Krankenkassen schaffen Zusatzbeiträge ab

Sebastian

Fast alle Krankenkassen schaffen nächstes Jahr des Zusatzbeitrag wieder ab

09.12.2011

Den Anfang machte die DAK mit der Ankündigung, den bei Krankenkassen und Versicherten gleichermaßen unbeliebten Zusatzbeitrag wieder abzuschaffen. Nun haben auch die letzten Kassen, die noch einen zusätzlichen Obolus erheben angekündigt, den Aufschlag spätestens im zweiten Quartal 2012 vorerst wieder abzuschaffen. Das jedenfalls berichtet die „Nürnberger Nachrichten“ und beruft sich dabei auf Kassenkreise.

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Im Zuge der Gesundheitsreform hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung beschlossen, dass gesetzliche Krankenkassen finanzielle Engpässe mit sogenannten Zusatzbeiträgen ausgleichen. Seit 2010 können die Kassen die Höhe der zusätzlichen Beiträge selbst bestimmen. Mit den Zusatzbeiträgen sollte zudem ein Wettbewerb auf dem Kassenmarkt gefördert werden. Zwei Krankenkassen sind dem Rennen um Mitglieder bereits zum Opfer gefallen und mussten schließen. Weil nur eine Minderheit der Krankenkassen zum Mittel der Zusatzbeiträge griff, war der Wettbewerb klar für die Kassen entschieden, die auf einen solchen verzichteten. Nun wollen fast alle Krankenkassen im kommenden Jahr die Zusatzbeiträge wieder abschaffen.

Laut eigener Berichte will die BKK Phoenix den Zusatzbeitrag zum ersten April 2012 abschaffen. Hierzu gebe es bereits eine Beschlussvorlage des Vorstands. Ebenfalls abschaffen will auch die BKK advita den Zusatzbeitrag, hier werde der Beitrag ab dem zweiten Quartal 2012 entfallen. Die Betriebskrankenkasse BKK Hoesch will zeitnah entscheiden, ob der Zusatzbeitrag nur deutlich verringert oder gänzlich gestrichen wird. Die einzige Kasse, die noch keinen Beschluss gefasst hat, ist die BKK Publik. Branchenkenner gehen jedoch davon aus, dass auch hier der zusätzliche Beitrag abgeschafft wird.

Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) und die BKK Gesundheit fusionieren ab kommenden Jahr. Nach dem Zusammenschluss wird auch hier der Zusatzbeitrag von ehemals acht Euro gestrichen. Nach der Fusion wird die Kasse dann „DAK Gesundheit“ heißen. Ebenfalls mitziehen wollen auch die KKH-Allianz sowie die Deutsche BKK. Auch hier soll der Aufschlag spätestens 2012 entfallen.

Kommen die Kassen nicht mit den Zuweisungen des Gesundheitsfonds aus, müssen Zusatzbeiträge von den versicherten Kassenmitgliedern erhoben werden. Durch die gute Arbeitsmarktlage und einigen Spareffekten hat sich die Lage der Krankenkassen allerdings im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert. In den ersten neun Monaten diesen Jahres konnten die Krankenkassen ein Plus von 3,9 Milliarden Euro erwirtschaften.

Die bisher gemachten Erfahrungen sind bitter. Krankenversicherungen, die einen solchen Beitrag erhoben, verloren schlagartig Tausende solvente Mitglieder. Diese hatten nämlich von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht und sich eine neue Krankenkasse gesucht. Daher wollen die Kassen nunmehr den Wettbewerb mittels individuellen Leistungskatalog fördern. So sagte ein Sprecher des Gesamtverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV): „Wir wollen mehr individuelle Beitragsfreiheit für jede einzelne Krankenkasse, unabhängig davon, ob ein prozentualer oder ein Eurobeitrag die gesetzliche Vorgabe ist“. So könne mehr Entscheidungsfreiheit für Investitionen in neue Versorgungskonzepte gesteckt werden.

Für die darauffolgenden Jahren könnte sich das Blatt wenden. Einige Experten gehen davon aus, dass spätestens ab 2015 alle Krankenkassen auf einen Zusatzbeitrag angewiesen sein werden. Eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes sagte unlängst einen Zusatzbeitrag von etwa 100 Euro je Monat voraus. Dieser könnte schon in fünf bis zehn Jahren Realität sein. Deutlich wird schon jetzt, dass durch die EU- und Bankenkrise die Konjunktur deutlich abschwächen wird. Das wird auch die gesetzliche Krankenversicherung zeitversetzt zu spüren bekommen. (sb)

Bild: Claudia Hautumm / pixelio.de