einem bösartigen Tumor entwickeln. Ferner können Auffälligkeiten des Darmes wie Aussackungen (Divertikel), Entzündungen oder Engstellen entdeckt und Proben entnommen werden, sodass eine adäquate Therapie eingeleitet werden kann.

Neben Darmkrebs können weitere Darmerkrankungen mit Hilfe einer Darmspiegelung diagnostiziert werden. Bild: bilderzwerg - fotolia
Neben Darmkrebs können weitere Darmerkrankungen mit Hilfe einer Darmspiegelung diagnostiziert werden. Bild: bilderzwerg – fotolia

Ist eine Darmspiegelung als Vorsorge sinnvoll?
Je früher Darmkrebs erkannt wird, desto größer sind die Heilungschancen. Deshalb ist eine Vorsorgeuntersuchung wichtig. Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt eine Darmspiegelung als Vorsorge ab dem 55. Lebensjahr. Privatpatienten würde ich jedoch eine Coloskopie bereits mit 50 Jahren empfehlen. Patienten, die eine familiäre Vorbelastung haben (Vater oder Mutter sowie Geschwister sind an Darmkrebs erkrankt oder haben ein Polypenwachstum), sollten unbedingt schon in jüngeren Jahren zur Vorsorge gehen.

Welche Alternative zur Darmspiegelung gibt es?
Aufgrund dessen, dass bei einer Darmspiegelung auch Proben entnommen und Polypen abgetragen werden können, gibt es keine gleichwertige Alternative. Bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie, ein MRT oder auch eine Videokapsel, die geschluckt werden muss und Bilder des gesamten Magen-Darmtraktes aufnimmt, geben z.T. wichtige Informationen, eine Coloskopie ist jedoch bisher nicht zu ersetzen.

Ist eine Darmspiegelung schmerzhaft?
Die Patienten können auf Wunsch das Narkosemittel Propofol zugeführt bekommen. Hierdurch wird eine Kurznarkose eingeleitet und der Patient schläft während der Spiegelung. Es werden keine Schmerzen empfunden. Während der Kurznarkose wird der Patient permanent überwacht, Sauerstoffgehalt des Körpers und Puls dokumentiert.

Welche Behandlung folgen auf bzw. ergänzen eine Darmspiegelung?
In einem ausführlichen Nachgespräch wird das Ergebnis der Untersuchung erläutert. Gewebeproben und Polypen werden in ein Labor geschickt und histologisch untersucht. Das Ergebnis steht ca. 3 Werktage später fest und wird mit dem Patienten besprochen. Ergab die Darmspiegelung keine Auffälligkeiten, sollte eine Kontrolle erst nach zehn Jahren wiederholt werden. Wurden jedoch Polypen abgetragen, muss eine Kontrollspiegelung in kürzeren Zeiträumen durchgeführt werden. Wenn sich die Diagnose eines Dickdarmkrebses stellen sollte, wird das weitere Procedere ausführlich besprochen. Dann folgen weitere Untersuchungen wie z.B. eine Ultraschalluntersuchung des Abdomen, Laborabnahme und ggf. Vorstellung bei einem Onkologen/ Chirurgen. (ua) 

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