Krankenhauskeime in Nordamerika entstanden

Fabian Peters

Resistente Krankenhauskeime in den USA entstanden: Ein internationales Forscherteam hat die weltweite Ausbreitung des antibiotikaresistenten Krankenhauskeims Clostridium difficile (C. difficile) analysiert und dessen Ursprung bis nach Nordamerika zurückverfolgt. Infektionen mit resistenten Clostridium difficile Krankenhauskeimen haben sich „in den letzten zehn Jahren zur führenden Ursache von Antibiotika-assoziiertem Diarrhoe weltweit“ entwickelt, berichten die Forscher im Fachmagazin „Nature Genetics“.

10.12.2012

Mit besorgniserregender Geschwindigkeit haben sich zwei antibiotikaresistente Clostridium difficile-Stämme in den vergangenen Jahren in Kliniken weltweit ausgebreitet, schreiben die Wissenschaftler um Miao He vom „Wellcome Trust Sanger Institute“ im britischen Cambridge. Aufgrund der Resistenz lassen sich die durch Clostridium difficile ausgelösten schweren Durchfallerkrankungen kaum beziehungsweise nur eingeschränkt behandeln. So sei C. difficile in Krankenhäusern und Altenheimen heute der Haupterreger von teilweise lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen. In den vergangenen Jahren hatten die Bakterien zu massiven Krankheitsausbrüchen in europäischen und nordamerikanischen Kliniken geführt. Wo die Erreger herkommen und auf welchem Wege sie sich verbreitet haben, blieb bislang jedoch unklar. Die besonders schweren Infektionswellen wurden oft durch Varianten des aggressiven Genotyps 027/BI/NAP1 ausgelöst, wobei die Erreger gegen die Antibiotika-Klasse der Fluorchinolone resistent waren, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal „Nature Genetics“.

Zwei Linien antibiotikaresistenter Krankenhauskeime parallel entstanden
Die Genomforscher kommen bei ihrer Untersuchung nun zu dem Ergebnis, dass sich in Nordamerika fast zeitgleich zwei resistente Stämme des gängigen Krankenhauskeims Clostridium difficile entwickelt haben. Anschließend verbreiteten sich die Keime zügig im globalen Gesundheitssystem, so Miao He und Kollegen weiter. Begünstigt wurde die Entwicklung der Resistenzen vermutlich durch den massiven teilweise fahrlässigen Einsatz von Antibiotika. Nach ihrer Entstehung haben sich die beiden resistenten C. difficile-Stämme auf verschiedenen Routen in Nordamerika, Großbritannien, Kontinentaleuropa und Australien ausgebreitet, berichten die Wissenschaftler. In den einzelnen Staaten seien nicht selten massive nosokomiale Infektionen (Krankenhausinfektionen) und entsprechend schwere Erkrankungswellen zu beobachten gewesen.

Mehr als 300 Proben des Krankenhauskeims Clostridium difficile analysiert
Die Genomforscher um Miao He waren dem Ursprung der neuen resistenten Bakterienstämme anhand von 151 Keimproben, die in Kliniken weltweit zwischen den Jahren 1985 und 2010 isoliert wurden, und weiteren 188 Proben aus Großbritannien auf die Spur gekommen. Die Wissenschaftler erstellten auf Basis der Veränderungen im Erbgut einen Stammbaum der Erreger. Dabei stellten sie überraschenderweise fest, dass sich zwei resistente C. difficile-Stämme nahezu zeitgleich unabhängig voneinander in den USA entwickelt haben. Die beiden resistenten Linien des Genotyps, welche immun gegen Fluorchinolone sind, entstanden demnach mehr oder weniger parallel. Bisher gingen die Experten davon aus, dass lediglich eine antibiotikaresistente Linie des Krankenhauskeims besteht.

Resistenzen durch übermäßigen Antibiotika-Einsatz
Vor rund zehn Jahren ist laut Aussage der Forscher die erste antibiotikaresistente C. difficile-Linie, FQR1, in den USA entstanden. Innerhalb weniger Jahre habe der Krankenhauskeim in den Kliniken mehrerer Bundesstaaten schwere Infektionswellen ausgelöst und sei anschließend nach Südkorea und in die Schweiz eingeschleppt worden. Die zweite antibiotikaresistente Linie, FQR2, entwickelte sich den Erkenntnissen der Genomforscher zufolge ebenfalls vermutlich in Nordamerika, verbreitete sich jedoch von hier aus nach Großbritannien, Australien und über mindestens vier getrennte Routen nach Kontinentaleuropa. Als Ursachen für die parallele Entstehung der beiden antibiotikaresistenten Keim-Linien, vermuten die Wissenschaftler den übermäßigen Einsatz von Antibiotika. Fluorchinolone seien Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre die am häufigsten verordneten Antibiotika in Nordamerika gewesen, was den Selektionsdruck auf die Keime so erhöht habe, dass sich parallel zwei resistente C. difficile-Varianten entwickelten und sich anschließend schnell verbreiten konnten.

Symptome einer Clostridium difficile-Infektion
Typische Anzeichen einer Infektion mit C. difficile sind Durchfall, Bauchschmerzen, Darmentzündungen und Fieber. Schlimmstenfalls führen die Toxine der Erreger zu einer lebensbedrohlichen Auflösung der Darmwände, nach der sich die Bakterien im gesamten Organismus ausbreiten und eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen können. Für die Patienten besteht in diesem Fall akute Lebensgefahr. (fp)