Komapatient aus Thailand wieder zu Hause

Sebastian

Nach langen elf Monaten wurde ein deutscher Komapatient aus Thailand in seine bayrische Heimat ausgeflogen. Durch Spendengelder der Stadt Bamberg ist es gelungen, den Patienten aus der thailändischen Klinik auszulösen.

(20.09.2010) Elf Monate musste ein Komapatient in einer Klinik in Thailand verbringen. Es gab bislang keine Hoffnung, den 39-jährigen nach Deutschland zu überführen. Denn allein der Spezialflug, der von Ärzten begleitet wird, verursacht hohe Kosten von rund 25.000 Euro. Auch das Krankenhaus in Thailand verlangte über 50.000 Euro für die medizinische Betreuung und Behandlung. Eine groß angelegte Spendenaktion der Angehörigen sowie der Stadt Bamberg machte es nun möglich, den Patienten nach Deutschland zurück zu holen.

Nach einem noch ungeklärten Unfall am Flughafen der thailändischen Stadt Hat Yai fiel der Mann nach einem Sturz aufgrund eines Schädel-Hirn-Trauma ins Koma. Seit dem wurde der Koma-Patient in einem Krankenhaus vor Ort versorgt. Die Kosten der Behandlung stiegen jeden Tag und Verwandte sahen keine Möglichkeit, den Mann nach Hause zu holen. Denn die Kosten waren inklusive Flug und Behandlung schon bei rund 85.000 Euro angelangt. Durch Medienberichte konnte eine breite Öffentlichkeit hergestellt werden. Viele spendeten und die Stadt Bamberg unterstützte die Spendenaktion.

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Mittlerweile ist der Flug mit dem Koma-Patienten in Nürnberg gelandet. Das bestätigte Volker Lemke von der Internationalen Flug-Ambulanz. Der Patient sei nun in eine spezielle Pflegeeinrichtung in der näheren Umgebung von Nürnberg gebracht worden. Dort wird der Mann weiter ärzlich betreut und gepflegt. Gegenüber der "dpa" sagte Lemke: "Er ist kein hoffnungsloser Fall", denn die Aussichten, dass der Mann wieder zum vollen Bewusstsein gelangt, seien groß. Schon in Thailand konnte eine positive Entwicklung des Patienten beobachtet werden.

Laut zahlreicher Medienberichten war der Mann im Jahre 2008 nach Thailand gereist. Im Oktober 2009 wollte der Betroffene von Hat Yai nach Bangkok fliegen. Allerdings kam er einen Tag zu früh am Flughafen an. Das Personal habe ihm den Zutritt zur Abflughalle verweigert. Von einer Treppe soll der Mann dann versucht haben, in die Abflughalle zu springen. Bei dem Sprung habe er sich laut Medien eine schwere Kopfverletzung zugezogen. Die Klinik in Thailand konnte zunächst keine Angehörigen und Verwandte in Deutschland ausfindig machen. Erst nach einigen Monaten gelang es, eine Großmutter sowie weitere Verwandte des Mannes zu finden. Doch die Kosten konnten die Verwandten nicht begleichen. Zudem verfügte der Patient über keine Auslandskrankenversicherung. Die Stadt Bamberg startete nach den zahlreichen Berichten in den Medien eine Spendenaktion für den 39-Jährigen.

Laut der Deutschen Flugambulanz kostet ein begleiteter Spezialflug mit medizinischer Betreuung rund 70.000 Euro. Doch die Flugambulanz erklärte sich aufgrund der Lage bereit ein günstigeren Preis anzubieten. Da gelang nur, weil das Flugzeug Mitte letzter Woche einen Patienten nach Australien ausfliegen musste. Auf dem Flug zurück legte die Maschine einen Zwischenstopp ein und nahm den Patienten auf. Es wurden dann lediglich die Kosten für den Zwischenstopp berechnet. Durch Spendengelder und den Zusagen von Behörden habe das Geld dann ausgereicht.

Bis zum Schluss war nicht geklärt, ob die Rückreise tatsächlich statt finden könnte. Denn auch das Krankenhaus in Thailand bestand auf seine Kosten. So berichtete eine Begleiterin des Koma-Patienten gegenüber der "dpa": "Die Rückreise war ein Krimi", denn die Klinik in Thailand hatte sich zunächst geweigert, den Patienten zu entlassen. "Es hat ein Missverständnis gegeben, bei der Klinik war kein Geld für die Behandlung eingegangen." so eine Betreuerin gegenüber der Nachrichtenagentur. Durch eine Blitzüberweisung einer Firma sei es dennoch gelungen, den 39-Jährigen mitzunehmen.

Ein Koma ist ein Ausdruck von einer schweren Störung oder Schädigung des Gehirns. Ein Koma ist für den Patienten lebensbedrohend, wenn keine adäquate Behandlung eingesetzt wird. Die weitere gesundheitliche Prognose hängt entscheidend von einer Weiterbehandlung des komatösen Patienten ab. Auch aus diesem Grund war es äußerst wichtig, den Betroffenen nach Deutschland zu verbringen. (sb)

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Bildnachweis: Arno Bachert / pixelio.de