Koronare Herzkrankheit eine versteckte Gefahr

Fabian Peters

Koronare Herzkrankheit Schwerpunkt der Herzwochen

01.11.2012

Etwa 5,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden laut Angaben der Deutschen Herzstiftung an der koronaren Herzkrankheit. Damit ist die koronare Herzkrankheit die häufigste Herzerkrankung deutschlandweit. Die Erkrankung beschreibt eine Verengung der Herzkranzgefäße, welche die Durchblutung des Herzens behindert und schlimmstenfalls zu Herzinfarkt und Herzschwäche führen kann, berichtet die „Deutsche Herzstiftung“.

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Bemerkbar macht sich die koronare Herzkrankheit zum Beispiel durch ein Druck- und Engegefühl im Brustkorbbereich oder Stechen in der Brust, wahrgenommen als Herzschmerzen. Die Beschwerden zeigen sich meist unter erhöhter körperlicher oder seelischer Belastung. Auch kämpfen die Patienten bereits bei geringen körperlichen Anstrengungen wie schnellem Gehen, Treppensteigen, Einkaufstaschen oder Getränkekisten tragen mit Atemnot. „Viele Betroffene schieben diese Beschwerden auf das Alter oder auf die Bronchien und gehen deshalb nicht zum Arzt“, berichtet die Deutsche Herzstiftung. Laut Aussage des Herzspezialisten Professor Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung, müssen jedoch „solche Beschwerden und ihre Ursachen unbedingt frühzeitig durch den Arzt abgeklärt werden, um ein Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit und eine lebensbedrohliche Situation wie den Herzinfarkt zu verhindern.“

Betroffene verdrängen ihre Beschwerden
Die Koronare Herzkrankheit bildet den Themenschwerpunkt der heute angelaufenen Herzwochen der Deutschen Herzstiftung. Den Angaben der Experten zufolge werden jährlich deutschlandweit rund 665.000 Patienten aufgrund der koronaren Herzkrankheit ins Krankenhaus eingeliefert, mehr als 59.000 Patienten sterben an einem Herzinfarkt. Dennoch „wissen viele Menschen nichts über diese Erkrankung“ und selbst „Betroffene verdrängen oftmals die Beschwerden oder sie nehmen die koronare Herzkrankheit erst dann ernst, wenn sie zu einem Herzinfarkt und zur Herzschwäche geführt hat“, erläuterte Prof. Meinertz. In Deutschland erleiden laut Angaben der Deutschen Herzstiftung rund „die Hälfte der Männer und 32 Prozent der Frauen“ im Laufe ihres Lebens eine koronare Herzkrankheit. „Das muss nicht sein, denn die Erkrankung und ihre Symptome lassen sich frühzeitig erkennen und durch einen gesunden Lebensstil, durch Ausschaltung der Risikofaktoren, durch Medikamente, auch durch Kathetereingriff und Bypassoperation wirksam behandeln“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung.

Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit
Als Hauptursachen der koronaren Herzkrankheit gelten laut Angaben der Deutschen Herzstiftung „unser heutiger Lebensstil: falsche Ernährung (zu viele Kalorien, zu viel Fett und zu viel Zucker), Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und Stress.“ Diese führen zu den „Risikofaktoren Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung (hohes Cholesterin) und Diabetes.“ Durch einen gesunden Lebensstil ließe sich die Häufigkeit der koronaren Herzkrankheit nach Einschätzung der Experten um 80 bis 90 Prozent senken. „Besonders tückisch an der koronaren Herzkrankheit ist, dass sie ein gefährliches, ein harmloses und ein weniger harmloses Gesicht hat“, erläuterte der Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum München, Prof. Dr. med. Heribert Schunkert. So stelle die Erkrankung zwar generell die Grundlage für einen Herzinfarkt dar, doch „können die Veränderungen an den Herzkranzgefäßen, die man zum Beispiel bei einer Herzkatheteruntersuchung findet, auch Jahrzehnte vor sich hinschlummern, ohne dass der Patient etwas davon merkt und ohne, dass irgendetwas Schlimmes passiert“, so Schunkert, der auch Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung ist, weiter.

Risikofaktor rechtzeitig erkennen und behandeln
Bemerkbar macht sich die koronare Herzkrankheit oft erst im fortgeschrittenen Stadium, wobei die typischen Brustschmerzen (auch bezeichnet als Angina Pectoris) bis in die Schulter, in den Kiefer hinein und in den Oberbauch ausstrahlen können. Meist gehen die Beschwerden schnell zurück, sobald die körperliche Belastung eingestellt wird beziehungsweise der seelische Druck nachlässt. Betroffene Patienten neigen dazu, körperliche Anstrengungen zu vermeiden, wodurch das Fortschreiten der Erkrankung begünstigt wird und ein sich selbst verstärkender Kreislauf einsetzt. Laut Aussage von Prof. Schunkert hängt daher viel davon ab, dass die Risikofaktoren der koronaren Herzkrankheit rechtzeitig entdeckt und behandelt werden, „bevor sie Gefäße und damit den gesamten Körper ruinieren.“ Eine Angina Pectoris entwickelt sich den Experten zufolge über viele Jahre hinweg und lässt sich bei frühzeitig eingeleiteter Behandlung der koronaren Herzkrankheit durchaus vermeiden. Werden keine Gegenmaßnahmen eingeleitet, droht jedoch langfristig ein Herzinfarkt.

Lebensstil als Hauptursache der koronaren Herzkrankheit
Zwar haben auch Faktoren wie das Alter, das Geschlecht, die Erbanlagen und die Umweltbedingungen einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer koronaren Herzkrankheit, doch die Hauptursache bleibt der Lebenswandel, betonte Dr. Stephan Gielen vom Universitätsklinikum Halle. Um das Erkrankungsrisiko zu minimieren sollte laut Aussage der Experten auf eine gesunde Ernährung mit möglichst wenig Fleisch, viel Gemüse, Salat, Obst und Fisch geachtet werden. Die sogenannte Mittelmeerküche wird hier von den Herzspezialisten besonders empfohlen. Diese senke das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich und eigne sich sehr gut zum Abnehmen. Darüber hinaus rät Prof. Meinertz zu vermehrten Ausdaueraktivitäten. „Flottes Gehen, Radfahren, Walken, Joggen und Schwimmen wirken sich günstig auf die Herzgesundheit aus. Zu empfehlen ist ein Training von mindestens 30 Minuten, vier bis fünf Mal in der Woche“, erläuterte der Herzspezialist. Diese „regelmäßigen Ausdaueraktivitäten lohnen sich grundsätzlich, weil sie die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden erhöhen, den Stressabbau, das Loskommen vom Rauchen und das Abnehmen befördern“, so die Mitteilung der Deutschen Herzstiftung.

Patienten können das Risiko der koronaren Herzkrankheit selbst minimieren
Zwar lässt sich das Fortschreiten der koronaren Herzkrankheit meist durch eine Umstellung des Lebensstils bremsen, doch unter Umständen werden darüber hinaus die Verabreichung von Medikamenten und Operationen erforderlich. Zum Beispiel wird bereits vorhandener Bluthochdruck oder hoher Blutzucker oftmals mit Medikamenten behandelt, um weitere Schädigungen der Blutgefäße zu vermeiden. Außerdem stehen laut Aussage der Experten „die Kathetertechnik mit Stentbehandlung und die Bypassoperation zur Verfügung“, wenn das Herz bereits in seiner Funktion beeinträchtigt ist. Insgesamt gelte, dass viele Patienten mit koronarer Herzkrankheit, „die rechtzeitig und richtig behandelt werden – wenn sie sich auf einen gesunden Lebensstil einstellen und die Risikofaktoren konsequent behandeln – ein fast so gutes und langes Leben führen können wie gesunde Menschen“, erläuterte Prof. Meinertz und ergänzte: „Patienten haben es zum großen Teil selbst in der Hand, nicht nur länger zu leben, sondern länger gut zu leben.“ (fp)