Krankenkassen: Ein Drittel erheben Zusatzbeiträge

Heilpraxisnet

Die Gesetzlichen Krankenkassen sind bei der Erhebung der Zusatzbeiträge im kommenden Jahr vorsichtig. Dennoch werden weitere Defizite erwartet.

Fordern die gesetzlichen Krankenkassen im kommenden Jahr weitere Zusatzbeiträge von ihren Versicherten? Zum ersten Januar 2011 werden im Rahmen der Gesundheitsreform die allgemeinen Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung von 14,9 auf 15,5 Prozent angehoben, das ist längst eine beschlossene Sache der schwarz-gelben Bundesregierung. Ab dem ersten Januar dürfen allerdings die Kassen die Höhe des pauschalen Zusatzbeiträge selbst bestimmen. Sozialverbände, Gewerkschaften und Verbraucherschützer warnten deshalb vor einer „Kopfpauschale“ durch die Hintertür.

Beitragsanstieg auf 15,5 Prozent ab 2011
Fest steht, der allgemeine Beitragsanstieg der Krankenversicherung wird auf 15,5 Prozent angehoben. Damit wird ein Großteil des Defizits im Gesundheitsfond ausgeglichen. Fest steht aber auch, dass der Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung eingefroren wird. Das bedeutet, alle zukünftigen Beitragsanstiege werden durch die Versicherten allein getragen. Für das kommende Jahr werden allerdings auch wieder steigenden Ausgaben im Gesundheitssystem erwartet. Bislang stiegen die Ausgaben der Kassen von Jahr zu Jahr massiv an. Hier liegt die Frage nahe, ob weitere Zusatzbeiträge von den Versicherten den Krankenkassen verlangt werden.

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Zwei Drittel der Krankenkassen wollen auf Zusatzbeiträge vorerst verzichten
Licht ins Dunkel brachte eine Umfrage der Stiftung Warentest bei allen GKV-Krankenkassen in Deutschland. Laut der Umfrageergebnisse wollen zwei Drittel der Krankenkassen „vorerst“ auf Zusatzbeiträge verzichten. Denn für die Kassen sind solche zusätzlichen Beiträge ein „Zweischneidiges Schwert“. Auf der einen Seite können weitere Einnahmen verbucht werden, auf der anderen Seite wechseln vor allem junge Mitglieder die Kasse, wenn ein Zusatzbeitrag erhoben wird. Dadurch könnten die Gesamteinnahmen wieder deutlich sinken. Daher sprachen sich 76 von den 114 befragten Krankenkassen gegenüber der Stiftung Warentest dafür aus, 2011 zunächst auf einen Zusatzbeitrag zu verzichten. Doch durch den Beitragsanstieg hat die Stiftung errechnet, dass sich die Krankenversicherung sich durch diese Erhöhung für einen Durchschnittsverdiener mit 2500 Euro Bruttogehalt im Monat um 7,50 Euro verteuert.

Steigende Zusatzbeiträge werden dennoch erwartet
Ob das so bleiben wird, ist fraglich. Weil eben die Ausgaben gegenüber den Einnahmen stetig steigern und die geplanten Einsparungen bei weitem nicht ausreichen, könnte laut einer DGB Studie der durchschnittliche Zusatzbeitrag im Jahr 2015 bereits bei 33 Euro im Monat liegen. Für das Jahr 2025 wird sogar ein Zusatzbeitrag von 150 Euro voraus gesagt. Der Zusatzbeitrag wird unabhängig vom Bruttolohn erhoben und ist für alle Versicherten gleich hoch. Nach den Plänen des Gesundheitsministers Philipp Rösler sollen „sozial Schwächere“ einen Ausgleich erhalten. Wie dieser konkret aussieht, hat der Minister bislang nicht gesagt. Offensichtlich wird, dass die steigenden Kosten von den Versicherten in Zukunft allein getragen werden müssen. (sb, 20.10.2010)