Fluorid in Zahnpasta: Macht das krank?

Astrid Goldmayer

Fluorid wirkt nur bei starker Überdosierung gesundheitsschädigend

10.02.2014

„Fluorid könnte krank machen“ – Immer wieder geistern Hiobsbotschaften wie diese durch die Medien. Verunsicherte Verbraucher fragen sich, ob selbst das Fluorid in der Zahnpasta gesundheitsschädlich ist. Nach derzeitigem Kenntnisstand hat aber niemand etwas zu befürchten, solange das Spurenelement nicht über einen langen Zeitraum deutlich überdosiert eingenommen wird.

Positive Wirkung von Fluorid belegt
Fluorid ist in fast jeder Zahnpasta enthalten, da es vor Karies schützen und die Zähne weiß halten soll. Neben diesen positiven Eigenschaften wird Fluorid aber auch viel Negatives nachgesagt. Es sei gesundheitsschädigend und vergifte den Körper, heißt es in diesen Tagen häufig in sozialen Netzwerken und Newsrooms. Dahinter verbirgt sich jedoch eine Angst, die meist unbegründet ist.

Der Einsatz von Fluorid geht auf Beobachtungen zurück, die noch vor den 1970er Jahren gemacht wurden. Damals war das Trinkwasser praktisch die einzige Quelle für Fluorid. Wie sich zeigte hatten Menschen, die in Gegenden lebten, in denen Fluorid natürlicherweise im Trinkwasser enthalten war, seltener Karies als andere Menschen. Zudem hatten sie weiße Flecken auf den Zähnen. Einige Länder wie die USA, Australien und Großbritannien reicherten deshalb ihr Trinkwasser künstlich mit dem Spurenelement an. In Deutschland setzte sich die Zwangsmedikation aber nicht durch. Stattdessen setzte man bestimmten Produkten wie Tabletten, Zahnpasta oder Salz Fluorid zu.

Mittlerweile belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien die positive Wirkung des Spurenelements. „Wer seine Zähne heute mit einer guten, fluoridhaltigen Zahnpasta putzt, kann allein durch das Fluorid rund 40 Prozent der Kariesfälle verhindern", erläutert Stefan Zimmer, Leiter des Lehrstuhls für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten Herdecke, gegenüber dem Magazin „Spiegel Online“. „Dabei wirkt das Fluorid noch deutlich stärker als das Zähneputzen an sich." Fluorid schützt den Zahnschmelz, indem es sich in sein Gitter einlagert und den Einbau von Mineralien begünstigt. Es schützt vor schädlichen Säuren, so dass diese gar nicht erst zum Zahnschmelz vordringen. „Der Nutzen ist auf höchstem wissenschaftlichen Niveau untersucht", betont Zimmer. Auch die Stiftung Warentest ist von dem positiven Effekt von Fluorid überzeugt, so dass Zahncremes ohne das Spurenelement in ihren Tests durchfallen.

Täglich aufgenommene Menge von Fluorid kontrollieren
Trotz der positiven Wirkung von Fluorid auf den Zahnschmelz sollte die tägliche Fluoridzufuhr kontrolliert werden. Das Beispiel einer Britin zeigt, dass die Dosis entscheidend ist. Die 47-Jährige Frau hatte 17 Jahre lang täglich mehrere Kannen ihres Lieblingsgetränks, schwarzer Tee, getrunken. Bei der Zubereitung verwendete sie 100 bis 150 Teebeutel pro Kanne, damit der Tee sehr stark wurde. Schließlich musste die Britin jedoch ins Krankenhaus, da ihre Zähne zerfressen und ihre Knochen angegriffen waren. Wie sich herausstellte, war das Fluorid, das in schwarzem Tee enthalten ist, aufgrund des exzessiven Konsum Ursache der Beschwerden.

Dieser Fall ist sicherlich extrem und wird in dieser Ausprägung zu den Ausnahmen gehören, nichtsdestotrotz verdeutlicht das Beispiel, dass das Spurenelement tatsächlich gesundheitsschädigend sein kann, wenn es stark überdosiert konmsumiert wird. Die Europäische Lebensmittelbehörde (Efsa) rät dazu, täglich 0,05 Milligramm Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen. Die Empfehlung gilt unabhängig vom Alter. „Exakte Zufuhrdaten für Fluorid in Deutschland liegen nicht vor, es ist jedoch davon auszugehen, dass diese Menge normalerweise nicht erreicht wird", teilt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf Anfrage des Magazins mit. „Insofern besteht bezüglich der Gesamtzufuhr an Fluorid kein Grund zur Sorge".

Weiße Flecken auf den Zähnen durch Fluorid sind ungefährlich
Wenn es dennoch bei Kindern zur Überdosierung von Fluorid kommt, zeigt sich das an sogenannten Fluorosen. Das sind weiße Stellen oder Streifen auf den Zähnen, die entstehen, weil das Spurenelement bei der Bildung der Zähne auch über die Blutbahn in den Zahnschmelz eingebaut wird. Kinder bis sechs Jahre sollten deshalb eine fluoridreduzierte Zahncreme verwenden, raten Experten. Aber selbst Fluorosen sind kein Grund zur Besorgnis sondern lediglich ein kosmetisches Problem. Zu einem ernsthaften Schaden an Zähnen und Knochen kommt es erst, wenn dem Körper über mindestens zehn Jahre hinweg 10 bis 25 Milligramm des Spurenelements täglich zugeführt werden, schreibt das Magazin. Solche Mengen können mit Zahnpasta normalerweise gar nicht erreicht werden. In Deutschland liegt der Anteil von Fluorid in Zahncremes bei maximal 0,15 Prozent für Erwachsene und bei Kinderzahnpasta bei höchstens 0,05 Prozent. „Bei sachgerechter Anwendung (also Putzen der Zähne und anschließendes Ausspucken, nicht Verspeisen des Inhalts von Zahnpastatuben in großen Mengen) ist eine Vergiftung mit Zahnpasta aufgrund der geringen Fluoridmenge nicht möglich", teilt auch das BfR mit. (ag)

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