Kranke „Bunker-Kinder“ nach Hannover in die MHH verlegt

Die Kinder einer Familie, die auf einem ehemaligen Militärgelände lebt, wurden mit grippeähnlichen Beschwerden in die Medizinische Hochschule Hannover überführt. (Bild: sudok1/fotolia.com)
Nina Reese
Grippe-Symptome auch bei den Geschwistern des verstorbenen Mädchens
Ein achtjähriges Mädchen ist in der Nacht zu Ostermontag nach einer Virusgrippe verstorben. Da die Familie in einem umgebauten Bunker auf einem alten Militärgelände lebt, konnte eine Vergiftung durch militärische Altlasten zunächst nicht ausgeschlossen werden. Nun sind auch bei den Geschwistern des Mädchens grippeähnliche Symptome aufgetaucht, zwei von ihnen befinden sich laut einem Bericht der „Bild-Zeitung“ offenbar in einem kritischen Zustand. Derzeit kämpfen Ärzte in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um das Leben der Kinder.

Familie lebt auf ehemaligem Militärgelände
Im Uni-Klinikum Essen ist in der Nacht zum Ostermontag ein achtjähriges Mädchen gestorben. Fünf Tage zuvor war das Kind nach Angaben des Nachrichtensenders „n-tv“ mit starken Grippe-Symptomen zunächst ins Krankenhaus nach Geldern gebracht und Ostersonntag nach Essen verlegt worden. Die Todesursache blieb zunächst unklar. Da die Familie in einem umgebauten Munitionsbunker auf einem ehemaligen Militärgelände („Traberpark Den Heyberg“) lebt, konnte nicht ausgeschlossen werden, dass das Kind durch giftige Stoffe gestorben ist. Denn bis 1974 hatten die britischen Streitkräfte auf dem Gelände Munition deponiert, später wurde es von der Bundeswehr genutzt. Ab 2010 wurden einige der Bunker zu Ferien- und Wohnhäusern umgebaut, zudem sind Restaurants und Spielplätze vorhanden. Die Behörden ließen den Wohnort in Kevelaer umgehend untersuchen, doch die Proben ergaben keinen Hinweis auf eine derartige Belastung.

Die Kinder einer Familie, die auf einem ehemaligen Militärgelände lebt, wurden mit grippeähnlichen Beschwerden in die Medizinische Hochschule Hannover überführt. (Bild: sudok1/fotolia.com)
Die Kinder einer Familie, die auf einem ehemaligen Militärgelände lebt, wurden mit grippeähnlichen Beschwerden in die Medizinische Hochschule Hannover überführt. (Bild: sudok1/fotolia.com)

Seltene Krankheit zerstört die Muskelfasern
Die Obduktion des Mädchens ergab schließlich die so genannte „Rhabdomyolyse“ als Todesursache. Bei dieser handelt es sich um eine seltene Erkrankung, bei der sich die quergestreifte Muskulatur (Herz- und Skelettmuskulatur) im Körper auflöst. Dadurch wird eine große Menge des Muskelproteins Myoglobin freigesetzt, welches über die Blutbahnen bis zu den Nieren gelangen und dort starke Schädigungen hervor rufen kann. Ursache einer Rhabdomyolyse können z.B. eine Verletzung der Muskulatur, Autoimmunerkrankungen oder Muskelentzündungen sein. Ebenso kommen z.B. verschiedene Stoffwechselstörungen, Virusinfektionen und bestimmte Medikamente als Auslöser in Betracht. Dass bei dem verstorbenen Mädchen den Annahmen zufolge eine normalerweise relative harmlose Grippe („Influenza B“) die Erkrankung ausgelöst hat, sei vermutlich auf eine genetische Veranlagung zurück zu führen, so die „Bild“ weiter.

Zwei Geschwister befinden sich in kritischem Zustand
Nun besteht genau diese Gefahr möglicherweise auch für die Geschwister der verstorbenen Achtjährigen. Denn die weiteren Kinder der Familie zeigten nach dem Tod der Schwester ebenfalls grippeähnliche Symptome, auch bei ihnen konnte der „Influenza B“-Erreger nachgewiesen werden. Zwei Mädchen im Alter von sechs und sieben Jahren wurden dem Bericht nach aufgrund ihres kritischen Zustands am Dienstag mit einem Rettungshubschrauber in die Medizinische Hochschule (MHH) nach Hannover verlegt. Diese verfügt über die größte Kinderintensivstation Deutschlands. „Unseren Spezialisten stehen Behandlungsmethoden zur Verfügung, um auf das komplexe Krankeitsbild zu reagieren“, wird der Pressesprecher Stefan Zorn von der Zeitung zitiert. Die beiden jüngsten Kinder sowie die Mutter konnten das Krankenhaus Kevelaer hingegen bereits wieder verlassen. (nr)

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