Kopfschmerzen erfordern frühzeitige Therapie

Fabian Peters

Frühe Behandlung reduziert das Risiko chronischer Kopfschmerzen

24.06.2011

Anlässlich des seit Donnerstag laufenden Welt-Kopfschmerzkongresses in Berlin haben 1.200 Experten über die Ursachen und neue Methoden zur Behandlung von Kopfschmerzen informiert. Die wachsende Verbreitung von verschiedenen Formen des Kopfschmerzes war dabei einer der Hauptthemenschwerpunkte. Außerdem mahnten die Mediziner zur frühzeitigen Behandlung, da ansonsten das Risiko chronischer Kopfschmerzen massiv steige.

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Etwa 80 Prozent der Bevölkerung leiden regelmäßig unter Kopfschmerzen, wobei immer häufiger bereits Kinder und Jugendliche betroffen sind, so die Aussage der Fachleute wie Professor Andreas Straube vom Uniklinikum München im Rahmen des Weltkopfschmerzkongresses. In den vergangenen 40 Jahren habe sich die Anzahl junger Kopfschmerz-Patienten ungefähr vervierfacht, 80 Prozent der Schüler leiden heute an wiederkehrenden Kopfschmerzen, berichten die Fachleute. Um den Übergang zu einem chronischen Kopfschmerzleiden zu vermeiden, sollte laut Aussage der Experten möglichst umgehend nach dem Auftreten der Kopfschmerzen mit einer Behandlung begonnen werden. Das Problem: Kopfschmerzen können durch unterschiedlichste Ursachen bedingt werden, was die Suche nach den Gründen für das Auftreten der Schmerzen und die Auswahl einer entsprechenden Behandlungsmethode erheblich erschwert.

Zahlreiche Kinder und Jugendliche leiden unter Kopfschmerzen
Da Kopfschmerzen auch unter den Heranwachsenden ein weit verbreitetes Leiden sind, sollte laut Aussage von Professor Andreas Straube auf dem Weltkopfschmerzkongress „die Prävention von Kopfschmerzen schon in der Schule beginnen“. Denn eine norwegische Studie habe eindeutig belegt, dass bereits mit Hilfe relativ einfach und kurz gehaltener Aufklärungsprogramme in der Schule das Risiko für verschiedenen Formen chronischer Kopfschmerz deutlich reduziert werden könne, betonte Prof. Straube. Der Experte plant derzeit eine eigene Studie in Münchener Gymnasien, um die Auswirkungen von Aufklärungsprogrammen zu belegen. Im Rahmen dieser Programme werden die Schüler unter anderem über die Zusammenhänge zwischen Ernährung, körperlicher Bewegung und dem Lebensrhythmus mit dem Auftreten der Kopfschmerzen informiert. Außerdem stehen die Auswirkungen von psychischem Stress und mögliche Stressvermeidungsstrategien im Vordergrund der Aufklärungsprogramme, erklärte Straube. Dabei verwies der Experte auch darauf, dass Musikhören über den MP3-Player ebenfalls als Stress gewertet wird und „wer mehr als eine Stunde MP3-Player hört, ein höheres Kopfschmerzrisiko“ hat. Zudem sei bekannt, dass körperliche Aktivität und Sport sowie eine gesunde Ernährung das Kopfschmerz-Risiko deutlich reduzieren können.

Schmerzwahrnehmung bei Kopfschmerz-Patienten generell verändert
Neben den generellen Mahnungen zur frühzeitigen Behandlung und besseren Vorbeugung von Kopfschmerzen, stellten die Experten auf dem Weltkopfschmerzkongress auch die Ergebnisse neuerer Studien vor, die eine insgesamt veränderte Schmerzwahrnehmung der Patienten mit chronischen Kopfschmerzen belegen. Professor Hans-Christoph Diener von der Universitätsklinik Essen zufolge sind die zentralen Verarbeitungssysteme bei den Kopfschmerz-Patienten „dysreguliert“, wodurch eine Hypersensibilisierung bzw. Übererregbarkeit bedingt werde. Diese äußere sich zum Beispiel in einer besonderen Empfindlichkeit der Haut, die bereits leichte Berührungen als Schmerz wahrnehme, berichtete Prof. Hans-Christoph Diener. Außerdem informierten die Experten über die besonders gravierenden Kopfschmerz-Formen wie zum Beispiel Migräne, unter der rund zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden, oder Cluster-Kopfschmerzen, die als wiederkehrende massive Schmerzschübe von zwanzig bis 180 Minuten die Betroffenen oft an den Rand der Bewusstlosigkeit treiben. Prof. Hans-Christoph Diener verwies auch auf die neuen Behandlungsmethoden, die bei Migräne und Cluster-Kopfschmerzen derzeit erprobt werden. So konnten zum Beispiel mit Hilfe von Botox-Spritzen deutliche Erfolge bei der Migräne-Behandlung erreicht werden und für Cluster-Kopfschmerz-Patienten werde derzeit ein Stimulator getestet, der im Oberkiefer des Patienten implantiert durch die Stimulation der Nervenbündel zu einer Vermeidung der Cluster-Kopfschmerzen beitragen soll.

Behandlung von Kopfschmerzen in der Naturheilkunde
In der Naturheilkunde werden zur Behandlung der Kopfschmerzen verschiedene Methoden eingesetzt, wobei im Rahmen der Amnese vor allen eine intensiven Suche nach den Kopfschmerzursachen im Vordergrund steht, um anschließend mit geeignete therapeutische Maßnahmen einleiten zu können. Die pochenden, hämmernden, pulsierenden häufig von Übelkeit, Ohrensausen, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit begleiteten Symptome einer Migräne lassen sich zum Beispiel mit Hilfe der Traditionellen Chinesichen Medizin (TCM) relativ effizient behandeln, so das Ergebnis einer bereits im April veröffentlichten Studie der TCM-Klinik am Steigerwald. Über 70 Prozent der Migräne-Patienten beschrieben nach dem Verlassen der Klinik eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden, berichtete der Leiter der TCM-Klinik am Steigerwal, Dr. Christian Schmincke, bei Vorstellung der Studie. „Da Kopfschmerzen vielfältige Ursachen haben, steht eine umfassende Diagnostik im Fokus der chinesischen Medizin“, so Dr. Christian Schmincke weiter. Die TCM sieht einen „ursächlichen Zusammenhang“ zwischen dem Bauch und Kopfschmerzen, weil „täglich Millionen von Informationen über ein großes Nervenbündel vom Bauch zum Kopf“ gelangen erklärte Dr. Schmincke und unterstrich damit die Bedeutung der Ernährung bei der Behandlung von Kopfschmerzen.

Darüber hinaus spielen in der Traditionellen Chinesischen Medizin Akupunktur und Moxibustion eine wesentliche Rolle. Außerdem werden zur Unterstützung der Kopfschmerz-Behandlung häufig Bewegungsübungen des Qi Gong und spannungslösende Tuina-Massagen eingesetzt, erläuterte der Leiter der TCM-Klinik. Von der Schmerzmittel-Einnahme zur Behandlung der Kopfschmerzen riet Dr. Schmincke hingegen eindringlich ab: „Um eine Krankheit zu heilen, nützt es nichts, wenn Symptome unterdrückt werden.“ Die behandelnden Therapeuten sollten vielmehr die Symptome nutzen, um den Ursachen der Krankheit auf den Grund zu gehen, denn das Ziel müsse „Beschwerdefreiheit ohne Medikamente“ sein, erklärte der Fachmann. (fp)