Krankenkassen gegen Hausärzte-Streik

Sebastian

Krankenkassen kritisieren Hausärzte-Streik

(10.08.2010) Der Hausärzteverband will ernst machen, die ersten Aktionen gegen die Gesundheitsreform sind bereits geplant. Der 15. September soll den Auftakt bilden. An diesem Tag soll es eine bundesweite Protestaktion geben und zig tausende Arztpraxen bleiben geschlossen. Die geplanten Aktionen der Ärzte rufen heftige Kritik nicht nur aus den Reihen der Bundesregierung hervor. Auch die Krankenkassen kritisieren die geplanten Schließungen von Hausarzt-Praxen. Der Streik werde zulasten der Patienten unternommen.

Protest gegen geplante Honorarkürzungen bei den Hausärzten.
Der Deutsche Hausärzteverband kündigte gegenüber der Ärztezeitung an, Ende August die ersten Aktionen gegen die Sparmaßnahmen bei den Ärztehonoraren zu starten. Zunächst sollen von Ende August bis Ende September Praxis-Schließungen auf lokaler Ebene statt finden. Zudem sollen bundesweite Protestveranstaltungen abgehalten werden. Am 15. September soll laut Ärzteverband eine bundesweite Aktion unternommen werden. Einen Tag später findet dann der 33. Deutsche Hausärztetag statt.

Scharfe Kritik von Seiten der Krankenkassen und Bundesregierung.
Die gesetzlichen Krankenkassen haben überhaupt kein Verständnis für die geplanten Ärzte-Streiks. So kritisierte der stellvertretende Barmer Chef Rolf Ulrich Schlenke den Ärztestreik als "deplatziert". Auch für den Vorsitzende der Deutschen Angestellten Krankenkasse DAK, Herbert Rebscher, sind die Ärzte-Proteste "nicht nachvollziehbar". Nach Ansicht von Rebscher werde der Protest auf dem Rücken der Patienten ausgetragen, um Berufsgruppen- Interessen durchzusetzen. Schließlich seien alle Beteiligten im Gesundheitswesen von den Sparmaßnahmen betroffen, da könne man keine Berufsgruppe ausnehmen, so der DAK-Chef.

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Kein Verständnis für die geplanten Proteste zeigte auch der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Fraktion. Jens Spahn (CDU) kritisierte, der Hausärzteverband hätte sich "deutlich im Ton vergriffen". Zwar sei es das gute Recht der Ärzte zu protestieren und ihre Interesse durchzusetzen, jedoch müssten alle Beteiligten im Gesundheitssystem ihren Beitrag zur Stabilisierung leisten. Schließlich wird für das kommende Jahr ein Milliardendefizit im Gesundheitsfond erwartet. Sparen müssten demnach auch Ärzte und Hausärzte, so Spahn.

Warum protestieren die Hausärzte?
Die Ärzte streiken gegen die geplanten Kürzungen bei den Sondervergütungen der Hausarztverträge. Nach dem Willen des Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) sollen allein in diesem Bereich rund 500 Millionen Euro eingespart werden. Das bedeutet, dass die Ärztehonorare zunächst nicht weiter ansteigen sollen.

Der Hausarzt-Verband wirft der schwarz-gelben Koalition vor, sie wolle das "Hausarzt-Modell" aus hebeln. Die „Hausarztzentrierte Versorgung“ ist 2007 eingeführt worden, damit Hausärzte die erste Anlaufstelle für den Patienten werden. Der Hausarzt koordiniert alle Behandlungsschritte und erteilt Überweisungen für Fachärzte. Das sog. Hausarztmodell wurde eingeführt, um unnötige Facharztbesuche zu minimieren, damit die Behandlung von Patienten zugerichteter geschieht. Die „Hausarzt-zentrierte Versorgung“ ist beschrieben im § 73b SGB V.

Rössler versicherte allerdings unlängst, er wolle das Hausarzt-Modell nicht antasten. Allerdings will der Gesundheitsminister durchsetzen, dass alle Hausärzte gleich behandelt werden, unabhängig ob ein Arzt einen Hausarztvertrag bereits abgeschlossen hat, oder nicht. Gegen eben jene Neuregelung will der Hausarzt-Verband protestieren. (sb)