Krankenhauskeime: MRSA Untersuchung im Saarland

Fabian Peters

MRSA-Screening

Krankenhauskeime: Bevor Patienten in eine Klinik eingeliefert wird, wird im Saarland eine flächendeckend eine MRSA- Untersuchung durchgeführt.

18.12.2010

Im Saarland wurden aktuell die ersten Ergebnisse eines flächendeckenden MRSA-Screenings vorgestellt, bei dem jeder Patient der in eine Klinik eingeliefert wurde, auf die multiresistenten Staphylokokken-Stämme untersucht wurde.

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Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) sind insbesondere in Krankenhäusern relativ weit verbreitet und führen immer wieder zu gefährlichen Infektionen, die schlimmstenfalls lebensbedrohliche Erkrankungen wie zum Beispiel Lungenentzündungen, Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis) oder Blutvergiftungen (Sepsis) auslösen können. Daher hat das saarländische MRSAar-Netzwerk bereits im Oktober ein flächendeckendes Screening initiiert, bei dem jeder Patient im Zuge der Einlieferung in eine Klinik automatisch auf MRSA untersucht wurde. Mehr als 20.000 Patienten wurden seither bei ihrer stationären Aufnahme in einer Klinik in Bezug auf MRSA untersucht und die ersten Daten wurden jetzt am Uniklinikum in Homburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Rund jeder fünfzigste Patient schleppt demnach die Erreger im Krankenhaus ein.

Mit dem nach Aussage der Verantwortlichen des Uniklinikums deutschlandweit erstmaligen derartigen Aufnahmeprävalenz-Screening zur MRSA-Verbreitung, sei die Methodik zur Feststellung der gefährlichen Krankenhauskeime erheblich verbessert worden. So wurde im Untersuchungszeitraum erstmals in allen saarländischen Kliniken einheitlich vorgegangen und außerdem zur Analyse ein sogenannter WASP®-Roboter eingesetzt, der die zusätzlichen mikrobiologischen Proben in einem automatisierten Verfahren verarbeitete. Der Einsatz des „Walk-Away Specimen Processor“ (WASP) zum Anlegen der mikrobiologischen Proben war ein deutschlandweites Novum und automatisiert einen bisher nur von Hand zu erledigenden Arbeitsgang. Mit ihren Erkenntnissen hoffen die Forscher der Uniklinik des Saarlandes auch einen Beitrag zur Diskussion um die allgemeinen Standards der Krankenhaushygiene leisten zu können.

Die bisher vorliegenden Daten der bundesweit beachteten Reihenuntersuchung zeigen, dass 405 der 20.000 untersuchten Patienten (2,02 Prozent) bei der stationären Aufnahme in saarländischen Kliniken MRSA-Keime in sich trugen. „Das erste Ergebnis zeigt, dass wir im Saarland nicht in einem Land der Glückseligkeit leben“, erklärte Professor Dr. Mathias Herrmann, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Uniklinikum des Saarlandes. Um die Keimbelastung der Patienten zu erfassen, seien alle stationären Aufnahme-Patienten durch eine einfache Abstrich-Untersuchung des Rachens und der Nasenvorhöfe auf MRSA kontrolliert worden. Dabei seien in insgesamt 392 Nasen-Rachen-Abstrichen MRSA -Erreger nachgewiesen worden und zudem 13 Wund-Abstriche mit den gefährlichen Krankenhauskeimen belastet gewesen. Erfreulich waren auch nach Ansicht des saarländischen Gesundheitsminister Georg Weisweiler (FDP) die hohen Teilnahme-Raten, die währende der ersten Phase der Untersuchung insgesamt bei über 80 Prozent lagen und in zahlreichen Kliniken sogar deutlich mehr als 90 Prozent erreichten. „Ich freue mich daher sehr, dass (…) sich ausnahmslos alle Kliniken an der Untersuchung beteiligen. Durch das flächendeckende Screening haben wir die einmalige Gelegenheit, einen Überblick über die Risikofaktoren und MRSA-Lasten (…) zu erhalten“, betonte der Gesundheitsminister. „Das gleichzeitige und einheitliche Vorgehen aller Krankenhäuser zur MRSA-Diagnostik für die Dauer des Aufnahmeprävalenz-Screenings wird für die Vergleichbarkeit der Ergebnisse und damit für begründete, durch epidemiologische Daten gestützte Konsequenzen von großem Wert sein“, ergänzte Professor Dr. Mathias Herrmann.

MRSA sind Staphylokokken-Erreger, die gegen sämtliche gängigen marktverfügbaren Beta-Lactam-Antibiotika wie zum Beispiel Penicillin resistent sind und nur noch auf die Behandlung mit sogenannten „Reserve-Antibiotika“ ansprechen. MRSA sind insbesondere in Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen und Pflegeheimen relativ weit verbreitet und hier zugleich ein erhebliches Problem. So geht aus einer Hochrechnung des Robert-Koch-Instituts hervor, dass deutschlandweit im Jahr 2008 rund 132.000 Krankenhaus-Patienten an einer Infektion mit MRSA litten. Rund 1.500 Menschen sterben nach Schätzung der Experten jährlich aufgrund einer MRSA-Infektion. Für das Saarland zieht der Professor Dr. Mathias Herrmann auf Basis der ersten Ergebnisse des aktuellen Screenings das Fazit: „Die Zahlen verdeutlichen, dass das Problem bei uns zweifellos nicht geringer ist als in anderen Bereichen Deutschlands, tendenziell vielleicht sogar noch etwas größer. Gleichzeitig erfahren wir jedoch auch, dass wir für Panik keinen Anlass haben.“ (fp)