Krankenkassen: Kliniken rechnen massenhaft falsch

Heilpraxisnet

Falschabrechnungen: Streit zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern

11.06.2014

Nach Darstellung der Krankenkassen ist rund jede zweite überprüfte Klinikabrechnung in Deutschland fehlerhaft. Der dadurch entstandene Schaden wird auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt. Die Krankenhäuser weisen den Betrugsvorwurf zurück und meinen, dass 95 Prozent der Abrechnungen korrekt sind.

2,3 Milliarden Kosten für die Beitragszahler
Nach Darstellung der Krankenkassen ist gut jede zweite überprüfte Krankenhausabrechnung in Deutschland fehlerhaft. Wie aus den neuen Zahlen des Spitzenverbandes der Krankenkassen (GKV) für das erste Halbjahr 2013 hervorgehe, koste dies die Beitragszahler unterm Strich rund 2,3 Milliarden Euro. Wie schon in den vergangenen Jahren wurde die Darstellung von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) als falsch zurückgewiesen. Zuerst hatte die „Frankfurter Rundschau“ (FR) in ihrer Dienstagsausgabe darüber berichtet.

Hälfte der überprüften Abrechnungen fehlerhaft
Demnach waren gut 52 Prozent aller überprüften Rechnungen in der ersten Jahreshälfte 2013 nicht korrekt, was in etwa dem Niveau der beiden Vorjahre entsprach. Dem GKV-Verband zufolge werden etwa zehn bis zwölf Prozent aller Krankenhausrechnungen genau unter die Lupe genommen. Dabei seien den Prüfern Leistungen aufgefallen, die entweder nicht im abgerechneten Umfang oder gar nicht erbracht wurden. Es geht in dem Zusammenhang um nicht verabreichte Medikamente oder Beatmungsstunden. Die GKV gibt nach eigenen Angaben pro Jahr 66 Milliarden Euro für Klinikbehandlungen aus.

Unterschiedliche Bewertung medizinischer Sachverhalte
Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), wies die Vorwürfe zurück und sagte: „Die Aussagen der Krankenkassen sind schlichtweg falsch.“ Es wurde darauf verwiesen, dass rund 70 Prozent der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) infrage stellten, ob Patienten überhaupt ins Krankenhaus hätten aufgenommen werden sollen oder ob sie nicht früher hätten entlassen werden können. Es gehe dabei nicht um die Höhe der Abrechnungen, sondern um eine unterschiedliche Bewertung medizinischer Sachverhalte.

95 Prozent der Abrechnungen blieben unbeanstandet
Die DKG betonte, dass demgegenüber letztlich 95 Prozent der Krankenhausabrechnungen für die insgesamt 18,6 Millionen Behandlungsfälle pro Jahr unbeanstandet blieben. Allerdings bekräftigte die GKV seine Darstellung, der zufolge gut 52 Prozent der 2013 geprüften Rechnungen Fehler aufwiesen. Es werde zwar tatsächlich nur gut ein Zehntel aller Abrechnungen kontrolliert, so dass es faktisch nur bei fünf Prozent der Rechnungen Beanstandungen gegeben habe. „Aber daraus kann man nicht den Schluss ziehen, dass 95 Prozent aller Rechnungen korrekt sind“, so GKV-Sprecherin Ann Marini gegenüber der FR.

Abrechnungssystem der Fallpauschalen sorgt für Kontroverse
Den Grund für die Kontroverse sieht die DKG im Abrechnungssystem der Fallpauschalen, die immer wieder dazu führten, dass „medizinische Sachverhalte unterschiedlich beurteilt werden.“ Es handele sich bei den reklamierten 2,3 Milliarden Euro um das Prüfvolumen der Kassen. „Das tatsächliche Kürzungsvolumen beläuft sich auf weniger als die Hälfte“, so Baum. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) verwies ebenso darauf, dass ja nur zehn bis zwölf Prozent aller Abrechnungen überprüft worden seien. Aus dem Ministerium hieß es: „Im Ergebnis bedeutet dies, dass nicht rund 50 Prozent aller Krankenhausabrechnungen fehlerhaft sind, sondern rund fünf Prozent.“

Linken-Experte fordert „bedarfsgerechte“ Finanzierung der Krankenhäuser
Und auch der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Harald Weinberg, ergriff Partei für die Krankenhäuser. Den Kassen gehe es „nur darum, die Krankenhäuser noch knapper zu halten“, kritisierte er. „Viele Rechnungen, um die es in diesem Grabenkampf geht, sind strittig, weil von Seiten der Kassen etwa die aus ihrer Sicht zu lange Liegezeit bemängelt wird. Es prallen also medizinische Erwägungen direkt auf ökonomische Forderungen.“ Er forderte eine „bedarfsgerechte“ Finanzierung der Krankenhäuser. (ad)

Bild: Rainer Sturm / pixelio.de