Krankenhaus Gehrden durch Norovirus lahmgelegt

Sebastian

Krankenhaus Gehrden bei Hannover durch Norovirus lahmgelegt

20.05.2011

Das Robert Koch Klinikum in Gehrden nähe Hannover ist von einer rasanten Ausbreitung Noroviren betroffen. Seit Anfang der Woche haben sich bereits fast 60 Patienten und über 30 Angestellte mit dem Norovirus infiziert. Der Betrieb des Krankenhauses ist nahezu gelähmt.

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Krankenhausbetrieb zum Erliegen gekommen
Nach Informationen der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) grassiert derzeit die Norovirus-Infektion im Krankenhaus Gehrden nähe Hannover. Durch den Virus ist momentan ein Großteil des Klinikbetriebes lahmgelegt. Seit Montag haben ich 57 Patienten und 30 Pflegekräfte und Servicebedienstete mit dem Virusinfekt angesteckt. Ebenfalls betroffen ist das Klinikum Springe (ebenfalls Region Hannover). Nach Angaben der Klinikleitung erkrankten 11 Patienten und ein Klinikangestellter an schlagartigem Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Der Virus wurde nach derzeitigen Erkenntnissen durch einen Mitarbeiter der Klinikküche Gehrden übertragen. Somit ließe sich auch erklären, warum beide Krankenhäuser von der gefährlichen Infektionskrankheit erfasst sind. Daher wurde die Küche bereits am Dienstag um 10.00 Uhr geschlossen und wird seitdem desinfiziert und gereinigt. Die 35 Mitarbeiter der Küche müssen sich derzeit regelmäßigen Stuhlproben unterziehen. Erst wenn alle Proben insgesamt drei mal hintereinander mit negativ bewertet wurden, wird die Krankenhausküche wieder eröffnet.

Infizierte Patienten werden isoliert betreut
Patienten, die neu in der Klinik aufgenommen werden, bekommen vorsorglich ein Einzelzimmer gestellt. Allerdings werden erst seit Donnerstag vereinzelt wieder Neupatienten stationäre betreut. Die Einzelbetteinzimmer sind „ausnahmslos gründlich gereinigt und desinfiziert“ versichert die Leitung. Die bereits erkrankten Norovirus Patienten werden auf einer gesonderten Station isoliert betreut, damit sich nicht weitere Personen anstecken. Die Essensversorgung hat das Oststadt Krankenhaus in Hannover übernommen, dass nun täglich die Kliniken Springe und Gehrden beliefert.

Häufiges Auftreten der Virusinfektion
Die Inkubationszeit des Norovirus beträgt 6 bis 50 Stunden. Der Krankheitszustand dauert insgesamt ein bis fünf Tage. Das bedeutet, der Virusinfekt wird auch dann übertragen, wenn die Betroffenen über keinerlei Krankheitssymptome klagen. Auffällig ist, dass es immer wieder zu großflächigen Infektionen kommt. "Wir hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Fälle von Noro-Infektionen, vor allem in größeren Einrichtungen wie Altenheimen oder Kliniken, auch in diesem Frühjahr", sagte der Sprecher des Gesundheitsamtes der Region Hannover, Nils Meyer gegenüber der Zeitung HAZ. Ein derart häufiges Auftreten in diesen Größenordnungen sei schon sehr ungewöhnlich, so Meyer.

Geringe Viruspartikel reichen für Infektion aus
Noroviren übertragen sich bei einer minimalen Infektionsdosis von 10 bis 100 Viruspartikeln, die Inkubationszeit beträgt normalerweise zehn bis 50 Stunden. Eine Übertragung erfolgt dabei durch eine Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion, bei der die Viren über den Stuhl oder Erbrochenes ausgeschieden und meist auf oralem Weg an andere Menschen weitergegeben wird. Wie im Klinikum Gehrden geschieht die Übertragung meist über kontaminierte Speisen, Getränke und Gegenstände.

Die Erkrankung selbst verläuft zwar kurz aber für den Patienten mit hohemKrankheitswert. Die Symptome sind durch eine Gastroenteritis (Magen-Darm-Grippe) mit plötzlich auftretendem Durchfall und Erbrechen gekennzeichnet. Mittels Durchfall und Erbrechen wehrt sich das Immunsystem gegen die Viren und versucht die Angreifer regelrecht auszuspülen. Erkrankte erleiden meist einen erheblichen Flüssigkeitsverlust, der klinisch mit Infusionen ausgeglichen wird. Bei einem minderen Krankheitsgefühl reicht auch die Gabe von Tees und Wasser, um eine innere Austrocknung zu verhindern. Betroffene leiden zusätzlich zum Durchfall und Brechen an Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen. Ein regelrechter Kreislaufzusammenbruch kommt hingegen nur selten vor. Gefährlich ist der Norovirus vor allem für Schwangere und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem. (sb)