Krankenkassen: Höhere Beiträge unausweichlich

Fabian Peters

Den Krankenkassen geht das Geld aus

Den gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) geht das Geld aus. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) erwartet bis zum Jahresende ein Milliarden Defizit. Nur die Zusatzbeiträge hätten verhindert, das die GKV bereits jetzt ins Minus gerutscht sind, erklärte das BMG.

07.12.2010

Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilt, hat sich die Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherungen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2010 gegenüber dem Vorjahr erheblich verschlechtert. Trotz der anziehenden Konjunktur, konnten die Krankenkassen kein vergleichbar gutes Ergebnis erwirtschaften, wie noch im Jahr 2009 – der Überschuss der ersten drei Quartale hat sich gegenüber dem Vorjahr um über eine Milliarde Euro verringert. Lediglich durch die erhobenen Zusatzbeiträge konnte ein Defizit vermieden werden, so das Bundesgesundheitsministerium.

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Während die gesetzlichen Krankenversicherungen in den ersten drei Quartalen des Jahres 2009 noch einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro verbuchen konnten, liegt dieser im laufenden Jahr nur noch bei 277 Millionen Euro. Das Bundesgesundheitsministerium teilte mit, dass die Einnahmen der Krankenkassen im dritten Quartal bei 131,2 Milliarden Euro und die Ausgaben bei 130,9 Milliarden Euro lagen. Nur durch die Einnahmen von rund 463 Millionen Euro aus der Erhebung von Zusatzbeiträgen, welche seit dem ersten und zweiten Quartal 2010 von einigen Krankenkassen wie zum Beispiel der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) erstmals erhoben wurden, konnte ein Defizit bei den gesetzlichen Krankenversicherungen insgesamt vermieden werden, so die Aussage des Bundesgesundheitsministeriums.

Der noch zu verzeichnende Überschuss von 277 Millionen sei jedoch mit Blick auf das ganze Jahr 2010, ebenfalls gefährdet, da die Ausgaben im vierten Quartal erfahrungsgemäß erheblich höher liegen als in den Vorquartalen. So ist laut Bundesgesundheitsministerium davon auszugehen, dass am Ende des Jahres zahlreiche GKV ins Minus rutschen. Die abzusehende Unterdeckung bei den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds könne nicht durch Zusatzbeiträge und weitere Einnahmen ausgeglichen werden, erklärte das Bundesgesundheitsministerium. „Insofern müssen Defizite von Kassen in 2010 häufig aus noch vorhandenen Finanzreserven kompensiert werden“, so die Stellungnahme des Ministeriums. Das erwartete Defizit wird nach Prognosen des Schätzerkreises bei gut zwei Milliarden Euro liegen, wobei der Schätzerkreis jedoch noch im Sommer von einem Minus in Höhe von 3,1 Milliarden ausgegangen war.