Krankenhauskeime im Klinikum Aschaffenburg

Fabian Peters

Drei Patienten mit Antibiotika resistenten Keimen infiziert

08.11.2011

Die Berichte über Krankenhausinfektionen mit gefährlichen multiresistenten Erregern reißen nicht ab. Auf der Intensivstation des Klinikums Aschaffenburg sind aktuell drei Patienten an einer Infektion mit Antibiotika resistenten Krankenhauskeimen erkrankt.

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Nachdem in der vergangenen Woche die Todesfälle von drei Frühchen im Klinikum Bremen-Mitte in Folge einer Infektion mit multiresistenten Erregern bundesweit durch die Medien gingen, wurden aktuell auch aus dem Klinikum Aschaffenburg mehrere Infektion mit Antibiotika resistenten Keimen gemeldet. Zwei Männer und eine Frau im Alter zwischen 60 und 70 Jahren hatten sich auf der Intensivstation mit den gefährlichen Erregern infiziert. Die Klinik habe umfassende Vorsorgemaßnahmen ergriffen, um eine weitere Ausbreitung der multiresistenten Krankenhauskeime zu vermeiden, berichtete die Klinikgeschäftsleiterin Katrin Reiser am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur „dapd“.

Multiresistente Krankenhauskeime führen zur Sperrung der Intensivstation
Die betroffenen Patienten wurden umgehen isoliert und die Intensivstation umfassend desinfiziert, erläuterte die Klinik-Geschäftsführerin. Zudem wurde ein Aufnahmestopp für die Intensivstation erteilt. Ärzte, Pflegekräfte und Besucher dürfen die Intensivstation nur noch mit Einweg-Schutzkleidung betreten. Angesichts ihrer schweren Vorerkrankungen sei die Infektion für die drei betroffenen Patienten besonders bedrohlich, allerdings bestehe derzeit kein Grund zu der Annahme, dass sich die multiresistenten Erreger weiter in der Aschaffenburger Klinik ausbreiten. Ein Risiko für die übrigen Krankenhauspatienten bestehe nicht, so die Aussage der Klinik-Geschäftsführerin Katrin Reiser. Die Infektion mit den erstmals Ende letzter Woche festgestellten Krankenhauskeimen sei für die ohnehin immungeschwächten, infizierten Patienten jedoch eine nicht zu unterschätzende gesundheitliche Gefahr, da die Erreger bei ihnen zum Beispiel Lungenentzündungen oder schwere Wundinfektionen auslösen können. Allerdings ist nach den umgehend eingeleiteten, „erforderlichen hygienischen Maßnahmen keine weitere Infektion“ aufgetreten, betonte Reiser.

Risiko der Krankenhausinfektionen nicht zu unterschätzen
Seit Jahren warnt die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) vor den Risiken einer sogenannten Krankenhausinfektion bei Klinikaufenthalten. Die wachsende Verbreitung der oftmals multiresistenten Krankenhauskeime habe zur Folge, dass jedes Jahr rund 30.000 Menschen im Rahmen einer Krankenhausbehandlung eine tödliche Infektion erleiden, so die nach Einschätzung der DGKH. Mehr als 600.000 Menschen infizieren sich demnach pro Jahr mit den gefährlichen Krankenhauskeimen. Der Hygiene-Experte Klaus-Dieter Zastrow von der DGKH geht sogar davon aus, dass sich bei jährlich rund „18 Millionen Patienten in Deutschland mindestens vier Prozent, also 720.000 Menschen, im Krankenhaus mit Keimen“ infizieren. Trotz der erschreckenden Zahlen hat sich bisher jedoch keine einheitliche Verfahrensweise zur Reduzierung der Krankenhausinfektionen etabliert. So haben zum Beispiel einige Bundesländer eine sogenannte Hygieneverordnung, die den Kliniken eindeutig vorschreibt, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, in anderen Bundesländer fehlt diese bis heute. Auch verfügt längst nicht jede Klinik in Deutschland über ein entsprechendes Hygiene-Management, denn erst ab einer Größe von 400 Betten ist die Einstellung eines Krankenhaushygienikers verpflichtend. Darüber hinaus ist der oftmals leichtfertige Einsatz von Antibiotika in zahlreichen deutschen Kliniken bis heute äußerst umstritten und trägt nach Einschätzung der Experten zum vermehrten Auftreten der multiresistenten Krankenhauskeime bei. (fp)