Kontaktallergie durch Jeansknopf und Düfte

Fabian Peters

Juckender Hautausschlag unter Jeansknopf Hinweis auf eine Kontaktallergie

13.02.2014

Kontaktallergien sind in der Bevölkerung relativ weit verbreitet, doch wird den Betroffenen oftmals der Zusammenhang zwischen den Hautirritationen und dem Kontakt mit bestimmten Substanzen zunächst nicht bewusst. Denn einerseits tritt die allergische Reaktion – anders als beispielsweise bei einer Pollenallergie– zeitlich verzögert ein, und anderseits befinden sich die Allergene oftmals in Kleidungsstücken (beispielsweise in Jeansknöpfe oder Gürtelschnalle) oder anderen auf den ersten Blick unverdächtigen Materialien. Hier sind auch rein natürliche Substanzen beziehungsweise Pflanzeninhaltsstoffe als mögliche Auslöser der Kontaktallergie in Betracht zu ziehen.

Eine Kontaktallergie verläuft grundsätzlich in zwei Phasen: einer Sensibilisierungsphase und einer Phase der akuten allergischen Reaktion. Die Sensibilisierung für bestimmte Allergene erfolgt, wenn diese über längere Zeit direkt mit der Haut in Berührung kommen. Die Substanzen reagieren mit den Proteinen der Haut und sensibilisieren dabei die sogenannten T-Lymphozyten. Findet anschließend ein erneuter Kontakt mit dem Allergen statt, zeigt sich eine überschießenden Immunreaktion, welche als juckender Hautausschlag beziehungsweise als Kontaktekzem mit Rötungen, Schwellungen und der Bildung von Pusteln, Bläschen und Knötchen (Papeln) in Erscheinung tritt.

Kontaktallergie unter dem Jeansknopf
Eine Kontaktallergie bildet sich zum Beispiel vermehrt auf dem Bauch in Höhe des Jeansknopfes, da viele Menschen auf Nickel allergisch reagieren, welches in den meisten Jeansknöpfen enthalten ist. Auch Gürtelschnallen können aufgrund des enthaltenen Nickels ähnliche Beschwerden verursachen. Des Weiteren sind Kontaktallergien vermehrt auf Inhaltsstoffe von Kosmetika, Duschgel und Parfum zurückzuführen. Die Beschwerden lassen in der Regel von alleine wieder nach, sobald der Kontakt mit den Allergenen eingestellt wurde. Allerdings setzt dies voraus, dass die auslösenden Substanzen zunächst identifiziert werden.

Kontaktallergie oft schwer zu erkennen
Die Bestimmung der Allergene bildet eines der Hauptprobleme bei den Kontaktallergien. Während sich die Hautirritationen auf dem Bauch nach dem Tragen der neuen Jeans noch relativ leicht zuordnen lassen, insbesondere wenn bei wiederholtem Tragen der Hose die Beschwerden zunehmen, ist dies in anderen Fällen der Kontaktallergie deutlich schwieriger. Zumal der zeitliche Abstand zwischen der allergischen Hautreaktion und dem Kontakt mit den Allergenen die Zuordnung deutlich erschwert. „Zwischen Stunden und Tagen“ könne die Reaktionszeit liegen, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ den Hautarzt Arno Köllner vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Die Kontaktallergie werde daher als Spättyp-Allergie bezeichnet.

Allergene müssen identifiziert und gemieden werden
Besteht der Verdacht auf eine Kontaktallergie, sollte laut Aussage von Köllner dringend ein Hautarzt aufgesucht werden, der anschließend mittels eines Epikutantests versucht die auslösenden Allergene zu identifizieren. Die Substanzen werden dabei auf die Haut aufgetragen, mit Pflastern fixiert und für ein bis zwei Tage dort belassen. Danach überprüft der Arzt, ob sich unter den jeweiligen Proben Veränderungen des Hautbildes zeigen. „Bei einer Allergie ist die Testreaktion schon ein kleines Kontaktekzem“, erläuterte Köllner. Stellt der Dermatologe eine Allergie fest, erhalten die Patienten einen sogenannten Allergiepass, in dem die Allergene eingetragen werden. In dem Pass können die Patienten auch erkennen, wo die entsprechenden Substanzen am häufigsten vorkommen. Nach Identifizierung der Allergene sollten die Betroffenen umgehend den Kontakt mit den Substanzen meiden, da sich ansonsten ein ausgesprochen schmerzhaftes chronisches Kontaktekzem entwickeln könne, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“ unter Berufung auf Thomas Fuchs von der Universitätsmedizin Göttingen und dem Ärzteverband deutscher Allergologen (AeDA). Bei dieser chronischen Form verdicke sich Haut dauerhaft, werde rissig und jucke unerträglich.

Bei Verdacht auf eine Kontaktallergie zeitnah zum Dermatologen
Elsbeth Oestmann vom Allergie-Centrum der Charité in Berlin und der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF), erläutertet in der Pressemitteilung der „dpa“, dass Betroffene bereits bei den ersten Symptomen einer akuten Kontaktallergie zum Dermatologen gehen sollten, um Komplikationen zu vermeiden und ein schnelles Abheilen der Haut zu ermöglichen. Hier würden meist kortisonhaltige Cremes, verordnet, die jedoch in der Regel nur kurzfristig angewandt werden sollten. Zwar gebe es „heute eine Vielzahl von Präparaten, die nicht mehr die Auswirkungen haben, wie man früher befürchtet hat – etwa, dass die Haut dünner wird“, doch sei es trotzdem wichtig, sich bei der Anwendung exakt an die Vorgaben des Arztes zu halten, erläuterte Oestmann. Durch das Meiden der Allergene bilden sich die Beschwerden bei den meisten Menschen jedoch auch ohne Kortison zurück. Eine Behandlung, die das Auftreten entsprechender allergischer Reaktionen künftig vollständig verhindert, ist bei den Kontaktallergien indes nicht möglich, während beispielsweise bei der Pollenallergie die sogenannte Hyposensibilisierung durchaus zur Überwindung der Allergie dient. Wird der Kontakt mit den auslösenden Substanzen konsequent gemieden, kann dies allerdings dazu führen, dass die überschießende Reaktion des Immunsystems über die Jahre schwindet und irgendwann überhaupt nicht mehr in Erscheinung tritt.

Auch Naturkosmetik kann Kontaktallergien auslösen
In Bezug auf die Kontaktallergien durch Kosmetika erläutertet Thomas Fuchs von der Universitätsmedizin Göttingen in der Mitteilung der „dpa“, dass diese auch durch Naturkosmetik ausgelöst werden können, da letztere ebenfalls oft Kontaktallergene, beispielsweise in Form natürlicher ätherischer Öle, enthalte. Als Beispiele der natürlichen Allergene nannte der Experte Propolis (Bienenharz), Arnika, Melkfett und Stutenmilch. Es gebe auch „Kontaktallergien auf Teebaumöl oder Kamillenblütenextrakt“, ergänzte Oestmann. Generell sollten sich Patienten mit bekannter Kontaktallergie die Inhaltsstoffliste auf den Verpackungen genau ansehen, wobei die sogenannten INCI-Liste als Verzeichnis der Bestandteile von Kosmetika auch für Endverbraucher eine verständliche Übersetzung der benannten Inhaltsstoffe auf den Verpackungen liefert. (fp)

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