Kopfnick-Krankheit gibt Rätzel auf

Fabian Peters

Tausende Kinder in Uganda leiden an mysteriöser Kopfnick-Krankheit

05.01.2012

Tausende Kinder im ostafrikanischen Uganda leiden unter einer merkwürdigen Erkrankung, die sich durch heftiges Kopfnicken, zitternde Hände und schlimmstenfalls einen Bewusstseinsverlust bemerkbar macht.

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Die Ärzte in dem ostafrikanischen Land stehen angesichts der Ausbreitung der mysteriösen Kopfnick-Krankheit vor einem Rätsel, berichtet die Nachrichtenagentur „dpa“. Bisher seien weder die Ursachen der Erkrankung noch die Übertragungswege bekannt. Fest stehe lediglich, dass in Uganda bereits rund 3.000 Kinder unter der merkwürdigen Erkrankung leiden, erklärte das staatliche Gesundheitsministerium Ugandas.

Zittrige Hände, heftiges Kopfnicken und Ohnmacht als Symptome der mysteriösen Erkrankung
Die betroffenen Kinder hab zittrige Hände, nicken ständig heftig mit dem Kopf und fallen teilweise sogar in Ohnmacht, berichten die Behörden. In erster Linie seien Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 15 Jahren aus de Norden Ugandas betroffen. Hier seien in den vergangenen zwei Jahren bereits 60 Menschen an der mysteriösen Erkrankung verstorben, so die Darstellung der Nachrichtenagentur „dpa“ unter Berufung auf Angaben des „Daily Monitor“. Den Ärzten und Regierungsbeamten sei es bisher trotz intensiver Nachforschungen nicht gelungen, die Ursache der Erkrankung zu ermitteln. Auch der Ansteckungsweg ist bislang nicht identifiziert. Wie die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Rukia Nakamatte, erklärte, werden nun weitergehende Untersuchungen eingeleitet, deren Ergebnisse Aufklärung über die mysteriöse Kopfnick-Krankheit bringen sollen.

Giftige Substanzen als Ursache der Kopfnick-Krankheit?
Den Angaben der Behörden und Ärzte vor Ort zufolge, ist nicht ausgeschlossen, dass die Erkrankung der Kinder auf giftige Substanzen zurückzuführen ist, die von den Rebellen der „Widerstandsarmee des Herren“ (Lord’s Resistance Army, LRA) im Kampf gegen die Regierung in Kampala eingesetzt wurden. Die Rebellengruppe der LRA zählt nach Einschätzung internationaler Experten zu den brutalsten derartigen Gruppierungen weltweit und ist erstmals Ende der 80er-Jahre im Norden Ugandas in Erscheinung getreten. Derzeit sind die LRA-Rebellen überwiegend in Zentralafrika und im nordöstlichen Kongo aktiv. In Uganda hat die äußerst brutale Rebellengruppe seit 1987 in ihrem blutigen Kampf gegen Ugandas Präsidenten Yoweri Museveni bereits zehntausende Menschen gefoltert, verstümmelt oder getötet. Zudem wurden tausende Frauen im Namen des Widerstands und dem Kampf um einen christlichen Gottesstaat vergewaltigt.

Außerdem hat die LRA zehntausende Kinder gefangen genommen und diese zur Beteiligung an den Kämpfen gezwungen. Als Kindersoldaten mussten die meist noch Minderjährigen furchtbare Taten begehen. Der untergetauchte Anführer der LRA, Joseph Kony, wird auch aus diesem Grund vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht – war bisher jedoch nicht zu fassen. Nach Einschätzung der internationalen Beobachter hat sich die LRA seit dem Waffenstillstand mit der Regierung Ugandas im Jahr 2006 zunehmend zu einer losen Truppe von Söldnern und Banditen entwickelt.

Auch im Sudan leiden tausende Kinder unter dem Kopfnicksyndrom
Ob die kriegerischen Handlungen der LRA tatsächlich im Zusammenhang mit der Kopfnick-Krankheit stehen, bleibt bislang jedoch offen. Bereits Anfang Dezember 2011 hatten die Gesundheitsbehörden aus Sudan über die mysteriöse Erkrankung bei tausenden Kindern im Südsudan berichtet. Damals erklärten die Behörden, dass das Kopfnicksyndrom der Kinder häufig beim Anblick von Essen ausgelöst werde und ein Virus oder Bakterien als Ursache der Erkrankung ausgeschlossen werden können. Der Sudan hatte zur Aufklärung die Weltgesundheitsorganisation um Hilfe gebeten, doch konnten auch die internationalen Experten bisher keine Erklärung für die rätselhafte Kopfnick-Krankheit liefern. (fp)