„Komasaufen“ bei Jugendlichen immer beliebter

Astrid Goldmayer

Trotz der Gefahren nimmt „Komasaufen“ unter Jugendlichen weiter zu

0.10.2013

Das sogenannte „Komasaufen“, bei dem Jugendliche teilweise bis zur Bewusstlosigkeit Alkohol trinken, birgt große gesundheitliche Gefahren. Alkoholvergiftungen, Hirnschäden, Koma und sogar der Tod des Betroffenen können die Folge sein. Dennoch reißen die Meldungen über junge Leute in der Notaufnahme mit geradezu absurden Alkoholpegeln nicht ab. AOK-Chef Martin Litsch kommentierte jüngst die Zahlen von jugendlichen „Komasäufern“ in Schleswig-Holstein gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Verbesserung der Lebensbedingungen von Jugendlichen und Suchtprävention gegen „Komasaufen“
In Schleswig-Holstein scheint sich „Komasaufen“ unter Jugendlichen größter Beliebtheit zu erfreuen. Wie die Krankenkasse AOK mitteilt, mussten im vergangenen Jahr 255 Minderjährige wegen Alkoholmissbrauch in Kliniken behandelt werden. Zwar gingen die Alkohol-Exzesse in der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen deutlich zurück, bei den 16- bis 20-Jährigen wurde jedoch ein sprunghafter Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zu 2011 verzeichnet.

Die AOK sprach von alarmierenden Zahlen. AOK-Chef Martin Litsch forderte von den Verantwortlichen, Jugendliche weiterhin ausführlich über die Gefahren des „Komasaufens“ aufzuklären. Demnach sollten vor allem Eltern und Lehrer auf das Thema aufmerksam machen und bei den Minderjährigen Grenzen zu setzen. Litsch betonte, dass Alkoholmissbrauch kein Wettbewerb oder Sport sei. Vielmehr könne er dauerhafte Hirnschädigungen verursachen, vor allem wenn bereits früh zu viel Alkohol konsumiert werde. Die Politik müsse für eine effektivere Suchtprävention sorgen und zudem dringend die Lebensbedingungen von Jungendlichen verbessern.

Eltern von „Komasäufern“ fühlen sich meist hilflos
Jüngst hatte der Fall einer 15-Jährigen aus Witten Schlagzeilen gemacht. Das Mädchen hatte in kurzer Zeit so viel Wodka getrunken, dass es eine schwere Alkoholvergiftung erlitt. Nachdem es über nacht im Krankenhaus bleiben musste, folgten am nächsten Tag Gespräche mit Drogenberatern, die auch die Eltern miteinbezogen.

Eltern fühlten sich oft hilflos, wenn ihre Kinder zu viel Alkohol trinken, berichtete Dirk Bannasch von der Drogenberatung der Diakonie gegenüber der Zeitung „WAZ“. Er rät Eltern dazu, feste Regeln aufzustellen. Ein generelles Alkoholverbot für Jugendlich sei aber meist nicht durchsetzbar. Besser sei es, nach jedem Glas Alkohol zwei Gläser antialkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Wenn das befolgt werde, dauere das Trinken länger und der Durst sinke. (ag)

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Bild: J.Bredehorn / pixelio.de