Krankenkassen: Angst machen wegen Krankengeld

Heilpraxisnet

Krankengeld: Experten kritisieren Sparkurs von Krankenkassen

18.05.2014

Nach Expertenangaben versuchen gesetzliche Krankenkassen immer wieder, beim Krankengeld zu sparen und krankgeschriebene Versicherte zum Arbeiten zu drängen. Fachleute kritisieren den Sparkurs der Kassen. Der Bundesgesundheitsminister wird aufgefordert, den Problemen nachzugehen.

Krankgeschriebene Versicherte werden zum Arbeiten gedrängt
Den Angaben von Fachleuten zufolge versuchen gesetzliche Krankenkassen immer wieder, beim Krankengeld zu sparen und krankgeschriebene Versicherte zum Arbeiten zu drängen. „Besonders häufig taucht das Thema in unserer Beratung im Kontext psychischer Erkrankungen auf“, sagte der Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), Sebastian Schmidt-Kaehler, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Die Patientenberatung hatte bereits im vergangenen Sommer auf Tausende solcher Fälle aufmerksam gemacht. Schmidt-Kaehler erläuterte, dass das Problem seitdem in der Beratungspraxis der UPD nicht geringer geworden sei.: „Beschwerden zum Thema Krankengeld haben nicht nachgelassen.“ Er erklärte weiter: „Das ist eines der schwierigsten Beratungsthemen, weil es sehr angstbesetzt ist und weil es oft um die wirtschaftliche Existenz der Versicherten geht.“

Viele Kassen fürchten ab 2015 Mitglieder-Abwanderung
Bertram Raum, der für Gesundheit zuständige Referatsleiter bei der Bundesdatenschutzbeauftragten, sagte der dpa: „Wir kennen entsprechende Beschwerden aus vielen Eingaben.“ Zudem versuchten Kassen Versicherte zu Reha-Leistungen auf Kosten der Rentenkasse zu bewegen. „Einige Kassen fragen ein- bis zweimal pro Woche telefonisch bei den Versicherten nach“, so Raum. „Die meisten Krankenkassen schicken auch umfangreiche Selbstauskunftsbögen an die Versicherten, die den Eindruck entstehen lassen, dass die Zahlung des Krankengeldes von den umfangreichen Auskünften abhängt.“ Nach Ansicht der Grünen droht die geplante Reform der Krankenkassen-Finanzen restriktives Verhalten sogar noch zu verschärfen. Am kommenden Mittwoch sind die Reformpläne im Bundestag Thema einer öffentlichen Anhörung. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, warnte, dass viele Kassen fürchten, dass ab 2015 Mitglieder abwandern, wenn der Beitragssatz steigt.

Zusatzbeiträge könnten durch Sparen beim Krankengeld klein gehalten werden
Nach den Plänen der schwarz-roten Koalition sollen die Krankenkassen ab kommendem Jahr vom Einkommen abhängige Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern nehmen können. Auch wenn manche Kassen wegen hoher finanzieller Rücklagen nach Ansicht von Experten vorerst auf diese zusätzlichen Beiträge verzichten oder diese klein halten werden, so gehen Gesundheitsökonomen doch von einer mittel- und langfristigen Erhöhung aus. Nach Ansicht von Klein-Schmeink droht bei den Kassen dann erneut verbreitetes Sparen, auch beim Krankengeld, um diese Zusatzbeiträge möglichst gering zu halten.

Sparkurs auf Kosten der Versicherten
„Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen wird durch die aktuellen Gesetzespläne wieder zunehmen“, so Gesundheitsdatenschützer Raum. „Die Versicherungen werden folglich überlegen müssen, wo sie sparen.“ Ein Sparkurs auf Kosten der Versicherten sei laut Klein-Schmeink inakzeptabel: „Aufgabe der Krankenkassen ist es, ihre Versicherten in schwierigen Zeiten zu unterstützen.“ Von Datenschützer Raum wurde auch auf den unseriösen Umgang einiger Kassen mit sensiblen Patientendaten hingewiesen. Demnach können Versicherungen Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen anstoßen, um beurteilen zu können, ob der Krankengeldbezug gerechtfertigt ist. Dafür können dann Angaben des behandelnden Arztes eingeholt werden.

Bundesgesundheitsminister soll den Problemen nachgehen
Diese Angaben dürfen von der Kasse selbst aber nicht eingesehen werden. Raum zufolge passiert genau dies aber: „Wir kennen auch Fälle, in denen Krankenkassen einen Brief des behandelnden Arztes zum Gesundheitszustand eines Versicherten öffnen, obwohl er nur vom Medizinischen Diensts geöffnet werden darf.“ Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wurde von Klein-Schmeink aufgefordert, den Problemen nachzugehen: „Wir wollen wissen, welche Regelung beim Krankengeld auf Dauer Fehlanreize am effektivsten verhindert und die Kassen darin bestärkt, ihre Versicherten nach bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen.“ Auch das Bundesversicherungsamt und die Landesregierungen seien gefordert. (ad)

Bild: Gerd Altmann / pixelio.de