Krankenkassen Zusatzbeiträge auch 2011

Sebastian

Zahlreiche gesetzliche Krankenkassen werden auch 2011 einen Zusatzbeitrag von den Versicherten verlangen. Weitere Krankenkassen werden folgen, weil die Bundesregierung die Demontage des paritätischen Gesundheitssystems plant.

(20.08.2010) Auch 2011 werden zahlreiche Krankenkassen einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern verlangen. Denn trotz der geplanten Gesundheitsreform werden die finanziellen Sorgen der Kassen nicht beseitigt sein. Durch den Zusatzbeitrag versuchen die Krankenkassen ihre hohen Ausgaben zu kompensieren. Kassen die bereits jetzt einen zusätzlichen Beitrag verlangen, haben angekündigt auch 2011 dabei zu bleiben. Andere Kassen hingegen beschwören, dass sie bis mindestens Mitte des nächsten Jahres keine weiteren zusätzlichen Beiträge von den Versicherten erheben wollen. Doch gerade kleineren Kassen bleibt nichts anderes übrig als entweder sich mit anderen Kassen sich zusammen zu schließen und/oder Zusatzbeiträge einzuführen.

Es ist schon jetzt abzusehen, dass der geplante erhöhte allgemeine Beitragssatz von 15,5 Prozent die finanziellen Sorgen der gesetzlichen Kassen nicht lösen wird. Die Menschen werden immer älter und die Pharmaindustrie schmeißt immer mehr Medikamente auf den Markt, um steigende Erkrankungsraten zu bedienen. Denn immer mehr Menschen leiden unter dem allgemein anwachsenden Arbeitsstress. Dadurch steigt kontinuierlich auch der Anteil psychischer Erkrankungen. Durch den demografischen Wandel steigt zudem der Anteil der chronischen Krankheiten. Zusätzlich ernähren sich die Menschen in der westlichen Welt derart schlecht, dass auch hier ein signifikanter Anstieg von Krankheiten zu beobachten ist. Die Folge: Erkrankungen wie Diabetes entwickeln sich zu Volkskrankheiten, die Kosten der Krankenkassen steigen massiv an.

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Alles in allem keine rosigen Aussichten für die Krankenkassen. Dennoch plant die Bundesregierung Beitragszahler, die überdurchschnittlich gut verdienen und noch jung sind, in die Private Krankenversicherung zu locken. Hier soll der Wechsel wesentlich erleichtert werden. Gesetzliche Krankenkassen sollen laut Plänen der Gesundheitsreform auch keine Wahltarife mehr anbieten dürfen. „Gutverdiener“ haben dann (fast) keinen Grund mehr, in der Gesetzlichen zu bleiben. Die Folge: Den Krankenkassen fehlen genau die „Gutverdiener“, die den sozialen Ausgleich innerhalb des Kassen schaffen.

Viele Menschen wollen sich jedoch die Bürde des Zusatzbeitrages nicht gefallen lassen und verweigern die Zahlungen. Laut Agentur-Meldungen verweigern derzeit etwa eine Million Menschen den Zusatzbeitrag. Doch auch hier will die Bundesregierung die Menschen dazu zwingen, die säumigen Zahlungen nachzuholen. Wer nicht zahlt soll nämlich einen sogenannten Säumniszuschlag von bis zu 225 Euro zahlen.

Noch Anfang des Jahres verkündete die Bundesregierung, durch die Anhebung der Beiträge werde sehr wahrscheinlich auch der Zusatzbeitrag formell abgeschafft. Doch hier ist ein gegenteiliger Trend zu beobachten. Denn Politisch ist der Zusatzbeitrag als Einkommens-unabhängige Komponente bei der Kassenfinanzierung durchaus gewollt. Deshalb wurde Mitte des Jahres ebenfalls angekündigt, im Zuge der Gesundheitsreform die Entscheidung den Kassen zu überlassen, wie hoch die Zusatzbeiträge 2011 erhöht werden können. In diesem Punkt wird es vielen Krankenkassen nicht anders möglich sein, die Zusatzbeiträge nochmals deutlich zu erhöhen. Das Nachsehen haben dann die Kassenpatienten, die sich nur durch einen Wechsel der Krankenkasse wehren können.

Nach all diesen Gesichtspunkten ist es also wahrscheinlich, dass auch weitere Krankenkassen einen Zusatzbeitrag erheben werden. Hier kann behauptet werden, dass die schwarz-gelbe Koalition ein deutliches Interesse zeigt, das ursprüngliche Gesundheitssystem zu schwächen. Der Wettbewerb zwischen den Kassen soll steigen, Versicherte sollen deutlich mehr an den Gesundheits-Kosten beteiligt werden und die privaten Krankenversicherungen werden finanziell gestärkt. Das bedeutet das Aus für das paritätische System des Gesundheitswesen in Deutschland. Und keiner bekommt es wirklich mit. (sb)