Krankenkassen rechnen mit Zusatzbeiträgen

Heilpraxisnet

Zusatzbeiträge für alle 50 Millionen Beitragszahler?

19.06.2014

Ab dem kommenden Jahr müssen die 50 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen voraussichtlich Zusatzbeiträge zahlen. Zu dieser Einschätzung sei nach Angaben der Nachrichtenagentur „dpa“ der Spitzenverband der Krankenkassen gekommen. Demnach würden bereits dieses Jahr die Reserven der Kassen von 30,1 auf 26,7 Milliarden Euro sinken, begründet durch geringere Zuschüsse des Bundes und die Prämien-Auszahlung einiger Kassen.

Rücklagen gehen bereits in diesem Jahr um 3,4 Milliarden Euro zurück
Müssen die sinkenden Reserven der Krankenkassen zukünftig von den Beitragszahlern ausgeglichen werden? Nach Ansicht des Spitzenverbands der Krankenkassen offenbar ja. Wie die „dpa“ berichtet, sei es für die Vorsitzende des Spitzenverbands der Krankenkassen Doris Pfeiffer ausgeschlossen, dass die Kassen auf einen Aufschlag verzichten würden. Demnach könne davon ausgegangenen werden, dass die Rücklagen bereits in diesem Jahr um 3,4 Milliarden Euro zurückgehen würden. Dies sei vor allem durch einen geringeren Zuschuss des Bundes und die Prämien begründet, die einige Kassen ihren Mitgliedern ausgezahlt hatten. Eine Entwicklung mit weitreichenden Folgen, denn laut Doris Pfeiffer seien fast zwei Drittel der Beitragszahler bei Kassen versichert, deren monatliche Ausgaben schon derzeit die Rücklagen und Betriebsmittel übersteigen.

„Mit einer Beitragssenkung in größerem Stil ist kaum zu rechnen“
Wie die dpa weiter berichtet, hatte sich Pfeiffer skeptisch gegenüber der Prognose von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gezeigt, nach welcher im nächsten Jahr 20 Millionen Versicherte entlastet werden könnten. Der Hintergrund: Aufgrund der schwarz-roten Gesundheitsreform sinkt zwar der Beitragssatz 2015 von 15,5 auf 14,6 Prozent – den Versicherungen steht es aber frei, prozentual vom Einkommen abhängige Zusatzbeiträge zu erheben. Pfeiffer könne die Zahl Gröhes nicht bestätigen, stattdessen sei ihrer Ansicht nach mit einer Beitragssenkung in größerem Stil kaum zu rechnen. Da die Zusatzbeiträge zunächst voraussichtlich bei etwa 0,9 Prozent liegen würden und damit in etwa gleicher Höhe wie die Beitragssenkung, sei diese damit nahezu ausgeglichen – ohne dass der Beitragszahler dadurch einen Vorteil erhalte.

Ärzte behindern Aufbau der entsprechenden IT-Infrastruktur für elektronische Gesundheitskarte
Der Vorsitzenden des Spitzenverbands nach sei weiterhin davon auszugehen, dass die Kassen mehrheitlich den Aufschlag so hoch ansetzen würden, um eine weitere Erhöhung im Folgejahr zu vermeiden. Darüber hinaus sei mit weiter steigenden Ausgaben der Krankenkassen zu rechnen, während die Einnahmen nach Ansicht der Expertin wohl eher zurückgehen würden. Auch beim Thema „elektronische Gesundheitskarte“ wird Kritik seitens des Kassenverbands laut, denn diese habe trotz Kosten von bisher rund 900 Millionen Euro bislang noch keinen Mehrwert gebracht. Für diese Situation seien vor allem die Ärzte verantwortlich, da diese den Aufbau der entsprechenden IT-Infrastruktur behindern würden, so der Verband weiter. Dementsprechend sei der Gesetzgeber gefordert, Sanktionsmöglichkeiten für solche Fälle sowie einen Zeitplan für die Umsetzung vorzugeben. Auf Seiten der Politik offenbar ein denkbarer Plan: „Ich kann alle nur vor einer Blockade warnen“, so der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn gegenüber der dpa.

Bild: Karin Jähne / pixelio.de